Stars und Stumpen

BRYAN ADAMS rockt das NRW-FORUM Düsseldorf mit Fotoporträts von Künstler_innen und Kriegsveteranen

In BRYAN ADAMS – EXPOSED im NRW-FORUM Düsseldorf (02.02. bis 22.05.2013) zeigt der kanadische Rockstar Bryan Adams zum ersten Mal in Deutschland einen umfassenden Querschnitt seiner besten Fotografien. Neben vielen ikonenhaften Künster_innenporträts, von Amy Winehouse, Don van Vilet oder Monica Bellucci kann man auch seine Serie über kriegsversehrte britische Soldaten begutachten.

Dass Bryan Adams ein begnadeter Fotograf ist, ist noch weitgehend unbekannt. Dabei wurzelt Adams Leidenschaft für die Fotografie bereits in seiner frühen Kindheit, wo er die ersten Fotos mit der kleinen Kamera seiner Eltern gemacht hat. Seine heutigen Fotografien sind zumeist mit einer großformatigen analogen Kamera geschossen, so dass seine Porträts von außerordentlichen Detailtreue sind. Es sind keine Masken abgelichtet, sondern Menschen. Adams besitzt die Gabe, den Menschen so zu greifen, wie er ist. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, weshalb die Künster_innenporträts bei BRYAN ADAMS – EXPOSED eher eine sekundäre Rolle einnehmen. Im Vordergrund der Ausstellung stehen seine Fotografien von verstümmelten, vernarbten oder verbrannten britischen Soldaten, die aus den Auslandeinsätzen, im Irak und in Afghanistan heimkehren konnten. Betritt man diesen zweiten Teil der Ausstellung, stößt man schlagartig auf das Porträt des jungen Soldaten Graig Woods. Immer noch uniformiert, aber diesmal mit zwei Beinprothesen und einer Handprothese, setzt Adams ihn in Szene. Seine Bilder sind direkt und provokativ. Dies sieht man auch an den Porträts von Corporal Ricky Fergusson. Sein Gesicht ist an Nase und Mund von Narben gezeichnet und seine Ordensgeschmückte Brust bildet einen seltsamen Kontrast zu seinen Händen mit den ihm verbliebenen Fingern. Es stellt sich die Frage, warum die meisten Kriegsversehrten sich in ihrer Uniform haben ablichten lassen, wo man doch davon ausgehen kann, dass die Soldaten nach einem Auslandeinsatz niemals nur äußerliche Wunden davon getragen haben, sondern auch die Seele voller Narben ist. Unabhängig von den entsetzlichen Verwundungen, die diese Soldaten erlitten haben, ist es Adams hauptsächliches Anliegen, mit den Aufnahmen den Optimismus der Soldaten zu zeigen. Ein Optimismus, der die Kriegsveteranen weiter leben lässt. So posiert der Veteran Karl Hinett, wie ein Model mit seinem tätowierten und vernarbten Bauch vor Adams Kamera. Weiter versucht Bryan Adams den Willen der kriegsversehrten Soldaten, ihren Stolz und ihren Humor für die Nachwelt festzuhalten. Was man gut an den Porträt eines Soldaten erkennen kann, welcher mit seinen Beinprothesen spielerisch hantiert, indem der im Rollstuhl sitzende Kriegsveteran eine seiner Beinprothesen verkehrtherum dreht, so dass der Schuh Richtung Decke zeigt.

Dennoch wirft der dargestellte Optimismus nicht nur Zweifel auf, sondern demonstriert auch eine eingehende Verblendung der britischen Soldaten. In Anbetracht der Tatsachen, dass der geführte Krieg im Irak ominöse Ursachen hat und Krieg als ein mit waffengewalt ausgetragender Konflikt grundsätzlich zu hinterfragen ist. Als kritischer Zivilist bleibt es mir unverständlich, wie man für „sein Land“ ohne selbst über die Kriegsgründe nachzudenken in den Schlacht zu ziehen kann und nach der Heimkehr als Kriegskrüppel und Mörder auf seine Vergehen auch noch stolz ist. Adams, der sich selber als Pazifist bezeichnet, verherrlicht in seinen Bildern vielleicht nicht den Krieg, dafür bekommt der Betrachter einen fehlgeleitenden Nationalismus mitgeliefert. Wobei dieser Nationalismus, wahrscheinlich der Optimismus ist von dem Adams spricht weil sich anders dieses Leid nicht ertragen ließe.

Aurélie de Gautier

NRW-Forum Düsseldorf
Ehrenhof 2, noch bis 22.05.,
Di. - Do., Sa. + So. 11 - 20h
Fr. 11 - 24h, ab 18h Eintritt 3,80 Euro und kostenlose Führung ab 20h
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