Blutige T-Shirts

Am 10. Dezember eröffnet die irische Billig-Modekette Primark mitten im Weihnachtsgeschäft und in bester Düsseldorfer Einkaufslage auf fast 5.700 qm Verkaufsfläche eine weitere Filiale, die elfte in Deutschland. Bei vergleichbaren Eröffnungen spielen sich Szenen wie bei so manchem Popkonzert ab: kreischende und drängelnde Teenies, die zu Tausenden vor neu eröffnenden Filialen ausharren. Die Preise sind derart niedrig, dass sie sich die Einkaufskörbe bis zum Rand vollstopfen können. Doch wie sollen bei solchen Preisen noch faire Löhne für die Arbeiter*innen übrig bleiben? Kritische Medien beklagen im Zusammenhang mit der Billigkette „schlechte Arbeitsbedingungen, unzureichende Bezahlung oder Missachtung von Umweltstandards bei der Herstellung von Textilien“.

Wenn in Bangladesch eine Textilfabrik brennt – wie im November 2012 mit 112 Toten – oder das Rana Plaza Gebäude einstürzt – wie im April 2013 mit 1.133 Toten –, ist die Empörung groß. Aufgrund des öffentlichen Drucks erlaubte die Regierung in Bangladesch per Gesetz eine gewerkschaftliche Organisation der Textilarbeiter*innen und brachte die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns auf den Weg. Auf Initiative des globalen Industriegewerkschaftsverbands IndustrieAll, des internationalen Gewerkschaftsdachverbands „UNI Global Union“ sowie diverser NGOs wurde im Juli ein längst überfälliges Brand- und Gebäudeschutzabkommen verabschiedet und von zahlreichen namhaften Textilproduzent*innen – auch aus Deutschland – unterzeichnet, wenngleich sich diese scheinbar eindrucksvollen Zertifizierungen und Selbstverpflichtungserklärungen auch nur auf den Zustand der Gebäude und zudem begrenzt bloß auf Bangladesch beziehen. Einige Textilunternehmen sicherten Entschädigungssummen für die Opfer bzw. deren Hinterbliebene zu. Obwohl all dies sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung ist, bleibt es doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein und macht sich gut für die Außenwirkung der Unternehmen.

Zudem bleibt die Frage nach dem eigenen Konsumverhalten im Hinblick auf die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und Hungerlöhne in den Produktionsländern. Der aktuelle Mindestlohn eines Textilarbeiters bzw. einer Textilarbeiterin in Bangladesch beträgt umgerechnet gerade einmal 29 Euro im Monat. Davon können die Arbeiter*innen ihre Existenz und die ihrer Familienangehörigen nicht sichern. Im letzten Monat gab es Generalstreiks der Textilarbeiter*innen mit der Forderung nach einem Mindestlohn von monatlich umgerechnet 76 Euro. Die Asia Floor Wage Alliance, ein internationaler Zusammenschluss von Gewerkschaften und Arbeitsrechtsaktivist*innen, hat kürzlich errechnet, dass ein die Existenz sichernder Basislohn bei 242 Euro pro Monat liegen würde, bei einer Arbeitsstundenzahl, die regulär 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten sollte. Dazu kommt die Notwendigkeit von verbindlichen Sicherheitsstandards am Arbeitsplatz, der regelmäßigen und gesicherten Lohnzahlung sowie einklagbaren Rechten, um das Arbeiten und Leben in menschenwürdigen Bedingungen zu ermöglichen. Die Preispolitik von Primark steht dazu in krassem Gegensatz.

Mehr Infos auf:
„Kampagne für saubere Kleidung“
lohnzumleben.de


Termine

Das AStA-Referat „Café International“ präsentiert:

Donnerstag, 5. Dezember, 19 Uhr, Cafe Freiraum (FH-Standort Golzheim)
Café International Tunesien
Unter dem Motto „Zu Hause in Deutschland und Tunesien“ findet eine Lesung eines tunesischen Schriftstellers statt. Außerdem: tunesische Musik und Erfahrungsberichte von deutschen und tunesischen StudentInnen.
Zugang Café Freiraum, links neben dem Haupteingang des FH-Gebäudes auf der Josef-Gockeln-Straße 9, Außentreppe auf der Wiese.

Der AStA-Referat für Interkulturelles präsentiert:

Fr. 6. Dezember (16 Uhr) bis Sonntag, 8. Dezember (15 Uhr), Cafe Freiraum (FH-Standort Golzheim)
Workshop: Gewaltfreier Widerstand in Mosambik
Derzeit regt sich in Mosambik von Seiten der Bevölkerung und verschiedenen Künstler*innen zunehmend Widerstand gegen die so genannte Demokratie. Die herrschende Partei FRELIMO ist seit der Unabhängigkeit 1975 ununterbrochen an der Regierung und hat seither alle Präsidenten gestellt. Es gibt derzeit keine Oppositionspartei, die bei der anstehenden Wahl im kommenden Jahr das Herrschaftsverhältnis ändern könnte.
Schwerpunkt dieser Veranstaltung ist es, gemeinsam herauszuarbeiten, welche Mittel und Unterstützung eine gewaltfreie Bewegung benötigt, um Strategien für einen möglichst breiten Widerstand zu entwickeln, der ausreichenden Druck auf die Machthabenden ausübt und deren Legitimität in Frage stellen kann. Angestrebtes Ziel der Bewegung ist es, eine real existierende Demokratie zu erreichen sowie Wege zur Bekämpfung der extremen Armut zu finden.
Weitere Infos, Anmeldung und Zeitübersicht siehe:
www.asta-fh-duesseldorf.de und
www.nkululeko.org

Der Antifa-AK an der FH gibt bekannt:

Im Dezember findet aufgrund des ungünstigen Termins (30.12.) keine INPUT-Veranstaltung statt. Nächster Veranstaltungstermin in der Reihe INPUT – antifaschistischer Themenabend (jeder letzte Montag im Monat) ist der 27. Januar 2014, zugleich 69. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee. Thema wird der laufende NSU-Prozess in München sein. Mitglieder der Initiative nsu-watch.info werden über den Stand des Prozesses berichten und ein erstes Zwischenfazit ziehen.
Die Veranstaltung wird im zakk, Fichtenstr. 40, stattfinden. Beginn ist 20 Uhr.