Internationale Solidarität in Krisenzeiten

Die internationale Tagung #cross_solidarity will vom 26. bis 27. April 2013 in Wuppertal Bewegungsaktivist*innen zusammenbringen und internationalistische Praxis in den Blick nehmen.

Internationale Solidarität erlebt seit einiger Zeit eine Renaissance. Lokale oder nationale Bewegungen, wie die "Occupy"-Aktivisten und Aktivistinnen in den USA und anderswo, Schüler*innen und Student*innen in Chile, des so genannten "arabischen Frühlings" oder von Gruppen, die die massiven Proteste in den Krisenregionen des südlichen Europa tragen, nehmen trotz unterschiedlicher Forderungen wie selbstverständlich aufeinander Bezug. Ihre Dynamiken brachten nicht nur die jeweiligen politischen Verhältnisse ins Wanken, sie überwanden auch Grenzen und inspirierten sich gegenseitig.

Ein Teil der Bewegungen kooperiert schon lange im Rahmen transnationaler Vernetzungen und verortet sich selbst in den Traditionen der Linken, des Arbeiter*inneninternationalismus oder der globalisierungskritischen Bewegung - andere sind hinzugekommen. Für manche unter den jüngeren sind Seattle, Genua und die Weltsozialforen, die eine transnationale Kooperation politisch voraussetzten, schon Geschichte. Manchmal ist kaum zu sagen, ob die neue internationalistische Praxis das Ergebnis politischer Reflexion oder eher das Produkt globalisierter Kommunikationskanäle ist.

Ende letzten Jahres schien dann ein alter Traum ansatzweise Wirklichkeit zu werden: Ein trans­nationaler Generalstreik brachte am 14. November 2012 das Leben in einigen Ländern Europas gleichzeitig zum Erliegen. Dem Streikaufruf zum Protesttag gegen die EU-Austeritätspolitik folgten mehrere Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter in Südeuropa, begleitet von Massendemonstrationen in vielen Städten. Doch auch die Grenzen internationaler Solidarität traten zutage. Vor allem in Deutschland taten sich viele Akteur*innen schwer. Zwar bekundete auch der DGB kurz vor dem 14. November Solidarität, und in einigen Städten fanden auch Kundgebungen statt von einer massenhaften Mobilisierung gegen die soziale Demontage konnte aber keine Rede sein. Große Teile der deutschen Linken stehen den vielfältigen Protesten anderswo scheinbar ratlos gegenüber. Es scheint fast, als benötige die deutsche Linke internationale Solidarität und "Nachhilfe".

International scheint die neue transnationale Kooperation dagegen eher an politisch-strategische Grenzen zu stoßen. Das "Praktisch-Werden" solidarischen Handelns hinkt vielfach den Wünschen und Potentialen der Beteiligten hinterher. Es mangelt an einer Bündelung der Kräfte, um die gemeinsame Handlungsmacht entscheidend zu stärken.

Die von der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisierte Tagung #cross_solidarity – Internationale Solidarität in der Krise will Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Basisbewegungen zusammenbringen. Anhand der Konfliktfelder Arbeit + Einkommen, Wohnen + ‚Recht auf die Stadt‘ sowie Flucht + Migration und EU-Krisenpolitik soll in Wuppertal gemeinsam diskutiert und die eigene politische Praxis reflektiert werden.

Die Hoffnung der Organisator*innen: Dass es gelingt, in die Zukunft zu diskutieren, die geteilten Erfahrungen transnationaler Kooperation für die politische Praxis fruchtbar zu machen, und die Dynamik der neuen Bewegungen mit den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte zu verschränken.

Einige Leitfragen der Tagung sind: Wie lässt sich das Transnationale mit dem Lokalen verbinden? Wie können wir Solidarität konkret entwickeln? Wie unmittelbar und persönlich müssen politische Beziehungen sein, damit Solidarität wirksam wird? Wie können wir mit unterschiedlichen politischen Kulturen und Arbeitsweisen umgehen? Wie können unsere Rechte von Arbeiter*innen und Konsument*innen gegen transnationale Konzerne verteidigt und durchgesetzt werden? Wie können wir den Angriffen auf unsere Städte und Quartiere Widerstand entgegensetzen? Wie kann das "Recht zu bleiben" und das "Recht zu gehen" gleichzeitig erkämpft werden? Wie antworten wir auf die EU-Krisenpolitik? Wie nutzen wir das Internet und entwickeln unsere Methoden vom Protest zur Wieder-Aneignung?

Dazu hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung, unterstützt von ADA, dem Informationsbüro Nicaragua, Labournet Germany, dem Mieter*innenverein Witten, dem Solikomitee Wuppertal, Transnational Information Exchange (TIE) und der Informationsstelle Lateinamerika (ILA), internationale Aktivist*innen unter anderem von Afrique Europe Interact, Welcome 2Europe, Boats4People, der spanischen Plattform der Hypothekenopfer bis hin zur Occupy-Bewegung eingeladen. Ziel der Veranstaltung: dass viele weitere Bewegungsaktivist*innen den Weg nach Wuppertal finden – um dort zusammen internationale Solidarität wiederzuentdecken und zu stärken.

Das Programm in Kürze

Freitag, 26. April
Exkursion mit internationalen Stadt-Aktivist*innen in den Duisburger Norden
18-19:30 h: Auftakt mit Talkshow: Cross-Solidarity?... Die Praxis zählt! Ein Blick zurück mit Perspektive

Samstag, 27. April
10 - 19 h: 3 Runden Workshops
19 - 20 h: Abendessen und Videodokumentation
20:30 - 22 h: Pecha Kucha – die Organisationen stellen sich vor

Ort: ADA, Wiesenstraße 6, 42105 Wuppertal-Elberfeld, www.cafeada.de

Informationen und Anmeldung:
http://cross-solidarity.net
sowie bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW: www.rls-nrw.de
E-Mail: internationalismus [at] rls-nrw.de