i furiosi in Bewegung

„Raise your voice! Your body your choice!“

In Münster ziehen jährlich fundamentalistische Christ*innen mit einem „Gebetszug“ durch die Stadt und protestieren so gegen Schwangerschaftsabbrüche, Verhütung, Sex vor der Ehe oder Homosexualität. Seit 2009 organisiert sich breiter Widerstand gegen diese reaktionäre Veranstaltung. Mit kreativen Aktionen und Demonstrationen protestieren Aktivist*innen gegen den Aufmarsch. Wir sprachen mit Nadja vom Vorbereitungskreis gegen den diesjährigen Aufmarsch am 22. März in Münster.

ifuriosi: Kannst du uns erklären wer diese Leute sind, die den 1000-Kreuze-Marsch organisieren, und was sie genau für eine Ideologie vertreten?

Nadja: Na klar. Organisiert wird der 1000-Kreuze-Marsch in Münster von EuroProLife, einer überwiegend katholischen Gruppe aus München. Die Teilnehmenden kommen aber größtenteils aus dem Münsterland und den Niederlanden. Sie vertreten eine erzkonservative christliche Ausrichtung. Das beinhaltet neben dem absoluten Ablehnen von Schwangerschaftsabbrüchen auch das Ablehnen von Verhütungsmitteln, Sex vor der Ehe, Homosexualität etc. Dabei argumentieren sie immer wieder absolut rassistisch und shoahrelativierend („Europa stirbt aus“, „Abtreibungen sind schlimmer als der Holocaust“).

ifuriosi: Zunächst erscheinen diese christlichen Fundamentalist*innen als krasse Spinner, die mit ihren reaktionären Positionen kaum auf Zustimmung stoßen werden, und denen es an gesellschaftlicher Verankerung fehlt. Ist das so?

Nadja: Nein, das kann so nicht gesagt werden. Der 1000-Kreuze-Marsch in Berlin beispielsweise erhält jedes Jahr Grußworte von bedeutenden Persönlichkeiten aus der Politik, wie Volker Kauder oder auch dem ehemaligen Bundespräsidenten Wulff. Zudem betreiben diese Gruppen und Personen neben den Märschen alltägliche Lobbyarbeit gegen Schwangerschaftsabbrüche, mit der sie auch immer wieder Gehör finden. Auch in anderen Bereichen sind sie zu finden, wie in den Protesten gegen den baden-württembergischen Bildungsplan, der doch sehr breit war und ein großes Medienecho erhielt.

ifuriosi: Ihr setzt feministische Forderungen und emanzipatorische Inhalte entgegen. Könnt ihr diese kurz erläutern?

Nadja: Wir setzen den Fundis vor allem das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper entgegen. Dazu gehört selbstverständlich das Recht dazu, selbst zu entscheiden, ob eine Schwangerschaft fortgesetzt oder abgebrochen werden soll. Dazu gehört aber auch eine selbstbestimmte Sexualität unabhängig christlicher Moralvorstellungen. Ebenso wie die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensentwürfe, Geschlechtsidentitäten jenseits der starren Zweigeschlechtlichkeit und Beziehungskonstellationen neben heterosexuellen romantischen Zweierbeziehungen.

ifuriosi: Ihr organisiert nicht zum ersten Mal Protest gegen den 1000-Kreuze-Marsch. Zeigen eure Proteste Erfolg?

Nadja: Wir finden ja. Zum einen hat sich die Zahl der Fundis auf den Märschen halbiert, seitdem es Proteste gibt. Desweiteren bekommen sie seit 2010 keine Kirche für einen eigenen Gottesdienst mehr, weil das Bistum Münster sie als „Kampftruppe am äußersten Rand der Kirche“ beschimpft hat, was ohne Proteste nie passiert wäre. Unseren Haupterfolg sehen wir allerdings darin, dass wir es geschafft haben, feministische Inhalte zu vermitteln und dadurch sicherlich auch die Auseinandersetzung mit Themen wie Schwangerschaftsabbrüchen wieder angetrieben haben. Allein letztes Jahr haben wir es geschafft, 500 Menschen für eine eigene Demo zu mobilisieren, was sowohl für Münster, aber auch bundesweit für eine Demo mit feministischen Inhalten ziemlich groß ist.

ifuriosi: Was plant ihr dieses Jahr? Wie können wir euch noch unterstützen?

Nadja: Wir planen auch dieses Jahr wieder eine eigenständige Demo, die um 11 Uhr am Hintereingang des Hauptbahnhofs starten soll. Da die Demo letztes Jahr ein voller Erfolg war - sowohl, was Größe, aber auch, was die Stimmung betrifft – hoffen wir dieses Jahr auf mindestens genau so viel Beteiligung. Die Demo wird zeitlich so enden, dass wir vor dem Fundiaufmarsch fertig sind. Was danach passiert, ist nicht mehr Teil des Demovorbereitungskreises. Unterstützen könnt ihr uns vor allem, wenn ihr vorbeikommt und Spaß habt. Falls ihr Lust habt, noch eine Mobiveranstaltung zu organisieren, kommen wir gerne vorbei.

ifuriosi: Vielen Dank für das Interview, wir sehen uns in Münster.


Aufruf und Informationen zu den Gegenaktivitäten am 22. März in Münster unter: gegen1000kreuze.blogsport.de

Die feministische Gruppe Grrrls Uprising organisiert zusammen mit gruppe_f für Düsseldorf eine gemeinsame Anreise. Treffpunkt ist am 22.März um 8.45 Ufa Palast/HBF (siehe auch den Artikel „Feministische Inhalte auf die Straße tragen!“ in dieser Ausgabe)