„Feministische Inhalte auf die Straße tragen!“

gruppe_f und Girrrls Uprising machen eine Reise in’s Münsterland – wer will mit?

Ein guter Tag, um „feministische Inhalte auf die Straße“ zu tragen, das war der 9. März 2013. Es hat geregnet ‚wie Hölle‘ und wir hatten Spaß (TERZ 04.13). „Spaß“ nicht von der Sorte, dass wir lauthals gelacht hätten. Dafür war das Wetter zu schlecht und mit patschnassen Socken lacht sich’s auch nicht so unbefangen. Und schon gar nicht, wenn eine*n schon allein der vordergründige Anlass für die Reise in das Regenloch Münsterland so richtig zornig machen kann.

Dennoch war es ein guter Tag in Münster, an dem die vielen hundert Menschen gegen den „1000-Kreuze-Marsch“ der christlichen Fundamentalist*innen/Lebensschützer*innen von und rund um EuroProLife auf die Straße gingen. Eine Begegnung der dritten Art könnte das gewesen sein. So sieht es auf den ersten Blick aus, sind die „Fundis“ doch so meilenweit von einem säkularen Gesellschaftsverständnis entfernt, wie Beteigeuze garantiert am anderen Ende des Universums liegt. Doch weit gefehlt, denn wie das obige Interview zeigt, haben wir es mitnichten mit Außerirdischen zu tun. Vielmehr sind das offenbar Leute, die durchaus im Stande sind, eine Lobby zusammenzutrommeln, die einer reaktionären Familienpolitik, einer repressiven, heteronormativen und anti-emanzipatorischen Sexualmoral und antifeministischen Haltungen und Politiken am liebsten alle Türen und Tore öffnen würden. Denn das Politische ist ja bekanntlich nirgendwo besser ruhiggestellt als im Privaten. Vor dem Fernseher zum Beispiel, in der Küche, bei den Kindern oder – Überraschung! – in der Kirche! Und mehr noch: Wir haben es hier nicht nur mit einer anti-emanzipatorischen Struktur zu tun. Vielmehr sollte nicht vergessen werden, dass derart patriarchale „Familien“-Verherrlichung und christlich verbrämte Geschlechterrollenzuweisungen auch mehr als anschlussfähig sind für völkisch-nationalistische Haltungen. Erinnert sei an die Beteiligung aus dem Dunstkreis des Blogs „Politically Incorrect“, wie sie nicht zum ersten Mal im Zusammenhang mit dem Auftreten der Lebensschützer*innen in Münster im März 2013 offenbar wurde. Hier bewahrheitet sich mal wieder, dass Antifa auch Fantifa sein kann und muss.

So war es auch im letzten Jahr nötig und wichtig, eine Gegenkraft auf die Straße zu bringen. Und das ist gelungen. Wir haben richtig gestört! Was kann eine*n Lebensschützer*in mehr nerven, als eine hüpfende Person, die versucht, einen der ihren mit einem Schmetterlingsnetz in Kondomform im Ausmaß von 60x180 cm ‚einzutüten‘. „Eure Kinder werden so wie wir, Eure Kinder werden alle queer!“ lässt sich zudem wunderbar singen, grölen oder mit der Vuvuzela begleiten, ein Instrument, das im Übrigen häufiger bei Demos Verwendung finden könnte – obgleich es natürlich noch viel gefährlicher aussieht als eine Overhead-Folie zum Schutz vor Tränengas, das sei zugegeben.

Aber es war nicht nur das Gegen-Etwas-Auf-Die-Straße-Gehen, was die Demo in Münster im letzten Jahr hat erfolgreich sein lassen. „Feministische Inhalte auf die Straße tragen“, die fragenden Gesichter der Passant*innen in der Münsteraner Fußgängerzone angesichts des Grusel-Zuges der Lebensschützer*innen auszunutzen, den Spieß der Aufmerksamkeit an einem Shopping-Samstag in der prallvollen Innenstadt förmlich umzudrehen: das ist gelungen – rundum. Und beides zusammen – das hat „Spaß“ gemacht!

Das kann und sollte Ansporn sein, auch dieses Jahr die kurze Reise nach Münster nicht zu scheuen. Auch wenn die Stadt nicht unbedingt bekannt dafür ist, mit regelmäßigem Sonnenschein aufwarten zu können und wir möglicherweise auch dieses Jahr wieder nasse Füße bekommen. Wichtiger noch ist, dass es (leider) in diesem Jahr nicht alleine die merkwürdigen, aber nicht zu unterschätzenden Lebensschützer*innen sind, denen es ins Gesicht zu Lachen gilt. Und da schwinden auch die Bedenken, dort die vermeintlichen Freaks von der Lebensschutz-Fraktion erst richtig sichtbar zu machen, wo wir gegen sie auf die Straße gehen. Denn es kann nicht allein darum gehen, auf einen kleinen aber zähen und offenbar auch einflussreichen Kreis von Freaks zu reagieren. Das war im letzten Jahr nicht so, und wird es 2014 noch viel weniger sein. Denn in Zeiten, in denen in Spanien eines der konservativsten, reaktionärsten Gesetze gegen das Selbstbestimmungsrecht von schwangeren Frauen auf den Weg gebracht wird, in denen in Frankreich Hunderttausende aus kaum zu analysierenden Gründen gegen die gesetzliche Anerkennung von homosexuellen Lebenspartner*innenschaften hetzen, obwohl niemand so richtig zu verstehen vermag, wo diese Homophobie eigentlich herkommt, in Zeiten, wo in US-amerikanischen Städten die Lebensschützer*innen-Lobby wieder verstärkt vor gynäkologischen Praxen aufzieht, wo Patient*innen durch sogenannte „Gehsteigberatungen“ unter Druck gesetzt und mitunter mit körperlicher Gewalt bedroht und angegangen werden. Da ist es höchste Eisenbahn die Stimme zu erheben: Gegen den patriarchalen Zugriff auf den (weiblichen*) Körper, für die Freiheit sexueller Lebensentwürfe! ³

gruppe_f

Für mehr Informationen zur Anreise nach Münster gemeinsam mit Grrrls Uprising, zur Vorbereitung o.ä.: www.facebook.com/gruppef.gruppef