AK 47, a lesson in Punkrock!

Die meisten Menschen werden bei dem Kürzel AK 47 wohl zuerst an das berühmte Qualitätsprodukt aus dem Hause Kalaschnikow denken. Ein kleiner Kreis Eingeweihter verbindet mit dieser magischen Kombination aus Buchstaben und Zahlen eher einen der besten Punkschuppen in dieser Bananenrepublik, nämlich den kleinen, schummrigen Eckladen auf der altehrwürdigen Kiefernstraße in Düsseldorf.

Seit nun genau einem Vierteljahrhundert ist der ehemalige Gemüseladen Heimstatt für aktiv gelebte „Do It Yourself“-Punk- und Hardcorekonzerte fernab vom großen Kommerz des Musikbusiness, eine Keimzelle des völligen Undergrounds, in dem die obligatorischen Mechanismen der Mainstreamkultur komplett ignoriert werden. Eintritts- und Getränkepreise sind seit Beginn mehr als fair, niemand wird ausgeschlossen, weil er/sie sich Kultur nicht leisten kann, und auch ein Dresscode wird nicht vorgegeben.

Ende der 80er war das AK noch richtig abgerockt – eine improvisierte Bühne, ein rustikal selbstgezimmerter Tresen und (sagen wir mal freundlich) gewöhnungsbedürftige sanitäre Anlagen, und die Party konnte beginnen. Auch die Organisation ließ am Anfang häufiger mal ein wenig zu wünschen übrig, so konnte es durchaus passieren, dass die Bands ihr Konzert in Eigenregie durchführen mussten, weil die Veranstalter*innen alkoholbedingt ein wenig unpässlich waren, und auch die Werbung war im Prä-Internet-Zeitalter gelinde gesagt suboptimal. Perfektion sah definitiv anders aus, aber gerade diese Tatsache macht halt den Charme des AK aus ... funktionieren muss das ganze Leben, wieso dann nicht mal eine Auszeit in dieser Oase nehmen.

Legendär ist inzwischen die Liste der Bands, die sich dort die kleine Bühne geteilt haben; manche sind mit ihrer Musik inzwischen sogar Millionär*innen geworden, der Laden selbst und seine Betreiber*innen sind allerdings immer noch die selben DIY-Fetischist*innen und verdienen an der Geschichte keinen müden Cent, opfern aber ihre Freizeit und eine Menge Geduld dafür. Apropos Betreiber*innen: Natürlich fand in den letzten 25 Jahren ein Generationswechsel statt, die hart aber herzliche Linie wird jedoch immer noch beibehalten. Der raue Charme des Schuppens ist in Deutschland recht einzigartig, so hat das Personal immer mal einen ziemlich derben Ton am Leibe, im Grunde wollen sie aber nur spielen – es sei denn Nazis, homophobe Spinner und ähnliches Gesocks verirrt sich in die heiligen Hallen, da kann es auch schon mal zu nonverbaler Kommunikation kommen. Konsens ist: Toleranz den Toleranten, Aushilfsadolfs und Dumpfprolls sämtlicher Facetten sollten lieber einen weiten Bogen um den Laden machen.

So ist es jetzt nach zweieinhalb Dekaden mal an der Zeit, das AK gebührend abzufeiern und für viele tausend unvergessliche Momente zu danken. Und auch, wenn es gerade früher häufiger mal unsinnigen Stress und Palaver gegeben hat, am Ende sitzen doch alle wieder bei einem Bier zusammen und vertragen sich. Rheinisches Leben und Lebenlassen eben.

Das AK 47 ist somit also wesentlich mehr als ein guter Konzertladen, es ist mein Wohnzimmer und ein nicht unerheblicher Teil meiner Sozialisation, ein Ort, der sich zu 99% immer richtig angefühlt hat. Kein nerviger Sozialfuzzi, der einem die Welt erklären will, keine endlosen Plena über den korrekten Umgang mit Wortanhängseln, sondern immer 100 Prozent Punk aus dem Bauch und DIY as fuck!

Inzwischen ist der Laden nicht mehr aus der deutschen Punkszene wegzudenken und gerade in Zeiten, in denen unabhängige Kultur immer mehr Repressionen erfährt, ein wichtiger Fels in der Brandung. Wollen wir also hoffen, dass dies noch lange so bleibt, also unterstützt solche Freiräume und die, die sich für diese den Allerwertesten aufreißen, es lohnt sich wirklich. AK 47 bleibt und die Kiefern natürlich auch!!!