Mettmann: Rückzugsort für die Neonazi-Szene

Das Antifaschistische Bündnis Kreis Mettmann informiert

Die Stadt Mettmann, zwischen Wuppertal und Düsseldorf im Neandertal gelegen, hat sich zu einem wichtigen Rückzugsort für die regionale Neonazi-Szene entwickelt. Auch aus diesem Anlass findet dort am Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November 2012 eine überregionale Demonstration unter dem Motto „Die Erinnerung zur Mahnung“ statt.

Mit der Gaststätte „Lounge Deluxe“ in der Elberfelder Straße stehen Neonazis im Mettmann Räumlichkeiten für Veranstaltungen und Versammlungen zur Verfügung (vgl. TERZ 01.10 und 06.11) . Bekannt wurde dies bereits Anfang Dezember 2009. Für den 5. Dezember 2009 hatte die extrem rechte „Gemeinschaft Deutscher Frauen“ (GDF) zu einem „Tag der Generationen“ eingeladen. In „weihnachtlicher Umgebung“ präsentierten „Zeitzeugen“ und „nationale Aktivisten“ Redebeiträge, außerdem wurde ein „Kinderprogramm“ angeboten. Zudem soll ein „Liedermacher“ aufgetreten sein.

Über ein Jahr später wurde dann bekannt, dass in der Gaststätte auch Informations- und Mobilisierungsveranstaltungen für Neonazi-Demonstrationen in Wuppertal und Stolberg stattgefunden hatten. Und offenbar nutzte auch die NPD die „Lounge Deluxe“ des Öfteren als Versammlungsort für ihre monatlichen Treffen. Anlässlich der bevorstehenden Landtagswahlen veranstaltete sie dort im Frühjahr 2012 auch eine Wahlkampfveranstaltung. Es nahmen über 50 Neonazis aus ganz NRW teil, unter ihnen der NPD-Landeschef Claus Cremer und Aktivisten der mittlerweile verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL).

Nicht nur Rückzugsraum

In Mettmann versuchten sich Neonazis auch immer wieder an kleineren Aktionen. Anlässlich des 23. Todestages des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß wurden am 17. August 2010 Straßen mittels Aufklebern in „Rudolf Hess Straße“ umbenannt und ein „Rudolf Hess – Unvergessen“-Transparent an einer Brücke aufgehängt. Am 28. Juni 2011 führten NPD und „Freie Kräfte“ eine zirka 50-köpfige Kundgebung unter dem Motto „Pressehetze abschalten“ auf dem zentral gelegenen Jubiläumsplatz durch. Im August 2011 richtete der NPD-Kreisverband Mettmann/Düsseldorf in Zusammenarbeit mit „Autonomen Nationalisten“ auf einem Mettmanner Sportplatz ein „nationales Fußballturnier“ aus. Angemietet wurde der Platz bei der Stadt als Dartverein. Am 21. Februar 2012 wurde ein Mitglied des von der Stadt getragenen „Bündnisses für Toleranz & Zivilcourage“ von einer unbekannten Person attackiert. Die angegriffene Person wurde antisemitisch angepöbelt, bedroht und mit einer Bierflasche angegangen.

Antifaschistisches Bündnis

Im Juni dieses Jahres gründete sich dann das „Antifaschistische Bündnis Kreis Mettmann“ (www.BuendnisME.blogsport.de ). Dieses Bündnis versteht sich als Zusammenschluss bereits bestehender antifaschistischer Gruppen im Kreis Mettmann und weiteren Einzelpersonen aus einzelnen Gemeinden des Kreises. Mit Gründung des Bündnisses wurde die Kampagne „Mettmann Nazifrei“ ins Leben gerufen. Infolgedessen wurde in den letzten vier Monaten mit öffentlichen Aktionen auf das Neonazi-Problem in Mettmann aufmerksam gemacht.

Ein grundlegendes Problem besteht in Mettmann sicherlich auch darin, dass die extreme Rechte zuvor nicht ausreichend thematisiert und die Problematik nicht an weite Teile der Öffentlichkeit herangetragen wurde. Dass es tatsächlich Probleme mit Neonazis gibt und wie akut diese sind, konnte man am 28. Juli 2012 feststellen, als Antifaschist_innen am Bahnhof Mettmann nur knapp einem Angriff einer größeren Gruppe Neonazis entgingen. Als Antifaschist_innen wenige Tage später auf den versuchten Übergriff öffentlich aufmerksam machen wollten, fanden sich etwa 20 Neonazis ein, die sich in der „Lounge Deluxe“ versammelten und sich vor der Gaststätte provozierend mit einem Transparent aufstellten. Anwesende Polizeikräfte schienen sich weniger für die Neonazis als für den antifaschistischen Protest zu interessieren, der schlussendlich mit aggressivem Nachdruck und mittels Platzverweisen aus der Stadt verbannt wurde. Dank des Polizeieinsatzes konnten sich die Neonazis anschließend einen netten Abend in der „Lounge Deluxe“ machen, deren Inhaber keinerlei Probleme mit der neonazistischen Szene zu haben scheint. Seitens der Polizei wurde auch nicht verhindert, dass ein Neonazi am 18. August 2012 in unmittelbarer Nähe einer Gedenkveranstaltung anlässlich des 70. Todestag des NS-Gegners und -Opfers Johannes Flintrop versuchte, zwei Teilnehmer mit Pfefferspray anzugreifen.

Ausblick

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Stadt Mettmann ein wichtiger Rückzugsort für die Neonazi-Szene im Rheinland geworden ist. Mit der Gaststätte „Lounge Deluxe“ hat sie jederzeit Zugriff auf Räumlichkeiten, sei es für Veranstaltungen oder auch für spontane gesellige Abende.

Eine Möglichkeit, das genannte Problem öffentlich wahrnehmbar zu thematisieren, gibt es am 9. November 2012. Anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht findet am Abend dieses Tages unter dem Motto „Die Erinnerung zur Mahnung – Für eine Welt, in der Antisemitismus, Faschismus und Rassismus keinen Platz haben sollen“ eine überregionale Demonstration in Mettmann statt. Die Entwicklung in Mettmann gibt der Erinnerung an die Reichspogromnacht eine erschreckende Aktualität. Dem Gedenken an die deutschen NS-Verbrechen auch weiterhin Gehör zu verschaffen, sollte in Anbetracht von gegenwärtigen Neonazi-Aktivitäten ohnehin weiterhin eine wichtige Aufgabe für alle sein. Gemeinsam mit vielen Unterstützer_innen soll an diesem Tag ein klares Zeichen gegen Rechts gesetzt werden. Denn auch im Mettmann gibt es keinen Platz für Neonazis!

Demo
„Die Erinnerung zur Mahnung – Für eine Welt, in der Antisemitismus, Faschismus und Rassismus keinen Platz haben sollen“

Freitag, 9. November 2012, 19.00 Uhr, S-Bahnhof Mettmann-Zentrum

www.9november.blogsport.de