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Das war das Camp

Vom 12. bis 17. September 2012 hat das antimilitaristische Camp gegen das Gefechtsübungszentrum (GÜZ) der Bundeswehr stattgefunden. Dort üben Bundeswehr und NATO den Häuserkampf und das Vorgehen gegen Demonstrant_innen. Das GÜZ, das nördlich von Magdeburg liegt, wird betrieben von der Düsseldorfer Rüstungsschmiede Rheinmetall. Hier wird der Einsatz nicht nur im Ausland, sondern auch im Innern trainiert. Begleitet wurde das Camp von massiven Einschüchterungen durch Polizei und Justiz sowie vielen Verboten. Doch davon ließen sich die etwa 400 Kriegsgegner_innen nicht abschrecken.

Mit allen Mitteln, darunter auch willkürliche und offen rechtswidrige Anordnungen und Verbote, versuchten der Landkreis und die Polizei das Camp zu verhindern. So wurde eine Allgemeinverfügung über 400 Quadratkilometer erlassen, die sämtliche Aktionen innerhalb dieses Gebietes verhindern sollte. Entsprechend mussten die Kampierwilligen ständig Gerichte bemühen, um gegen diese Schikanen vorzugehen. Trotz mehrerer eindeutiger Urteile hielt sich die Polizei meist nicht daran. Ungeachtet des Rechts, anonym an Demonstrationen teilzunehmen, wurden innerhalb der einen Woche über 700 Personalienfeststellungen durchgeführt. Darüber hinaus gab es jeden Tag repressive Aktionen gegen das Camp. Höhepunkt war der Samstag, 15. September: 1.000 Polizeibeamt_innen waren vor Ort, dazu Hunde- und Pferdestaffeln, Hubschrauber und zwei Wasserwerfer. Während auf der Demo etwa 100 Leute waren, die auch schnell illegal gekesselt wurden, gelang es 200 bis 250 Personen, in kleinen und größeren Gruppen auf das Militärgelände zu kommen. Der Rest hat rund um das GÜZ Unruhe gestiftet. Auf dem Militärgelände wurden Panzermanöver unterbrochen, der Übungsbetrieb lahmgelegt und zahlreiche Gebäude mit Farbe markiert.

Einer Gruppe von ca. 40 Personen gelang es, im Norden unentdeckt auf das Gelände zu gelangen und die Bundeswehr dazu zu zwingen, ein dort stattfindendes Manöver abzubrechen. Maschinengewehrgeknatter und Panzerlärm wurden jäh unterbrochen, als die Gruppe mit Fahnen und Sprechchören die Deckung des Waldes verließ und einen der an der Übung beteiligten Panzer umzingelte. Der Soldat im Panzer versuchte die Aktivist_innen zu verscheuchen, indem er das Maschinengewehr auf sie richtete. Die Antimilitarist_innen ließen sich davon nicht beeindrucken und sprühten eine der Sichtluken des Fahrers dicht und verzierten den Panzer mit rosa Parolen. Beim Rückzug der Gruppe setzte der markierte Panzer den Aktivist_innen einige Meter nach und nahm dabei schwere Verletzungen dieser in Kauf. Doch weder die Verfolgung durch den Panzer noch die anschließende stundenlange Jagd auf die Gruppe mit Feldjägern, Polizei und mehreren Helikoptern verliefen erfolgreich. Alle an dieser Aktion beteiligten Aktivist_innen sind unerkannt entkommen.

Eine weitere Großgruppe, die an anderer Stelle auf einen Panzer traf, hatte leider nicht ganz soviel Glück. Erst ergriff der Panzer die Flucht, um einer Umlackierung zu entgehen. Dann wurden auch noch einige Personen, z.T. äußerst brutal, von Feldjägern festgenommen. Daneben fanden noch etliche andere Aktionen statt.

Insgesamt betrachtet waren das Camp und die Aktionen ein erfolgreicher Anfang. Nächstes Jahr soll es dann weitergehen mit dem Ziel, das GÜZ endlich endgültig zu schließen.