Krieg den Palästen – Friedrichstadt den Hütten!

Es regt sich was in Friedrichstadt: Nach brachialer "Aufwertung" des ehemaligen Hafenviertels zum "Medienhafen" und des proletarisch geprägten Stadtteils Flingern zum Öko-Yuppie-Quartier (um nur zwei Beispiele zu nennen) steht nun zu befürchten, dass die Gegend rund um den Fürstenplatz das nächste Opfer der Gentrifizierungswelle wird – doch ein Bündnis macht mobil.

Das benachbarte Oberbilk, einst ebenfalls ein Proletarier*innen-Stadtteil, ist schon seit längerem im Umbau begriffen (siehe u.a. TERZ 04.10 und TERZ 07/08.10); der Oberbilker Markt und seine Umgebung haben sich durch das "Handelszentrum Moskauer Straße" (samt Glitzerglitzer-Blinkblink-U-Bahnhof), das neue Gerichtsgebäude und weitere Baumaßnahmen in den letzten ca. 15 Jahren radikal verändert.

Von Bilk selbst ganz zu schweigen – hier seien nur die "Düsseldorf Arcaden" erwähnt, mit deren Nähe in Wohnungs-Anzeigen bereits massiv geworben (und dabei der Mietpreis fröhlich erhöht) wird. Die Großbaustellen "Wehrhahn-Linie" und "Bilker Höfe" mögen die Attraktivität des Gebiets momentan noch einschränken, zeichnen aber ein deutliches Bild der schönen neuen Konsum-Welt, die dort verwirklicht werden soll: "Supermarkt ca. 200 m, Bilker Arkaden ca. 300 m, Bäcker ca. 50 m", so fasst es bilkerhoefe.de prägnant zusammen, umrahmt von Computergrafiken und iStock-Familienidyll.

So gesehen eigentlich kein Wunder, dass jetzt auch Friedrichstadt – als Bindeglied zwischen Bilk, Oberbilk und Kö-Galerie – ins Visier der Investierenden gerät. Der Fürstenplatz wurde bereits Mitte der 1990er Jahre umfassend umgestaltet (unterirdisches Parkhaus, Spielplatz) und hat sich seitdem zu einem beliebten, multikulturell genutzten Treffpunkt entwickelt. In unmittelbarer Nähe liegen mehrere alternative Locations wie Linkes Zentrum, Brause und damenundherren, so dass das Viertel insgesamt einen (vergleichsweise) bunten, belebten Eindruck macht. Doch damit könnte es bald vorbei sein.

In und über dem (Ex-)Aldi-Markt am Fürstenplatz (der übrigens wegen der neuen, größeren Filiale in den "Arcaden" geschlossen wurde) entstehen gerade Luxus-Eigentumswohnungen, und was mit dem Gelände des ehemaligen toom-Baumarktes an der Oberbilker Allee passiert, ist zwar noch nicht ganz klar, lässt aber nichts Gutes erwarten (siehe TERZ 03.13).

Aus diesem Anlass veranstaltete das "Bündnis für bezahlbaren Wohnraum Düsseldorf" am Donnerstag, dem 7. März eine Pressekonferenz und Kundgebung vor dem brachliegenden Baumarkt-Gelände. Trotz des trüben Wetters war diese, als Auftakt zu einer Reihe weiterer Aktionen geplante Veranstaltung mit ca. 60 Teilnehmenden bereits erfreulich gut besucht, auch das Medien-Interesse war beträchtlich. Das Bündnis bzw. die beteiligten Initiativen stellten sich und ihre Forderungen vor, fleißig wurden Flyer verteilt, Protest-Postkarten an den Oberbürgermeister ausgefüllt, und der Auftritt eines lokalen Rappers rundete das Ganze (sub-)kulturell ab.

Zwei Wochen später, am Abend des 21.03., folgte eine Informationsveranstaltung für Anwohner*innen unter dem Motto "Keine Luxusghettos rund um den Fürstenplatz!" im Vereinsheim des damenundherren e.v. (das es, nebenbei bemerkt, wohl sowieso nicht mehr lange geben wird, zumindest nicht an dieser Stelle). Diesmal kamen noch einige Leute mehr, der Raum war bis zum letzten Platz gefüllt, das Interesse der Nachbarschaft ist offensichtlich groß.

Nach kurzer Vorstellung der bisherigen Aktionen des Bündnisses wurde ausführlich auf die städtebauliche Situation des Stadtteils mit den diversen aktuellen sowie geplanten Baumaßnahmen eingegangen, und rasch entwickelte sich eine rege Diskussion. In deren Verlauf waren einige interessante Neuigkeiten zu erfahren, z.B. dass anscheinend auch der Besitzer des Wohnblocks an der (direkt neben dem ehemaligen Baumarkt gelegenen) Ringelsweide mit einer lukrativen Veräußerung der Häuser liebäugelt, was zu weiteren einschneidenden Veränderungen im Viertel führen dürfte.

Dass von der offiziellen Politik, insbesondere hier in Düsseldorf, nicht viel zu erwarten ist, wurde an diesem Abend auch einmal mehr deutlich – von daher ist es umso wichtiger, selbst aktiv zu werden, sich an weiteren Protest-Aktionen zu beteiligen und möglichst viel kritische Präsenz auf der Straße zu zeigen, denn so etwas hat durchaus eine Wirkung auf (an einer möglichst problemlosen Geldanlage interessierten) potentielle Investor*innen.

Als nächstes lädt das Wohnraum-Bündnis zu einem Rundgang durch Oberbilk und Friedrichstadt ein, bei dem aktuelle Luxus-Baustellen und Wohnhäuser mit bereits horrend gestiegenen Mieten besucht werden. Dieser findet statt am Donnerstag, dem 18. April ab 17:30 Uhr, Treffpunkt ist der Oberbilker Markt. Kommt alle!

Mehr Infos:
http://bezahlbarer-wohnraum-duesseldorf.de