Sexistische Werbung in der FH

Seit einigen Wochen beglückt die Billigdeomarke Axe den männlichen Teil ihrer Kundschaft mit einer groß angelegten sexistischen Werbekampagne. Auch die FH-D blieb hiervon nicht verschont, die zahlreich angebrachten DIN-A0-Werberahmen wurden fast ausnahmslos mit "Mission Apollo"-Werbeplakaten belegt. Die Plakate zeigen die Rück(en)ansicht eines Astronauten, um den sich Arme und insbesondere Beine einer offenbar nackten, aber vom Astronauten großteils verdeckten – und damit körper- und kopflosen – Frau schlingen, verbunden mit Werbesprüchen wie: "Astronauten haben Geräte ohne Ende". Mehr braucht es wohl nicht für eine erfolgreiche Werbekampagne. Findet zumindest Axe.

Obwohl sexistische Werbemotive leider zum Alltag gehören und sich offensichtlich auf einen sexistischen Grundkonsens stützen können, finden viele solche Werbemotive zum Kotzen. Doch eine gewisse Resignation oder zumindest Abstumpfung scheint sich auch bei diesen Leuten durchgesetzt zu haben, wenn derartige Plakate scheinbar problemlos ihren Weg in die Hochschule finden und dort längere Zeit hängen können, ohne von irgendwem abgerissen und dem Altpapier zugeführt zu werden.

Letztendlich war es eine Angestellte des AStA, die die Plakate entdeckte, und sich umgehend bei der Gleichstellungsbeauftragten der FH-D beschwerte. Diese stellte immerhin fest, dass eine derartige Werbung "im Hinblick auf Gender-Equality […] substanziell kontraproduktiv" sei, beließ es aber bislang bei einer Anfrage an das FH-D-Präsidium. Eine Stellungnahme von dort ist – soweit bekannt – bis heute nicht erfolgt. Trotz des Ausschlusses sexistischer Werbung, der zwischen Werbeagentur und FH vertraglich festgelegt wurde, haben die Plakate jedenfalls die beim Präsidium angesiedelte Kontrolle problemlos passiert. Oder sie wurden erst gar nicht begutachtet. Wie auch immer: Die FH-D trifft gewiss keine Schuld, soviel zeichnet sich jetzt schon ab. Notfalls ließe sich alles auf die Werbeagentur schieben. Jedenfalls war schon aus der dem Präsidium zugeordnete "Stabsstelle 2 – Fundraising und Alumni-Management" zu hören, dass sich "die Hochschule im vergangenen November neu an einen Werbepartner gebunden" habe, der seitdem "für die Plakatrahmenwerbung zuständig" sei.

Letztendlich bleibt, dass die Hochschule entscheidet, welche Werbeplakate genehmigt werden und welche nicht. Und damit steht die Leitung der Hochschule in der Verantwortung und muss sich die Frage gefallen lassen, wieso der offensichtliche Sexismus der Axe-Kampagne nicht zu einem Ausschluss geführt hat. Oder aber, wieso diejenigen, die die Prüfung vollzogen haben, keinen Sexismus erkennen konnten. Der AStA wartet gespannt auf die Aufklärung und fordert, dass derartige Plakate in Zukunft abgelehnt werden.


Termine

Das AStA-Genderreferat präsentiert:

Freitag, 29. März, 20.00 Uhr (geöffnet ab 19.00 Uhr), Zentrum Hinterhof, Corneliusstr. 108
Becoming Queer Cafe
Veranstalter*innen: Becoming Queer Gruppe, FH-AStA-Referat für Genderpolitik
OpenMic Abend: Gedichte, Gedanken, Gefühle von EUCH! Alle sind herzlich eingeladen, ihre Kreationen und Worte mit uns zu teilen. Dazu gibt‘s Kakao, Kaffee, Tee, Kuchen und Knabbereien.

Der Antifa-AK an der FH präsentiert:

Montag, 25. März, 19.30 Uhr, Kulturzentrum zakk, Fichtenstraße 40
INPUT – antifaschistischer Themenabend:
Der Solinger Brandanschlag im Jahr 1993.
Hintergründe der Tat, Reaktionen und Umgang – ein Überblick 20 Jahre danach

In der Nacht auf den 29. Mai 1993 geschah das, was aufgrund der vielen vorherigen Angriffe auf Flüchtlinge und zunehmend auch auf bereits lange in Deutschland lebende MigrantInnen auch in NRW zu befürchten war: Bei einem rassistisch motivierten Anschlag wurden mehrere Menschen ermordet. Junge Rechte aus Solingen hatten das Haus der Solinger Familie Genç in Brand gesetzt, für Saime Genç (4), Hülya Genç (9), Gülüstan Öztürk (12), Hatice Genç (18) und Gürsün Ince (27) kam jede Hilfe zu spät, weitere BewohnerInnen wurden – teilweise lebensgefährlich – verletzt. Zwar hatte es auch in NRW schon zuvor rassistische Brandanschläge gegeben, bei denen Menschen schwer verletzt wurden, doch der Anschlag in Solingen machte nun endgültig klar, dass die rassistischen Brand-Sätze diverser PolitikerInnen, die Schlag-Zeilen und Hetze in nicht wenigen Medien sowie eine rassistische Grundstimmung in der Gesellschaft auch vor der eigenen Haustüre ihre tödliche Umsetzung finden. Zwanzig Jahre später ist die Erinnerung an den Anschlag verblasst, insbesondere außerhalb Solingens. Und an so manchem Solinger Stammtisch war bereits wenige Tage nach dem Anschlag aufgrund der einsetzenden Proteste mehr von einem angeblichen „Türkenaufstand“ die Rede als von dem Anschlag selber. Und während die Stadt Solingen bis heute redlich bemüht ist, ihr Image aufzupolieren, hält sich bei einigen nach wie vor das Gerücht, dass die Familie Genç seitdem in „Saus und Braus“ leben würde, also eigentlich von dem Anschlag profitiert hätte. Schon 1993 wurde spekuliert, ob nicht möglicherweise ein Versicherungsbetrug hinter dem Brandanschlag gesteckt haben könnte.
Die Veranstaltung versucht, einen Überblick über das Geschehene zu geben: Wer waren die Täter und vor welchem Hintergrund wurde der Anschlag verübt? Wie waren die Reaktionen auf den Anschlag und welchen Verlauf nahm der Strafprozess vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht? Und nicht zuletzt: Welche Rolle spielte der Verfassungsschutz, der an zentraler Stelle der Solinger Neonaziszene einen V-Mann platziert hatte?
Referent: Jürgen Peters (Antirassistisches Bildungsforum Rheinland)