MADE MY DAY

by HONKER

"Wo ist der Abendstern geblieben?" schrie mich letztlich eine Zeitung an. Äh, ich hab ihn nicht, antwortete ich und krümelte zur Sicherheit noch mal in meinen Hosentaschen herum. Zum Glück gab das Käseblatt die Antwort gleich selbst: "Er hat die Seite gewechselt und leuchtet seit Juni 2012 als Morgenstern." Ja nun mal Tralala! Which side R U on, comrade? So eine treulose Tomate, dieses Sternchen – Kannst Dich nicht entscheiden und kennst eh keine Loyalität? Für den Stern wohl keine Frage: er wechselt wie ein Spion im Kalten Krieg die Seiten und scheißt sich nix dabei. Auf der Suche nach Erlösung öffnete ich den Kühlschrank. Das Licht ging an und ich sah Gerard Depardieu, den König der irdischen Seitenwechsler. Mon Dieu! Er grinste wie ein Zwölftonner, denn er hatte sämtliche Spritvorräte verschluckt, und ich wusste sofort was Ambach (bzw. Asbach) war: es ging um Hochprozentiges. 75% für die Petite Nation, das geht gar nicht – verständlich auch, wenn man sieht, wie korrupt und sinnlos eh alles von Hollande und den kranken Konsorten verpulvert wird. Da wollte Igitt Bardot nicht nachstehen: weil zwei ebenfalls kranke Elefanten eingeschläfert werden sollten, drohte sie wie Abend- äh Morgenstern und Depardieu äh Depardjew die Seiten zu wechseln und in Putins Reich der Finsternis einzugehen. Sie sehe viel Menschlichkeit in Putin, ließ die greise Mimin wissen, ohne freilich zu verraten, in welche Kristallkugel oder welchen Flaschenboden sie tief geschaut hatte. "Jedes Mal, wenn ich ihn um etwas bitte, erfüllt er es mir eigentlich", verriet sie. Was das wohl bislang für Bitten waren? Ihre Geldbörse an der Supermarktkasse zu öffnen? Ihren BH? Die Tür zur Geronto? Wie auch immer: Geht, geht doch alle – geht auf die andere Seite. Wir bleiben hier, denn der Tag zerstört die Nacht, doch die Nacht, die teilt den Tag, und egal, wie wir versuchen zu fliehen und uns zu verstecken, wir müssen von hier aus zur anderen Seite durchbrechen. Und gerade, als wir einmal mehr mit Gebrüll die Spitzhacke schwingen wollten, kam nicht Abend- noch Morgenstern, sondern unser einzig und unvergleichlicher Superstar Kurt "Rasier dich mal, dann findste auch nen anständigen Job" bzw. "Polit-Pampelmuse" bzw. "everbeleidigte pfälzische Leberwurst" bzw. "I’m a Looser Baby und jetzt erst recht" Beck und pampte uns göttergleich an: "Könnt ihr mal das Maul halten, einfach mal das Maul halten?!" Natürlich nicht! Aber wie konnten wir diesen unseren Superstar-Seitenwechsler nur vergessen? Break on through, Kurti! Dass das Heeresmusikkorps aus Koblenz Looser-Kurt zum Abschied den "Paradearsch Nr.1" spielte, blieb jedoch ein unbestätigtes Gerücht. Interessiert ja auch’n toten Sheriff. Und jetzt geht’s auf unsere Seite.

Ton ab.

DEERHOOF: BREAKUP SONG (atp) Wenn die ausgewiesenen Non-Checker Annie als "Indie-Kylie" bezeichnen, nenne ich als personalausweisbeglaubtiger lifelong-never-ever-Checker Satomi Matsuzaki die "Avant-Pop-Annie". Ja eh geschissen, aber der Vergleich perlt nun mal wirklich schön. Doch da wäre ja noch der ureigene Sound der Pitchfork-Lieblinge ("Beste Band der Welt!" – tolloriginelles Lob, ihr Hyper-Looser) aus San Francisco. Klaro, Plüsch-Granate als Tischbombe auf der Kritiker_innen-Kinderparty mit Silikonglitzerstaub und Reviewschnipseln drin, aber Leute: Wenn die Band sagt, Pop war immer schon das Kreuz auf der Deerhoof-Schatzkarte weil Pop ist: "Catchy-New-No Rules", trifft das so was von ins Schwarze, und alles wird rot. Fantastischste Vier.

FOSTERCARE: ALTERED CREATURE (elephant) Retro-Rave-Trance-Tech, inspiriert von Deleuze und Zizek? Sehr seltsame Pflegeeinrichtung. Der Elektronik-Eklektiker aus Minneapolis featured angeschimmelte Tech-Styles auf eine derart retrogardistische anregende Art, zudem angeblich visuell schwerst- profund-verstörend, dass wir Aug und Ohr auf dieses Pflegekind werfen sollten.

THE HOST: THE HOST (Planet Mu) Noch mehr uralte Kamelle, brandfrisch auf Euren Tisch: Das Projektdebut von Barry "Boxcutter" Lynn bringt endlich wieder Rhythmik und Klagmalerei in Zeichen von Bass und Tiefe auf den Plan, sehr schön, inspiriert und überraschend. Ein abgefahrener Hybrid aus Juke / Footwork und Electro-Psych-Kraut, der sich ab der Mitte des Albums teilweise in einen sehr atmosphärischen Gitarren-Trance-Psych ala Oldfield und Hillage morpht. Klingt schlimmer als es ist, ist nämlich richtig gut. Und das Schönste ist: endlich keine obernervige Overdub-Promo-Stöhnstimme mehr. Ride on, Mike!

DAMIAN VALLES: NONPARALLEL (experimedia) Einfach kompliziert: Diese dronig-dräuenden Scapes in vier ‚Movements’ wirken wie Nebelschwaden, die das Tal deiner Zuversicht langsam ausfüllen oder auch wie der Score für das nächste Blair-Witch-Kinderkino. Allerdings sampelte und arrangierte der Klangforscher hier ausschließlich Avantgarde-Western-Classical-Composers (wer immer das sein mag – und nu kommt mir nicht mit Ennio) und Nonesuch-Computermusik der 60er und 70er, Sounds also, die man in jeder Frittenbude hört. Das ist natürlich alles wahnsinnst komplex und subtil, aber unterm Strich – einfach oft (nur) kompliziert. Faszinierend, aber zu gewollt.

OREN AMBARCHI: AUDIENCE OF ONE (touch) Schon vor Jahresfrist erschienen, aber immer noch eine der besten Scheiben der Gegenwart: auch vier Movements, aber wieviel ungleich mehr Energie und Vision kann der versierte australische Experimentalist hier generieren. Von ruhigen, Folk-artigen Stücken mit Gesang, die er sich gerne und unkompliziert gönnt, bis zu wahnwitzigen Psychedelic-Monstern in über halbstündiger Länge geht es hier. Fantastische Musik mit inspirierten Gästen – und nebenbei großartige Kochmusik. Play loud!

SCOTT MORRISON: BALLAD(S) FOR QUIET HORIZONS (room40) Wie Ambarchi stammt auch dieser audiovisuelle Produzent aus Sydney. Sein Interesse liegt u.a. in der konkreten Imagination einer Einheit aus Landschaft, Bewegung und Zeit. Dies wird auf dieser schönen DVD in sechs faszinierenden Einheiten exploriert und kommt über simpel-verfremdete Visuals (Pflanzen, Wasser) zu überaus psychedelischen Effekten. Am Besten würde das Ganze mit Großbildschirm und viel Zeit wirken – aber wer hat das schon? Trotzdem: gut!

KID 606: LOST IN THE GAME (tigerbeat6) In welchem Spiel Signor de Pedro verloren war, ist uns auch nach Hören dieses tollen Albums nicht klar, aber er dankt allen, die in dieser Zeit mit ihm waren. Der Gestus der Tracks ist ruhig-gemäßigte Elektronik, die man ständig und immer wieder hören kann, ohne dass sie sich abnutzt. Tolle Moodmusik ohne Kitsch und Anbiederung mit wie stets großartigen Titeln. Und wenn ihr die Musik nicht hören wollt, dann lest wenigstens diese Titel. Denn dann wollt ihr auch die Musik. Trick.

YAN WAGNER: 48 HOURS (pschent) Shittytralala. Eine Scheibe, die sich alle Retroarmisten der Jetztzeit am Küchentisch hätten ausdenken können. Der Titeltrack ist der schamloseste OMD-Rip-Off, den ich je gehört habe. Saugeil, ergo Pop. Nach diversen DAF-und Yazoo-Bädern geht’s in die Über-Ballade "Le spleen de l’officier", die klingt, als ob sich die Davids Sylvian und Bowie mit Wagner zu einem siamesischen Drilling vereinen würden. Fantastischer Pop. Things & thoughts are getting perverted, und eines ist mal sicher: 1:1 ist nie vorbei. Olé.

LCMDF: MENTAL HEALTH (fan) Emma Mia! Ächz. Euro-Hipster, die auch sich selbst auslachen und zu keinerlei sozialpolitischen Pop-Projektion willens und fähig sind. Eigentlich ganz hübsch und unterhaltsam. Wenn nur die Musik –

WILFRIED: TRALALA (monkey) Der aber. Gereifter Bergkäse. Rollendes Urgestein. Nachdem die Highdelbeere wie ein Dosenkasperl mit dem Begriff ‚Austropoplegende’ zugeworfen wurde und 1988 als Eurovisionarr zum sagenhaften Looser wurde, hatten ihn die meisten abgeschrieben. Nach 15 Jahren jetzt dieses unglaubliche Album: zart, zerkratzt und zauselig, dabei immer ein rauer Charmeur und herzlicher Clown. Seine Ausflüge in den Jazz und sein 5/8liger Sohn machen sich bezahlt: nie klang er so fragil und kräftig.

DEAD WESTERN: ETERNALLY (discorporate) Ja, die lebenden Legenden … Troy Mighty ist schon – ungleich jünger – so ein Kaliber. In seinem sinistrem Dandyhippie-Psychedelic-Chamber-Folk ist er der unangefochtene Timbre-Weltmeister: Stuart Staples, Antony Hegarty und auch mal Scott Walker und sogar Brian Ferry-Schleifspuren lassen sich in den Ohrmuscheln ausmachen. Doch der genuine Sound des Kaliforniers ist letztlich zu weit draußen für Genre- und Referenz-Grenzen: heilige Scheiße, ich glaub er hat es, ich glaub, er hat es.

RICO REPOTENTE: DUST ON THE HALO (goldrausch) Der gebürtige Philippine, der bei Hamburg aufwuchs, dabei Hendrix-Injektionen bekam, nach Berlin zog und schließlich in Stockholm mit jungen Schweden diesen Zweitling aufnahm. Die richtige Mischung aus Blues-Rock, Song und Indie. Richtig gut, 1:1 (ist halt nie vorbei) und kickend. Beseelt, kantig, schweifend, weit und tief.

WHITE COWBELL OKLAHOMA: BUENAS NACHAS (slick monkey) Hm, ich schätze mal, diese kanadische Schnittmenge aus weißen Stetsons, Karohemden, Molly Hatchet, Ted Nugent, Lynyrd Skynyrd, Supersuckers, dicke Hose/Eier/Wampe fährt am Samstag zu Walmart und lässt sich per Kran die übliche Wochenendpalette Bud auf den Pick-Up hieven. Aber mehr als das glaube ich, sie sind einfach gestrickte Western-Darsteller, die Spaß wollen. Den können sie haben: hört Euch mal "Buenos Tardes Amigo" an. Nur so zum Spaß.

LUMP200: HOBBIES & RELIGIONS (lump200) Sieh da, ein Lump, wie schön. Leider ist sowohl der Titel der Platte ziemlich blöd als auch die Musik na ja bis nervig bis na ja einfach schlecht. Nach dem zigsten Durchhören dieses Hybrids aus dem kehligen Sprechgesang des Soloprojekts des Schweizer Wahlberliners René Desalmand mit Elektonik, Beats und Sousaphone wird immer noch nicht klar, was wie wohin will und was das überhaupt soll. Kaum eine Lebenssituation, in die das passt außer auf Parkbank sitzen und aufstehen.

TOSCA: ODEON (!K7) Fuck yeah, endlich Champions League. Das bereits sechste Album von Huber & Dorfmeister brilliert mit ausgezeichneten Gastvocals und einer stupende Atmosphärik. Irgendwie denkt man, man kennt das doch alles, hat eh Memory-Chips mit fantastischen persönlichen Ereignissen implantiert, und dann ist da doch etwas ganz Neues, Überraschendes, Packendes. Wer fälschlicherweise noch Assoziationen von Downtempo-Cafehaus-Musik hat, sollte umdenken und zuhören: soulful-sinister-stimmiger Mood-Ambient, der einen ureigenen großartigen Sound erzeugt. Großes Teil!

NINA ATTAL: YELLOW 6/17 (snowhite) Das Debut der impulsiven und selbstsicheren erst 20jährigen Südfranzösin erfindet mit seiner Melange aus Funk, Blues, Jazz, Soul in einem überzeugenden zeitgemäßen Pop-Vibe keinerlei Rad der Musikgeschichte neu, beeindruckt aber nicht zuletzt durch Klarheit, Kante und Konsequenz. Attal spielt, seitdem sie 12 ist, Gitarre, weiß ab 15, dass sie Profi wird, und spielt sich als 18jährige mit französischen Bluesern den Arsch ab. Ganz normal erstaunliches Talent, gut gerüstet für weitere Taten.

ZIGGY MARLEY: IN CONCERT (tuff gong) Der älteste Sohn von Bob und Rita spiegelt gerne soziopolitische Fragestellungen und kollektive Slogans in individuelles Verhalten, so in "Personal Revolution" oder "True to myself". Je nachdem sich das als strategisch gewieft, oberflächlich oder nur gelassen betrachten lässt, verpackt er seinen dialektischen Universalismus, in dem es eher wenig Platz für Subtilitäten gibt, in lässige zeitgemäße Reggae-Grooves, die zum Nicken bringen und die Messages ganz der Papa Bob massenkompatibel in die Welt tragen. Hier in bestechenden Live-Aufnahmen während der Tour 2012.

BARRINGTON LEVY: SWEET REGGAE MUSIC (vp) Levy war und ist einer der besten und markantesten Stimmen im Genre, und einer, der auch mit am längsten dabei ist. Der Miterfinder des Dancehall, dessen Tracks stets auch Dub und Roots atmen, verschob mit den Roots Radics die Parameter von Reggae und setzte neue Marksteine. Drum&Bass-Artists sampelten ihn oder arbeiteten gleich mit ihm, mit vielen HipHop-Schwergewichten bandelte er auch an. Diese sagenhafte Do-CD-Compi exponiert den "alten" aka jungen Levy von 1979 bis 1984, der Ende der 80er nach England zog und sich dort neu organisierte und strukturierte, auf der Höhe seiner Originalität und seines Schaffens. Not to miss!

ERB/LONBERG-HOLM-DUO: SCREW & STRAW (veto) Ein weiteres FreeJazz-Duo als heiter-lässig-konzentrierte Schwerarbeit: Schweizer Sax und Bassklarinette trifft US-Cello. Erb entdeckungsfreudig wie immer, und Lonberg-Holm, ein richtiger Ladies-Man in seinen Kooperationen, kommt immer gut, wenn’s mal wieder einen Typ trifft. Tonal sehr schön extrem befreit und dabei gleichsam ohne billiges Powerplay-Wechselgeld, immer hübsch ziehend, stechend, überraschend. Keine E-Muzak-Anwandlungen und tolle Titel. Yeah.

FIFTY-FIFTY: LET’S COUNT (klangbad) Und noch ein Schwerarbeiter-Duo, hier aber mit einer sagenhaften leichtfüßigen Disziplin, aus der Inspiration und Transformation erst so richtig schön entstehen kann. Der Schlagzeuger Manfred Kniel und der Saxofonist Ekkehard Rössle haben nach ihrem empfehlenswerten Debut "Fragments" mit punktgenau korrelierenden Kurztexten der Vokalistin Rebecca Harris ihre eh schon faszinierende Palette aus inspiriertem (und gottlob nicht strengem) Minimalismus und präziser Kontemplation erweitert und ein neues Plateau erreicht. Ganz ruhig, etwas hinterfotzig und gelassen, aber niemals alberig, beliebig oder ausfransend. Durchaus an John Zorns ‚Short Cuts’ erinnernd, hat es wohl selten ein aktuelles hiesiges Duo so sehr geschafft, in Reduktion und Dezenz so weit im Jazz zu kommen. Chapeau, klaro Kisto.

GIANT DWARF: RABBITWOOD (engine studios) Genau, Duos heut im Dutzend billiger … der erste Record Deal des Austria-Ausnahmegitarristen Martin Philadelphy in den USA führte ihn direkt in die Arme von Drummer Jeremy Carlstedt. Die beiden stecken jede Menge Moods in einen Sack, schütteln kräftig durch und Du greifst Dir raus, was gerade geht. Sehr fein, frei, fett, famos, facettenreich, ferdammt fielfältig, schrullig, knullig, bullig, doch niemals billig. Von ausufernd über fragil bis swingend reichen die Mood Swingers ihre riesenkleinen Cookies, und das komplett ohne Overdubs. Dolles Ding.

RUPP/MÜLLER/FISCHERLEHNER: (gligg) Rupp, nach wie vor einer der gegenwärtig originellsten, eigenständigsten und besten freien Gitarristen des Planeten – bleiben wir bescheiden – hier mit den nicht minder freigeistigen Posaunisten Matthias Müller und dem Schlagzeuger Rudi Fischerlehner in einem atemberaubenden 5-Pack, das fordert, schafft, kämpft und belohnt. Man spannt den Bogen ganz hart an, doch nach dem Schuss findet man die Erschlaffung lustig und vielversprechend, so macht man neue Geflechte und Spannungen daraus. Spannung, Dynamik, Punktierung, Augenblicksversprechen und grundgütige bedrohliche Enttäuschung sind mögliche Parameter, unter denen sich diese Geflechte bilden und wieder auflösen. Verfolge den Prozess.

ALEXANDER VON SCHLIPPENBACH: PLAYS MONK (intakt) Ächz. Schon wieder ein Kandidat für den Kritikerpreis? Ich würde mir vielmehr wünschen, dass das in jedem na sagen wir mal zweiten ok dritten Haushalt laufen würde. Was diese Musik machen kann und wie sie unter anderem ist: entspannen, spannen, an der Hand nehmen, hinterhältig sein, dann: fordernd, verwirrend, schweifend, pointiert, bloodrushing, klar, konsequent, konziliant. Monk, der Unersättliche. Der was? Na, an Zuschreibungen, Auflagen, Patinierungen – Nebelkerzen, Tropfkerzen, Strafraumkerzen. Auratisches Blattgold. Als markante und einfach komplizierte Übergangsfigur zwischen Struktur und Zersprengung des Jazz. Schlippenbach, der Exekutor: Nur, wenn jemand keine Angst vor einem faulen Kern hat, kann er ins Innere der Zwiebel vordringen. Und natürlich hat das Reschpekt. Und mein Gott, klingt das gut. Der Klang ist kongruent mit der Spielweise so perfekt, dass es beängstigend für alle wird, die danach kommen werden. Das Glenn-Gould-Syndrom. So eigen und fremd-vertraut hat Monk noch nie geklungen. Ich habe Monk Solo früher zwischen den Proben für meine Band gehört. Danach spielst Du nicht anders, aber aufmerksamer. Danach kam und kommt vieles andere, aber mein Gott, diese Platte. Ich glaube, das macht verliebt. In die andere Seite.