Eller knapp an Katastrophe vorbei

Glück im Unglück hatten drei Fahrgäste und der Busfahrer der Buslinie 721 – vermutlich aber auch tausende Anwohner_innen an der Güterbahnstrecke im Düsseldorfer Süden.

Am 19. Dezember gegen 20:20 Uhr krachten in Eller zwei Güterzüge auf dem Bahnübergang „Am Hackenbruch“ in einen Rheinbahnbus und entgleisten. Laut Aussage des Busfahrers ging der Motor genau auf dem Übergang aus und ließ sich nicht mehr starten. Fahrgäste und Busfahrer konnten sich in letzter Sekunde vor den herannahenden Güterzügen in Sicherheit bringen.

Die Mainstream-Presse konzentriert sich in der Berichterstattung überwiegend auf die schwere Kollision mit dem Bus und hinterfragt nur zögernd die wirkliche Gefahr für die Bevölkerung. Denn einer der Züge hatte auf 22 Wagen Gefahrgut geladen. Gehandelt hat es sich um Propan- und Butangas, aber auch andere gefährliche Stoffe sollen dabei gewesen sein. Nicht auszudenken, wenn hier Kesselwaggons explodiert wären. „Es hätte mit Sicherheit auch Tote geben können“, so ein Sprecher der Düsseldorfer Feuerwehr.

Der in Richtung Essen fahrende Güterzug wurde wegen der Länge und Schwere von zwei Loks gezogen. Die erste davon stürzte in ein Gartenhaus. Die zweite Lok blieb auf dem Gleisbett. Dahinter befanden sich die Gefahrgutwaggons. Durch den entgegenkommenden Zug nach Hilden hätten bei einer Entgleisung der Wagen und dadurch entstehende Verschiebungen große Beschädigungen mit katastrophalen Schäden und Explosionen entstehen können.

Deutsche Bahn (DB) und Bundespolizei spielten am Tag nach dem Unfall sofort die hohe Gefahr des Gefahrgütertransportes herunter. Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz wurden die üblichen Erklärungen bei Chemie- und Großunfällen abgegeben: „Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine ernsthafte Gefahr für die Bevölkerung“, so eine Sprecherin der Bundespolizei. In den Kesselwagen hätten sich nur Restbestände befunden.

Keine Antwort gibt es von den Verantwortlichen der Bahn auch auf Fragen, warum an dem Bahnübergang fast ein Jahr gearbeitet wurde. Die jetzt zum Teil zerstörte Signalanlage wurde erst Ende November in Betrieb genommen. Die in Düsseldorf erscheinenden Postillen Rheinische Post, WZ und NRZ hinterfragen nicht, ob dieser Unfall vielleicht auch mit einem Fehler in der Signalanlage zusammenhängt. Während der Sanierungsarbeiten wurde der Übergang durch Subunternehmer der DB immer wieder mit rotweißen Flatterbändern vor herannahenden Zügen gesichert. Wegen der außergewöhnlich langen Arbeiten gab es sogar Anfragen der Bezirksvertretung 8 im Rathaus Eller.

In Internetforen wird kritisiert, dass die Schliessung der Schranken äußerst spät geschieht. Bei Dunkelheit seien bei offenen Schranken mehrmals bereits Scheinwerfer von Lokomotiven aus Richtung Essen in einer geschätzten Entfernung von 1.000 bis 1.500 Metern zu sehen gewesen. Dies berichten Autofahrer_innen und Fußgänger_innen beim Überqueren der Bahnanlage. Die Bahnlinie gehört zu den meistbefahrenden Güterstrecken. Täglich passieren rund 200 Züge mit einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern den Stadtteil.

H.S.