»Wir werden Frankfurt wieder dicht machen«

Ein breites Blockupy-Bündnis mobilisiert zum 31. Mai / 1. Juni erneut nach Frankfurt

Auch dieses Jahr wird es wieder Proteste in Frankfurt geben. Ein breites bundesweites Bündnis, unter anderem mit den Gruppen "Ums Ganze", "Interventionistische Linke", "No-Troika" und "Blockupy Frankfurt", mobilisiert zu den Protesttagen. Gleichzeitig werden in mehreren europäischen Ländern Proteste stattfinden. Erneut wird man sich von möglichen Verboten nicht abschrecken lassen, denn der Protest ist legitim und lässt sich nicht verbieten. Die Aktionstage in diesem Jahr sind zum Warmwerden für nächstes Jahr, denn dann soll der Neubau der EZB groß von der europäischen Wirtschaft und Politik gefeiert werden. Auch das wird nicht ohne Proteste ablaufen.

Aus Düsseldorf mobilisieren im Moment die Gruppen "see red" (anti-kapitalismus.org) und "ifuriosi" (ifuriosi.org) zu den Protesten. Weitere werden folgen.

Bis zum Mai veröffentlicht die TERZ verschiedene Texte, die sich mit der Finanzkrise und ihren Auswirkungen beschäftigen – diesmal ein Text über eine besetzte Fabrik in Griechenland. Gerade Griechenland spürt die Auswirkungen der Finanzkrise und ihrer Bewältigungsversuche. In den vergangenen Jahren gab es eine unvorstellbare Verarmung der Bevölkerung. Griechenland ist das Labor für die gesamte Europapolitik, um soziale Standards herunterzusetzen und die Menschen zu verarmen. Das geht nicht ohne Widerstand ab. Griechenland ist ebenso ein Labor, um neue solidarische Umgangsformen zu lernen und auszuprobieren, jenseits von Staat und Kapital. Von vielen Aktivitäten können auch wir lernen, deshalb ist es gerade wichtig, den Blick auf Griechenland zu richten und sich die vielfältigen Widerstandsformen anzuschauen, zu lernen und zu eigen zu machen.

Besetzen, Widerstand leisten, produzieren!

Eine besetzte Fabrik in Griechenland beginnt mit der Produktion unter Arbeiter_innenkontrolle

"Wir denken, dass das die Zukunft der Arbeiter_innenkämpfe ist."
Makis Anagnostou, Vertreter der Betriebsgewerkschaft von Vio.Me

Dienstag, der 12. Februar wird der erste offizielle Tag der Produktion unter Arbeiter_innenkontrolle von Vio.Me in Thessaloniki, Griechenland sein. Das heißt, eine hierarchisch organisierte, von Bossen diktierte Produktion wird durch eine von der Arbeiter_innenvollversammlung in direkter Demokratie geplante Produktion ersetzt. Die Arbeiter_innen haben der ungleichen Verteilung der Ressourcen ein Ende erklärt; auf der Basis kollektiver Entscheidungen wollen sie für eine gleiche und faire Bezahlung sorgen. Die Arbeiter_innen der baustoffproduzierenden Fabrik planen außerdem, die Ausrichtung des Unternehmens zu ändern, hin zu einer Fertigung umweltverträglicher Produkte.

"Bei einer auf fast 30% gestiegenen Arbeitslosigkeit, sinkenden Löhnen, abgespeist mit leeren Worten, Versprechungen und Steuererhöhungen, nicht entlohnt seit Mai 2011, einem Produktionsstillstand in einer von den Eigentümern verlassenen Fabrik, haben die Arbeiter_innen von Vio.Me in ihrer gewerkschaftlichen Vollversammlung beschlossen, sich nicht mit einer langfristigen Arbeitslosigkeit abzufinden, sondern darum zu kämpfen, die Fabrik zu übernehmen und selbst zu betreiben. Es ist nun an der Zeit für Arbeiter_innenkontrolle bei Vio.Me!"
Proklamation der Offenen Solidaritätsinitiative und der Arbeiter_innen von Vio.Me
(gesamter Text unter www.viome.org)

Die Arbeiter_innen von Vio.Me haben seit Mai 2011 keinen Lohn mehr erhalten, im Anschluss daran verließen Eigentümer und Manager die Fabrik. Nach einer Reihe von Vollversammlungen entschlossen sich die Arbeiter_innen, die Fabrik gemeinsam wieder in Betrieb zu nehmen. Seitdem haben sie die Fabrik und die für die Produktion benötigten Maschinen besetzt und geschützt. Sie haben sich außerdem mit anderen Arbeitenden und Kollektiven aus ganz Griechenland vernetzt und dadurch große Unterstützung erhalten. Dank der Solidarität und der Hilfe all dieser Menschen, Individuen wie auch Gruppen, können die Arbeiter_innen ihr Überleben und das ihrer Familien sichern.

Das Phänomen der Besetzung, der Wiederinstandsetzung und der Kontrolle von Unternehmen durch Arbeiter_innen ist nichts Neues – weder historisch noch gegenwärtig. Seit 2001 gibt es ungefähr 300 Betriebe in Argentinien, die demokratisch von den dort Arbeitenden verwaltet werden: Gesundheitszentren, Zeitungen und Schulen, aber auch Metallfabriken, Druckereien und Hotels. Die Entwicklungen in diesen Betrieben haben gezeigt, dass Arbeiter_innen nicht nur in der Lage sind, Unternehmen ohne Chefs zu verwalten, sondern dies auch besser können. Das Beispiel Argentiniens breitet sich in Südamerika aus und hat nun auch Europa und die Vereinigten Staaten erreicht. In Chicago haben die Arbeiter_innen von New World Windows, nach jahrelangen Kämpfen mit (ehemaligen) Eigentümern und Chefs, die Produktion in Selbstverwaltung aufgenommen. In Griechenland zeigt das Proletariat nun wieder, dass der Weg vorwärts – aus der Arbeitslosigkeit, der Krise trotzend – die demokratische Selbstverwaltung ist.

"Wir fordern alle Arbeiter_innen, alle Arbeitslosen und all diejenigen, die am eigenen Leib die Krise erfahren haben, dazu auf, die Arbeiter_innen von Vio.Me zu unterstützen. Jetzt, da sie daran gehen, in der Praxis zu beweisen, dass wir, die Arbeiter_innen, es auch ohne Bosse schaffen! Wir fordern sie auf, am Kampf teilzunehmen und den Kampf zu organisieren, wo immer sie arbeiten, mit Versammlungen, direkter Demokratie – ohne Bürokraten!"
(www.biom-metal.blogspot.gr)

Wie bei allen Fabrik-Wiedereröffnungen, so ist auch hier die Frage der anfänglichen Finanzierung von zentraler Bedeutung. War die bisherige Solidarität in der Lage, das Überleben der Arbeiter_innen von Vio.Me und ihrer Familien zu sichern, so ist der Kapitalbedarf für die Fortsetzung der Produktion riesig. Die Arbeitergewerkschaft hat einen tragfähigen Geschäftsplan, aber es wird einige Zeit erfordern, bis er greifen wird. Die ersten Monate werden ausschlaggebend sein. Finanzelle Unterstützung kann dabei viel ausmachen, und jeder Beitrag ist hilfreich.

Direkte finanzielle Unterstützung kann an die Arbeitergewerkschaft von Vio.Me in Thessaloniki über die Internationale Solidaritäts-Website geschickt werden: www.viome.org
Solidaritätserklärungen und Fragen an: protbiometal [at] gmail.com