hausdurchsuchungen in düsseldorf

Erklärung der Gruppe Hilarius: „Am 13. Februar 2014 gegen 6:30 Uhr wurden in Düsseldorf die Wohnungen von zwei Aktivisten der auch im antifaschistischen-Bereich aktiven Gruppe Hilarius von der Polizei durchsucht. Beide Wohnungen wurden durch einen Schlüsseldienst geöffnet. Bei einer Wohnungsdurchsuchung war keine Person anwesend, wodurch die Polizei die Möglichkeit hatte, alles uneingeschränkt, ohne Zeug*innen und ohne die Möglichkeit eines Einspruchs zu durchsuchen. Ebenso wurden rechtswidrig Zimmer von einer Mitbewohnerin durchsucht. Beschlagnahmt und bis heute nicht zurückgegeben wurde u.a. ein Handy. Von der Polizei wurde zugleich für beide Aktivisten die erkennungsdienstliche Behandlung angeordnet sowie eine DNA-Entnahme angekündigt. Selbstverständlich gab es keine Aussagen bei der Polizei.
Bestimmte Sachverhalte deuten darauf hin, dass der Anlass für die Durchsuchungen eine Anzeige des Neonazis Tim S.-O. war. Tim S.-O. ist in der Vergangenheit durch diverse Gewaltdelikte aufgefallen, bei denen er teilweise Hieb- und Stichwaffen eingesetzt hat. Bei einer Gerichtsverhandlung gegen ihn gab er dann plötzlich seinen „Ausstieg” aus der aktiven Neonaziszene bekannt. Dieser vermeintliche Ausstieg wurde damals schon von lokalen Antifaschist*innen als taktisches Manöver gewertet, um eine Haftstrafe zu verkürzen. Tim S.-O. wurde in dieser Verhandlung zu 14 Monaten Haft wegen zweifacher gefährlicher Körperverletzung verurteilt – auf Bewährung.
Bereits wenige Monate später wurde Tim S.-O. mehrfach mit weiteren Gewaltdelikten auffällig. Neben sexistischen, homophoben und rassistischen Äußerungen brüstete und brüstet er sich regelmäßig in seinen facebook-accounts mit diversen Gewalttaten und der jeweiligen „Repression” gegen ihn. Er ist sich in seinem Tun und Handel so sicher, dass er dies alles offen zugänglich macht. Und auch wenn er sich in den Social Communitys gerne als den Polizist*innen hassenden Outlaw gibt (z.B. durch ein Titelbildcomic, auf dem eine vermummte Person Polizisten enthauptet), scheint er mit den Behörden ein symbiotisches Verhältnis zu pflegen, wenn es darum geht, antifaschistische Aktivist*innen zu kriminalisieren.
Wir werten das Vorgehen der Polizei einerseits als völlig überzogen und andererseits als Versuch, unsere Gruppe als Ganzes zu kriminalisieren. Wir werden uns sowohl juristisch als auch politisch dagegen zur Wehr setzen. Unsere bisherige Arbeit bestand u.a. aus öffentlichen Kultur- und Politikveranstaltungen, Stadtrundgängen zu historischen Themen und antifaschistischer Aufklärungsarbeit, die wir oft gemeinsam mit Bündnispartner*innen gestaltet haben. Wir werden uns von der Repression nicht entmutigen lassen, freuen uns aber auch über jede Solidarität. Zugleich erneuern wir unsere Warnung vor der Gefahr, die von Neonazis im Allgemeinen ausgeht und von Tim S.-O. im Konkreten. Bei Nazis und bei staatlicher Repression gilt: Gegen einige wird vorgegangen, aber gemeint sind wir alle!”
http://gruppehilarius.blogsport.de/
https://www.facebook.com/GruppeHilarius

3.660 nazis in nrw

Auch wenn man bei Zahlen und Aussagen des Verfassungsschutzes vorsichtig sein muss, sind die Zahlen für Nordrhein-Westfalen beängstigend. Von den fast 4.000 Nazis gilt jeder zweite als gewaltbereit. Der Anteil von Frauen liegt derzeit bei elf Prozent, in den zurückliegenden Jahren waren es stets weniger als zehn Prozent gewesen. 47 Prozent der rechtsextremen Straftäter*innen sind zwischen 14 und 24 Jahre alt.. Die Zahl der von Rechtsextremisten begangenen politisch motivierten Gewattaten lag 2012 bei 192; in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres waren es 147.

geld für gedenkstätte bewilligt

Wie die TERZ in der Januar-Ausgabe schon berichtet hatte, wollte sich die Stadt aus der Verantwortung zur Finanzierung der Gedenkstätte am ehemaligen Schlachthof in Derendorf herusziehen. Auf dem Geländes des Schlachthofes wurden jüdische Bürger*innen aus Düsseldorf und dem Niederrhein in der Nazi-Zeit zusammengeführt und deportiert. Die LINKE brachte einen Haushaltsantrag ein, der die fehlenden Mittel zur Ausgestaltung des Erinnerungsortes sichern sollte. Daraufhin gerieten CDU und FDP in helle Panik, denn grundsätzlich wird kein Antrag dieser Partei unterstützt. Andrerseits wollten sie sich aber nicht die Blöße geben, kein Geld zu Verfügung zu stellen, das hätte sie nämlich als Gegner der Gedenkstätte erscheinen lassen. In einem Zusammentreffen der Fraktionsgeschäftsführer versicherten CDU und FDP, dass es einen Verwaltungsantrag geben würde, der die Finanzierung durch die Stadt gewährleisten würde, wenn die LINKE ihren Antrag zurückzieht. Dem folgte die LINKE. In der Februarsitzung des Rates wurde nun der Verwaltungsantrag gestellt und verabschiedet.

umweltverschmutzungsanzeige bleibt bestehen

Wie in der letzten Ausgabe berichtet, hatte der Bürgerverein Lohausen-Stockum den Flughafen Düsseldorf wegen der PFT-Verschmutzung angezeigt. Jahrelang fand das Umweltgift PFT im Löschschaum der Flughafen-Feuerwehr Verwendung, so dass es bei einem Brand eines Flugzeuges im Jahre 2005 großflächig in den Boden gelangte. Mittlweile ist das Grundwasser weiter Teile des Düsseldorfer Nordens hochgradig verseucht. Trotzdem dieses Umweltdesaster seit Jahren bekannt war, haben weder die Stadt noch der Flughafen bis heute ernsthafte Aktivitäten gestartet, um die Folgen des Schadens zu beseitigen. So wird der Aushub des belasteten Bodens am Flughafen nicht in Angriff genommen, weil es zu teuer ist. Und die Anzeige der Bürgerinitiative wurde von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Verjährung abgewiesen. Damit wollen sich die Aktivist*innen aber nicht abspeisen lassen. Sie beharren darauf, dass die Chemikalie aufgrund der Untätigkeit der Verantwortlichen in das Grundwasser gelangen konnte.

umarme deinen baum

Wie „demokratisch“ OB Elbers und die Stadtverwaltung häufig handeln, darüber berichtet die Terz immer wieder einmal. Aktuell geht es um eine geplante Erweiterung der Tiefgarage Schadow-Arkaden am Martin-Luther-Platz, direkt neben der Johanneskirche. Die Stadt möchte den Kaufsüchtigen eine bequeme Parkmöglichkeit geben. Deshalb sollen mindestens 13 Bäume gefällt werden. Es sind vollkommen gesunde Bäume, die eine weitere Lebensdauer von 20 bis 50 Jahren haben. Gegen die Fällung und den Bau der Tiefgarage mit 262 Parkplätzen organisiert sich deshalb Protest. Die ersten Aktionen gegen den Kahlschlag haben bereits stattgefunden. Einerseits geht es um die Bäume und die befürchteten Schäden an der Kirche, andrerseits um das Verhalten der Stadt und ihrer Politik. Immer mehr wird die Stadt für den Autoverkehr optimiert, anstatt eine zukunftsweisende Politik mit dem Ziel der Reduktion des Individualverkehrs in der Innenstadt zu entwickeln. Der Bau einer Tiefgarage ist der falsche Weg, denn die möglichst nahe Parkmöglichkeit zum neugebauten Shopping-Center am Kö-Bogen soll noch mehr Autos in dieses Gebiet locken. Zuständig für die Genehmigung ist eigentlich die Bezirksvertretung. Die Stadtoberen umgingen dieses Gremium jedoch, weil abzusehen war, dass es den Antrag ablehnen würde. Dagegen reichte der Vertreter der LINKEN eine Feststellungsklage beim Verwaltungsgericht ein. Sollte sich das Gericht der Meinung anschließen, müsste das Genehmigungsverfahren noch einmal neu aufgenommen werden. Auf ein Urteil will die Stadtverwaltung jedoch nicht warten und plant, noch im Februar eine Genehmigung zur Fällung der auf dem Platz vorhandenen Bäume zu erteilen. Der seitens des Investors Rheingrund eingereichte Antrag auf Baugenehmigung für die Tiefgarage steht unmittelbar vor der Bewilligung.
http://baumschutzgruppe-duesseldorf.de

co-pipeline vor dem aus?

Die Anzeichen mehren sich, dass die umstrittene 67 Kilometer lange Kohlenmonoxid-Pipeline von Dormagen nach Krefeld-Uerdingen, die auch über Düsseldorfer Gebiet verläuft, endgültig am Ende ist. Die Skandale um den Bau sind vielfältig. Seit sieben Jahren ist die Pipeline fertig, darf jedoch wegen anhängender Gerichtsverfahren nicht in Betrieb gehen. Proteste gibt es wegen der extremen Gefährlichkeit des unsichtbaren Gases. Beispielsweise musste die Feuerwehr Düsseldorf einräumen, dass sie bei einem Austritt der Substanz kaum Möglichkeiten besitzt, effektiv Vergiftungen zu verhindern. Die Pipeline wurde unter der CDU/FDP NRW-Regierung 2006 durchgedrückt. Bekannt wurde das Gesetz als Lex Bayer. Es erleichterte unter anderem die Enteignung von benötigtem Land für den Bau der Leitung. Das Oberverwaltungsgericht Münster äußerte nun in einem Anhörungstermin erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Gesetzes. Ein Urteil wird bald gefällt werden. Zudem kommt ein Gutachten, dass die jetzige rot-grüne NRW-Regierung in Auftrag gegeben hat, zu dem Ergebnis, dass es wirtschaftlichere Alternativen zu dem Röhrenwerk gibt. Man kann es auch anders ausdrücken: Bayer hat, um die Pipeline durchzubekommen, in Bezug auf die wirtschaftliche Notwendigkeit schlichtweg gelogen.

kein bunker-abriss

Immer mehr Menschen engagieren sich gegen den Abriss des Bunkers an der Aachener Straße. Dort sollen Luxus-Wohnungen enstehen, von denen Düsseldorf bekanntlich noch viel zu wenig hat. Jetzt hat die Initiative fast 1.000 Unterschriften, die sie in knapp vier Wochen gegen den Abriss gesammelt hat, der Bezirksvertretung übergeben. Das einzige, was den Freizeitpolitiker*innen dazu einfiel, war die Einberufung einer „Informationsveranstaltung”, an der auch der Investor und das Abbruchunternehmen teilnehmen wird. Das nennt sich dann „demokratische Teilhabe”. Aber nicht nur wegen der geplanten Luxuswohnungen, denen der Bunker weichen soll, regt sich Widerstand. Es gibt auch Befürchtungen, der Rückbau könne erhebliche Schäden an den angrenzenden Gebäuden verursachen. Die Kinder der angrenzenden AWO-KiTa haben ihre Ängste auf ein großes Plakat gemalt, dass dort am Bunker aufgehängt werden sollte, wo sonst immer Werbung hängt. Das wurde von der Agentur, die die Flächen vermarktet, jedoch untersagt.
http://bilk-pro-bunker.de/

familie muss zurück

Am 26. August 2013 frühmorgens um 2 Uhr wurde die Familie Jetula, bestehend aus Vater, Mutter und 6 Kindern, die seit Jahresanfang in Düsseldorf lebte, aus ihren Betten geholt und am gleichen Tag nach Skopjie/Mazedonien abgeschoben. Dort mussten sie wochenlang auf der Straße campieren, noch heute sind sie, nachdem sie eine notdürftige, völlig unzureichende Bleibe ergattern konnten, verzweifelt und ratlos. Die drei Schulkinder der Familie: Kevin (14), Erzan (12) und Elmedia (10) wurden der Schule entrissen. Ervin (3) konnte die Situation überhaupt nicht verstehen und reagierte mit psychosomatischen Hautausschlägen. Nun leben sie in Armut in einem heruntergekommenen Haus in Mazedonien, ohne Strom, Wasser und Toiletten. Der staatenlose Vater gehört den Roma an, die in Mazedonien unterdrückt werden. Der dortigen aussichtslosen Situation wollte er mit seiner Familie entfliehen, um ihr in Deutschland eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Die Kinder waren voll integriert und lernten schnell Deutsch. In Mazedonien können sie nicht zur Schule gehen, weil sie keine Papiere haben und die Sprache nicht verstehen. Die Mutter leidet seit der drohenden Abschiebung unter psychischen Problemen, die sich in Mazedonien verstärkt haben. Famile Jetula muss zurück nach Düsseldorf, deshalb wurde eine Petition gestartet, um die Forderung nach der Rückkehr zu unterstützen. Diese kann man unterzeichnen unter: http://www.stay-duesseldorf.de/familie-jetula-soll-zuruck/

nicht ernst genommen

Der Integrationsrat ist das Gremium, das in der Stadt die Migrant*innen vertreten soll. Formal hat der Integrationsrat keine Rechte und darf nur in geringem Maße über ein kleines Budget bestimmen. Ansonsten haben die Gewählten nur das Recht zu beratschlagen. Dass dieses Gremium höchstens eine Alibifunktion hat, ist den Wahlberechtigten auch klar. Deshalb lag die Wahlbeteiligung bei der letzten Wahl bei nur etwa 5 Prozent der 95.000 Wahlberechtigten. Ein höheres Quorum ist auch am 25. Mai, wo neben der Europa-, Kommunal, und Oberbürgermeisterwahl auch der Integrationsbeirat gewählt werden soll, nicht zu erwarten, denn es kommt noch erschwerend dazu, dass das Gremium nur in 27 der an dem Tag geöffneten 382 Wahllokale gewählt werden kann.

prozess abgeblasen

In der letzten Ausgabe berichtete die Terz über den anstehenden Prozess gegen eine Antifa-Aktivistin in Dortmund, die am Rande einer Demonstration gegen die neonazistische Partei „Die Rechte” in Dortmund eine Overhead-Projektor-Folie als Schutz vor Pfefferspray bei sich trug. Kurz vor dem Prozesstermin kam die Nachricht, dass das Verfahren ohne Auflagen eingestellt wird. Öffentlichkeit schaffen lohnt sich!

eine werbung für den krieg

Die Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete der LINKEN, Sahra Wagenknecht, kritisierte anlässlich der Informationsveranstaltung „Ausbildung und Studium bei der Bundeswehr” die Bundesagentur für Arbeit Düsseldorf. „Die Bundesagentur für Arbeit Düsseldorf bietet der Bundeswehr erneut ein Forum, junge Menschen für ihr tödliches Handwerk zu werben. Die Einladung der Bundesagentur für Arbeit ist explizit an junge Frauen und Männer gerichtet, vor denen die Karriereberatung der Bundeswehr Düsseldorf für Bundeswehr-Berufe werben möchte. Junge Menschen zu ermutigen, für die Interessen der deutschen Eliten in den Krieg zu ziehen und dafür zu töten oder getötet zu werden, darf nicht die Aufgabe der Bundesagentur für Arbeit sein. Sie sollte sich besser darauf konzentrieren, jungen Menschen zivile und gut bezahlte Jobs zu verschaffen, anstatt sie in die Hände eines Militärs zu vermitteln, das weltweit ökonomische und geostrategische Interessen mit der Waffe durchsetzt.” Und Sahra Wagenknecht weiter: „Besondere Brisanz erhält die Veranstaltung der Bundesagentur für Arbeit Düsseldorf durch die kürzlich bekannt gewordene Praxis der Bundeswehr, auch Minderjährige zu rekrutieren. Wie die Bundesregierung auf Anfrage der Fraktion DIE LINKE im Bundestag mitteilte, werden Minderjährige dabei auch an der Waffe ausgebildet. Selbst Bewerbungen von 16- und 17-Jährigen nimmt die Bundeswehr entgegen. Solch eine Praxis widerspricht der UN-Kinderrechtskonvention und unterläuft die weltweiten Bemühungen, die Rekrutierung von Kindersoldaten zu verhindern. Für die Bundeswehr sollten daher Werbeveranstaltungen in Schulen, auf Berufsbildungsmessen und, wie aktuell, zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit Düsseldorf verboten werden.”

ein bisschen gegen homophobie

Erklärungen des Rates sind eigentlich nicht weiter bedeutsam. Dennoch ist natürlich eine Resolution gegen Homophobie ein Bekenntnis. Noch vor wenigen Jahren hätte sich die CDU aus christlichen und/oder familienpolitischen Motiven heftig dagegen gestemmt. Heute muss die LINKE dafür herhalten. In ihrem anti-kommunistischen Beißreflex lehnte die Partei die Unterschrift unter einen interfraktionellen Antrag gegen Homophobie ab, weil die LINKE auch unterschrieben hatte. Dummerweise befand sich aber schon der Name des CDU-Geschäftsführers auf dem Papier, den er aufgrund des Protestes der CDU-Ratsfraktion schleunigst zurückziehen musste. Geht es eigentlich noch alberner? Bestimmt!

christliche geldgier

Im Gottvertauen und irdischer Geldgier legte das Sozialwerk der „Ordensgemeinschaft der armen Brüder des heiligen Franziskus” die Hälfte ihres Vermögens in dubiose Anleihen des Dresdner Finanzdienstleistungsinstituts Infinus an. Der ging nun Pleite. Und damit sind wohl 7,2 Millionen Euro der „armen Brüder” futsch. Das Geld war als Rücklagen für spätere Sanierungen ihrer Sozialeinrichtungen gedacht. Der Orden betreibt in Düsseldorf zwei Altenheime und mehrere Projekte der Wohnungslosenhilfe. Die Rücklagen wurden aus den dafür vorgesehenen Pflegessatz-Anteilen für die Altenheime gebildet. Allerdings ist die Frage, warum das Sozialwerk solch hohe Rücklagen gebildet hat, wo doch einige seiner Immobilien in einem desolaten Zustand sind.
Indirekt betroffen von dem Desaster der irdischen Gier ist die Obdachlosenzeitung fifty-fifty. Nach Bekanntwerden des Finanzskandals der „armen Brüder” ging der Verkauf der Zeitung drastisch zurück, da die Zeitschrift, obwohl unabhängig, in der Öffentlichkeit mit der Ordensgemeinschaft verbunden wird. Meistens trat Bruder Matthäus zusammen mit fifty-fifty-Gründer Hubert Ostendorf auf. Dieser kündigte nun die Zusammenarbeit mit dem Orden und kritisiert die Brüder nicht nur wegen ihres Finanzgebahrens, sondern auch wegen ihres Umgang mit dem Skandal. Offensichtlich will der Orden das Ganze aussitzen. Konsequenzen werden kaum gezogen, ganz nach dem Motto: Gott wird es schon richten.

zwangsräumungsblockade in köln

300 Aktivist*innen und Anwoh­ner*innen blockierten am 20. Febr. den Eingang des Hauses in der Fontanestraße 5 im Kölner Agnesviertel. Sie verhinderten damit die angekündigte Zwangsräumung von Karl-Heinz Gerigk, genannt Kalle (siehe letzte Terz). Kalle wohnt seit über dreißig Jahren im Kölner Agnesviertel. Der zentrumsnahe Stadtteil gehört inzwischen zu den höherpreisigen Wohngegenden Kölns. Alteingessene Mieter*innen wie Kalle, die noch nicht die überteuerten Mieten zahlen, stören dort. Der Eigentümer der Dachgeschosswohnung, ein Immobilienmakler der Kölner Firma Objekt Design, vernachlässigte die Wohnung jahrelang. Dann meldete er Eigenbedarf an und klagte Kalle aus der Wohnung. Die Legitimität der Eigenbedarfskündigung wird von den Unterstützer*innen angezweifelt. Im Nachbarhaus wurde unter dem selben Vorwand eine Wohnung kernsaniert und dann teuer vermietet. Kalle ließ sich die Machenschaften seines Vermieters nicht gefallen. Er wandte sich an die Presse, um seinen Fall öffentlich zu machen. Gemeinsam mit dem Kölner „Recht auf Stadt”-Netzwerk und Nachbar*innen organisierte er die Kampagne „Alle für Kalle!”. Sie organisierten im Vorfeld Protestaktionen und Informationsveranstaltungen, in denen sie deutlich machten, dass Kalle kein Einzelfall ist. Die Nachbar*innen von Kalle solidarisierten sich von Anfang an mit ihm und hingen Transparente mit Aufschriften wie „Kalle bleibt!” aus den Fenstern. Dass der Gerichtsvollzieher zum angekündigten Termin die Räumung nicht vollstrecken konnte, ist den 300 Unterstützer*innen zu verdanken, die sich schon um sechs Uhr morgens vor dem Haus versammelten. Mit Feuertonne, Musik und Kuchen saßen sie im und vorm Haus, fest entschlossen, Kalles Räumung zu verhindern. Dies gelang erfolgreich. Der Gerichtsvollzieher musste unverrichteter Dinge wieder abziehen, und die Zwangräumnung wurde verschoben. Auch in anderern Teilen Kölns regt sich der Protest, so wehren sich in der Kölner Südstadt Mieter*innen gegen den Abriss zweier Mietshäuser, und in Köln-Kalk kämpfen zwei Hausprojekte für ihren Erhalt.
Wie es mit Kalle weitergeht ist hier zu erfahren: http://zwangsraeumung-verhindern.de


Der Tag der politischen Gefangenen

Der 18. März ist der Gedenktag für politische Gefangene. Warum gerade dieses Datum?

Der „Tag der politischen Gefangenen“ bezieht sich auf zwei Daten in der Geschichte des Klassenkampfes. Am 18. März 1848 gingen in Deutschland das Bürgertum und das gerade entstehende Proletariat für Freiheit und Demokratie auf die Barrikaden. Diese Revolution, auch Märzrevolution genannt, wurde nach über einem Jahr erbitterter Kämpfe niedergeschlagen, es gab unzählige Opfer.

23 Jahre später, am 18. März 1871, kam es zum ersten Mal zur Umsetzung einer sozialistischen Utopie. An diesem Tag griffen die Pariser Arbeiterinnen und Arbeiter zu den Waffen. Sie schufen für einen kurzen Zeitraum eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung, die Pariser Commune. Doch nur nach 71 Tagen wurde der Aufstand niedergeschlagen. Die Reaktion übte nach ihrem Sieg blutige Rache an den Kommunard*innen. Mehr als 20.000 Männer und Frauen wurden getötet, mehr als 13.000 zu meist lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt. Und doch bleibt die Geschichte der Commune nicht in erster Linie als eine Niederlage im Gedächtnis der sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Bewegung, sondern als diejenige eines Aufbruchs, der bis heute andauert und noch lange nicht an sein Ende gelangt ist. Der 18. März wurde deshalb auch zunächst „Tag der Commune“ genannt.

1923 erklärte die Internationale Rote Hilfe (gegründet 1922) den Tag zum „Internationalen Tag der Hilfe für die politischen Gefangenen“. An diesem Tag gingen in den 20er Jahren in allen Ländern Menschen für die Opfer politischer Justiz auf die Straße, beispielsweise für die unschuldig in den USA zum Tode verurteilten Anarchisten Sacco und Vancetti, Einwanderer aus Italien, die des Raubmordes beschuldigt wurden und am 23.8.1927 hingerichtet wurden. Es wurde nie geklärt, ob die beiden überhaupt was mit der Tat zu hatten. Sie selbst haben bis zuletzt ihre Unschuld beteuert.

Während des Faschismus war die Begehung des Tages verboten. Erst 1996 initiierte Libertad! (Initiative zur Unterstützung der politischen Gefangenen) zusammen mit der Roten Hilfe zum ersten Mal wieder einen Aktionstag für die Freiheit der politischen Gefangenen.

Seitdem wird die Öffentlichkeit an dem Tag mit vielfältigen Aktivitäten auf staatliche Unterdrückung und Re-pression aufmerksam gemacht. In vielen Städten finden Infoveranstaltungen und Aktionen statt, um an die politischen Gefangenen und ihren Kampf zu erinnern. Die Rote Hilfe gibt jährlich eine Sonderausgabe zum 18.3. heraus, in der auf die aktuelle Situation der politischen Gefangenen weltweit eingegangen wird.

Rote Hilfe – OG Düsseldorf/Neuss