MADE MY DAY –
THE FINAL CURTAIN

by HONKER


Liebe Alle,

Vielleicht habt Ihr Euch schon das eine oder andere Mal gefragt, wie lange Honker die MADE MY DAY eigentlich noch machen will. Auch falls nicht, werde ich jetzt mal eine Antwort darauf geben: bis hierhin und nicht weiter.

Dies hat verschiedene Gründe: Zum einen ist mir der Zeit- und Arbeitsaufwand für einen derartig langen und komplexen Textkorpus mittlerweile zu hoch geworden. Der ja logischerweise auch – wie alle TERZ-Texte – stets ohne Honorar gemacht wurde und wird.

Zudem habe ich auch das Gefühl, ich mache es jetzt schon lange genug – und bevor es wirklich zu lange wird und ich vielleicht sogar noch den Spaß daran verlieren sollte, höre ich besser damit auf und erhalte mir Spaß und Freude an der Musik und dem, was darüber hinausgeht.

Und, nicht zuletzt: Musik hält zwar jung, aber ich finde es ist langsam an der Zeit, dass dies – wenn überhaupt gewünscht – jemand Jüngeres übernehmen sollte. Ich wachträume ja immer davon, dass es eine Frau ist – nicht, um den Nerd-Faktor endlich gendergerechter zu machen, aber in der Hoffnung, dass es eben nicht nur die guys sind, die über neue Musik berichten, sie schön kaputt- und hochschreiben und damit hoffentlich auch ein Quantum politisches Bewusstsein vermitteln können. Ich glaube bekanntlich nicht daran, dass Frauen die besseren Menschen sind, aber sie sind im Gegensatz zu den Männern vielleicht manchmal doch etwas mehr auf den Weg dorthin ;-) …

Es war eine gute und außergewöhnliche lange und fruchtbare Zeit – ich glaube seit 1998, seit die TERZ zum ersten Mal Reviews von mir abgedruckt hat. Im Laufe der Jahre hat meine Arbeit – anfangs noch als SPARE PARTS – bald ihr fixes Format als Kolumne gefunden und zu vielen hoffentlich wilden, kontroversen, präzisen, radikalen, fundierten, verrückten und nach meinem Geschmack stets unterhaltsamen Texten geführt, bei denen ich mich bei aller kritischen Direktheit und Radikalität gerne auch mal selbst zum rastlos-ratlosen Hanswurst mit dicker oder heruntergelassener Hose gemacht habe. Und ihr habt wahrscheinlich gemerkt, dass mir die Introduktion nicht selten wichtiger war als die eigentliche Warenkunde, die natürlich dann stets Weg als Ziel zum Pfad der Erleuchtung wurde – zumindest so oder ähnlich oder gar nicht. Oder ein bisschen.

Ohne falsches Selbst-Schulterklopfen: Nicht selten wurde mir über die MADE MY DAY gesagt, es wäre mit die anregendste / beste / weiß-der-Geier-was Musikkolumne des Landes. Na ja no na – bleiben wir bitte bescheiden auf dem Boden, bevor wir wie eine Rakete mit Fehlzündung abgehen. Doch auf jeden Fall DANKE für den vielen Zuspruch. Und alles darüber hinaus.

Die Entscheidung für die ewige Nacht der MADE MY DAY ist nun brandfrisch und mir auch nicht leicht gefallen – und wurde tatsächlich von einem Tag auf den anderen gefällt. Mit der aktiven Diskussion über die möglichen politischen Implikationen von Popkultur inklusive dem gutgelaunten Dekonstruieren und auch gerne mal Zerschreddern ihrer Images, Projektionen und Strategien habe ich mich lange beschäftigt und immer wieder aktiv darüber Diskussionen angezettelt und geführt. Im Bezug auf die TERZ brennen auch heute noch im Grunde immer noch die alten Fragen, die ich mit u.a. Günther Jacob, Martin Büsser und vielen weiteren WeggefährtInnen einst so lange und intensiv diskutiert habe: Inwiefern braucht ein linkes Medium überhaupt Kultur-Warenkunde, und – falls man sich darauf einlässt – : wie lässt sich die schleichende Feuilltonisierung von linken Medien – die bekanntlich bis heute anhält – vermeiden oder zumindest so markieren, dass der Standpunkt und die Widersprüchlichkeiten deutlich werden? Keine Ahnung, ob diese Kolumne mehr war als letztlich nur alternative Warenkunde, und keine Ahnung, ob hier überhaupt weitergemacht oder wenn, wie dann neu angesetzt werden soll – aber da sag ich nur ganz abgeklärt und pragmatisch: Das Kollektiv wird’s schon richten.

Euch allen, also Leser*innen und Produzent*innen, danke ich wirklich herzlichst für die fantastische Zeit voller wilder und hoffentlich anregender Worte, Austausch, Ansichten und Aussichten auf eines der lebenswertesten Dinge, die das Leben ausmachen:

Musik.

They ever come back, heißt es beim Boxen. Keine Ahnung, ob das auch für geboxte Musikkritik gilt. Die MADE MY DAY hat auf jeden Fall hiermit ihren letzten Vorhang. Ich zieh mal zu. Thanks galore. Und: Ich seh Euch.

HONKER