"Bei Zamek fängt der Wahnsinn an!"

Beim Suppenhersteller Zamek findet ein zäher Arbeitskampf statt.

"...mit Zamek fängt die Mahlzeit an" – so lautet der eingängige Werbespruch eines Lebensmittelherstellers aus Düsseldorf. Die Qualität der Produkte, hergestellt von fleißigen Arbeiter_innen, rechtfertigt die Werbung. Die gute Entwicklung der Produktivkräfte entspricht allerdings nicht dem aktuellen Stand der kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Da gilt eher der Spruch "Bei Zamek fängt der Wahnsinn an!".

Solche oder ähnliche Vergleiche mag das Firmenmanagement nicht. Es schlug zurück mit vier fristlosen Kündigungen, davon betroffen waren auch zwei Mitglieder des Betriebsrates. Zamek-Geschäftsführer Michael Krüger sprach von "planmäßigen, nachhaltigen und wiederholten Beleidigungen und Verleumdungen der Geschäftsleitung, des Personalleiters und des Unternehmens Zamek". Und es wurde nachgeladen: "Während der Streiks wurden von den Betroffenen, wie auch von einem Gewerkschaftssekretär beleidigende Parolen auf den Straßen von Reisholz skandiert." So wird Krüger in der Rheinischen Post zitiert. Erschwerend kam offensichtlich hinzu, dass Streikleiter Dieter Schormann (NGG) dagegen nicht eingeschritten sei.

Dazu die NGG-Streikzeitung Nr. 8: "Zuletzt hatte das Arbeitsgericht Düsseldorf in großer Klarheit geurteilt, dass die von NGG gerufenen Parolen ‚keine rechtswidrigen Arbeitskampfmaßnahmen’ darstellen." Die Bezeichung "Betrüger" sei "als Unmutäußerung der Arbeitnehmer" zu verstehen (Urteilsbegründung vom 6. Juli).

Das Landesarbeitsgericht schloss sich am 17. August der Argumentation des Arbeitsgerichts an. Das Gericht berücksichtigte dabei, dass sich ein beschuldigter Gewerkschaftssekretär in der Freistellungsphase der Altersteilzeit befindet, also nicht mehr belangt werden konnte. Zamek vermochte nicht zu belegen, dass "die weiteren Verfügungsbeklagten sich aktiv an den Äußerungen beteiligt hatten". (LAG Düsseldorf, 8 SaGa 14/12, Urteil vom 7.08.2012)

Zurückgeschlagen wird auch mit Hausverbot: Der Geschäftsführer der NGG darf das Firmengelände nicht betreten. Inzwischen wurde in einem Eilverfahren das Hausverbot bis Oktober ausgehoben. Zurückgeschlagen wird mit der angekündigten Streichung von Arbeitsplätzen in Düsseldorf. Im Gespräch waren 150 Arbeitsplätze, die von Düsseldorf nach Dresden verlagert werden sollen. Gleichzeitig wurde die Zahl der Leiharbeiter_innen von 70 auf 105 gesteigert.

Schließlich verlangte Zamek noch – vergeblich – die Zustimmung des Betriebsrates zur außerordentlichen Kündigung zweier Mitglieder dieses Gremiums. Begründung: Bei einer Streikveranstaltung hätten sie beleidigende Parolen gerufen. Eine einvernehmliche Beilegung wurde nicht erreicht. Die nächsten öffentlichen Prozesse sind am 25.10.2012, 11 Uhr im Saal 004 (5 BV 199/12) und am 08.11.2012, 12 Uhr im Saal 112 (6 BV 200/12) des Arbeitsgerichts.

Hintergrund der Auseinandersetzung sind ganz normale Lohnforderungen von 6,5 Prozent im Rahmen des Flächentarifvertrages, die Zamek aber zu hoch sind, obwohl die Kolleginnen und Kollegen in der Vergangenheit sogar Lohnverzicht geübt hatten, weil ihnen gedroht wurde, dass sonst die Arbeitsplätze wackeln würden. Nach Aussage der NGG liegt der Lohn bei Zamek 6,25 Prozent unter dem in vergleichbaren Betrieben. Die Ursache: 2009 wurde vom damaligen Tarifvertrag ein "Sanierungsbeitrag" über die Reduzierung des Urlaubsgeldes, des Weihnachtsgeldes und der Lohnerhöhung abgezogen. Das sollte nur für zwei Jahre gelten. Von einem Ausgleich aber will Zamek heute nichts wissen.

Am 29. Mai scheiterte die dritte Tarifverhandlung. Die Kolleginnen und Kollegen ließen sich nicht einschüchtern. Es folgte ein Warnstreik über 24 Stunden bei allen drei Schichten. 91,2 Prozent stimmten nun Ende Juni für Streik. Zuletzt zogen die Kolleginnen und Kollegen vom Werk an der Kappeler Straße durch den Düsseldorfer Industrie-Stadtteil Reisholz.

Einen besonderen Geschmack bekommen die Auseinandersetzungen bei dem Hersteller von Suppen, Soßen und Fertiggerichten dadurch, dass etwa zeitgleich an der Börse eine Anleihe von 35 Millionen Euro zu einem Zinssatz von 7,75 Prozent innerhalb kurzer Zeit erfolgreich platziert wurde. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre. Mit dem Geld sollen weitere nationale und internationale Expansionen finanziert werden. Geschäftsführerin Petra Zamek und Geschäftsführer Michael Krüger zeigten sich hoch erfreut. Im Vergleich zum Zinssatz für den Profit sieht es mit den Lohnsteigerungen wahrlich geschmacklos aus.

Die Kolleginnen und Kollegen erhielten viel Solidarität. So heißt es etwa in einer Erklärung der DKP Düsseldorf: "Der Verlauf der bisherigen Auseinandersetzungen – wir würden sagen: des bisherigen Klassenkampfes – hat deutlich gemacht, dass es nicht nur um Lohnbetrug, vorenthaltenen Lohn oder abgelehnte Lohnsteigerungen geht. Deutlich wurde, dass ‚sozialpartnerschaftliche’ Beziehungen in der Tarifauseinandersetzung eine Illusion sind. Die Kapitalvertreter versuchen, ihre Positionen ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz zu oktroyieren. Das lassen sich die Kolleginnen und Kollegen nicht gefallen, wie die Abstimmungen deutlich gezeigt haben. Vielleicht dürfen wir das so sagen: Wir sind stolz auf Euch!"

Uwe Koopmann