"Sana" amputiert seine Belegschaft

Die private "Sana"-Klinik betreibt Outsourcing

Auf dem "Markt" der profitorientierten Krankenhaus-Konzerne gibt es ein wechselseitiges Hauen, Stechen und Vernichten. Gesundheit ist ein "Wachstumsmarkt" mit hohen Profitraten und knallharter Konkurrenz, bei der Gesundheitsversorgung primär zu einer Dienstleistung und der Patient zum Kunden wird.

Die angedrohte Entlassung von Kolleginnen und Kollegen, ihre "Umsetzung" in andere Gesellschaften bei schlechterer Bezahlung gehört dabei zu den Kernstrategien der Kapitalseite im privaten Krankenhausbereich. Dazu gehört auch die "Sana Kliniken AG". Sie betreibt bundesweit 47 Krankenhäuser, eines davon in Gerresheim. Hinter "Sana" wiederum stehen die großen Versicherungen als Anteilseigner: DKV, Signal, Allianz Private, Continentale, Debeka, Deutscher Ring, Barmenia, Bruderhilfe PAX – Familienfürsorge Krankenversicherung AG im Raum der Kirchen und viele andere.

Gegen dieses Kapitalballung zog die DKP mehrfach ins Feld: Schon vor fünf Jahren, am 17. und 25. April 2007, hatte die DKP im Gerresheimer Rathaus einen Sachstandsbericht zum Verkauf der Mehrheitsanteil des städtischen Krankenhauses an Sana eingefordert. Die Befürchtungen: Verschlechterung der Patient_innenversorgung und Verschlechterung der Personalsituation. Die Mehrheit von CDU und FDP wischte die Bedenken vom Tisch – und verkaufte. Auch der Hinweis, dass Geschäftsführer Horst Imdahl aus ethischen Gründen das Krankenhaus verlassen habe, fruchtete nicht.

Im Januar 2012 deckte die "Flaschenpost", Zeitung der DKP in Gerresheim, auf, dass es auch im medizinischen Bereich zu nennenswerten Fluktuationen gekommen sei. Sie veröffentlichte dazu eine Liste von Chefärzten, die inzwischen das Krankenhaus aus verschiedenen Gründen verlassen hatten. Die Redaktion wurde dazu mit interessanten Interna versorgt.

"Sana" beauftragte die international tätige Kanzlei Graf von Westfalen in Hamburg, gegen die "Flaschenpost" vorzugehen. "Sana" fürchtete, dass die Hinweise auf die Personalabgänge als Minderung der medizinischen Leistung gewertet werden könnten. Diese Schlussfolgerung hatte die "Flaschenpost" aus presserechtlichen Gründen aber nicht gezogen. Das war – Ironie der Situation – die Schlussfolgerung von "Sana" und ihrer Rechtsvertreter. Die DKP Gerresheim beauftragte Rechtsanwalt Detlef Fricke aus Hannover mit der Wahrnehmung ihrer Interessen. Danach meldete sich Graf von Westfalen nicht mehr.

Vom juristischen Parkett wechselte "Sana" zurück in den ökonomischen und sozialen Klassenkampf. Ende Juni trat das ein, vor dem die DKP schon vor fünf Jahren gewarnt hatte: Streichung von Arbeitsplätzen, Übergabe zu schlechteren Löhnen an neue Anbieter. Es wird von "Restrukturierung" gesprochen. Gemeint sind Auslagerungen verschiedener Abteilungen aus dem nicht-medizinischen Bereich: Küche, Reinigung, Bettenzentrale, Finanzbuchhaltung, Einkauf und Apotheke.

Inzwischen wurde der Neubau des Krankenhauses bei einem Tag der Offenen Tür der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach "Sana"-Angaben kamen fast 4.000 Besucher_innen. Die Rheinische Post berichtete von 3.500. Die Tage des Altbaus sind bis zum Abriss gezählt. Eine Panne gab es bereits, die allerdings nicht in der Verantwortung von "Sana" liegt: Der Krankenhaus-Neubau wurde wie umliegende Straßen von den Stadtwerken mit Trinkwasser beliefert, das die resistenten Bakterien (Pseudomonas aeruginosa) enthielt.

Zwischenzeitlich wurde Gerresheim – neben 32 anderen "Sana-Krankenhäusern" – mit dem Gütesiegel der Privaten Krankenversicherungen ausgezeichnet. Außer der Medizinqualität werden bei der Zertifizierung Aspekte der Patient_innensicherheit, der Patient_innenzufriedenheit und der Ärzt_innenzufriedenheit berücksichtigt. Die Bereiche Küche, Reinigung, Bettenzentrale, Finanzbuchhaltung, Einkauf und Apotheke werden dabei nicht genannt. Zum Verband der Privaten Krankenkassen gehören Unternehmen, die zugleich Aktionäre der "Sana AG" sind.

"Sana" schreibt zum "Unternehmenswert Partnerschaftlichkeit": "Transparenz und ein fairer, partnerschaftlicher Umgang sind die zentralen Werte der "Sana"-Unternehmensphilosophie und die Basis für Kooperationen sowie die Privatisierung von Einrichtungen im Gesundheitswesen. Bei der Integration von Kliniken aus öffentlicher Trägerschaft in den Konzern erweist sich "Sana" gegenüber allen Beteiligten als verlässlicher Partner."

Uwe Koopmann