Der Bunker gehört dahin!

Objekt der Investoren-Begierde: Der Bunker an der Aachener Straße

Die Zeitzeugin

Zitate von Helene Struth (geb. 1924 in Bilk, jetzt also 90 Jahre alt):
„Der Bunker gehört dahin! Ich war ganz erschüttert, als ich in der Zeitung gelesen habe, dass ihn jemand abreißen will.“
„Nach der großen Detonation der Luftmine am 4. Februar 1941 sind wir direkt zu der Unglücksstelle gelaufen. Als wir ankamen, fiel lauter Ruß vom Himmel in den Schnee. Alles hat furchtbar gequalmt. Dann kam die furchtbare Nachricht, dass fast alle Bewohner des Eckhauses Aachener Str. 78 umgekommen waren.“ „Nachdem der Bunker gebaut worden war, kamen die schrecklichen Angriffe. Da sind wir immer in den Bunker gegangen – der war zwar nicht weit entfernt, aber manchmal war der Alarm so kurzfristig ausgelöst worden, dass wir noch auf dem Weg zum Bunker von den Bombern überrascht wurden. Wenn man drin war, war man froh. Viele hatten Koffer oder Klappstühlchen mit.“

Der Denkmalschutz

„Das Gebäude stellt eines der wenigen verbliebenen Zeugnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus dar, die uns im Alltag an den Schrecken eines totalitären Regimes auf deutschem Boden erinnern.
Der Bunker erinnert zugleich an die Phase des Kalten Krieges. Der Schutzraum wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit großem Aufwand für den damaligen Zivilschutz umgerüstet und ist im Inneren noch fast vollständig erhalten.“
Ein Antrag auf Denkmalschutz für den Bunker wurde im Januar gestellt.

Die Wandmaler

„Das beeindruckende bunte Bild auf dem Bunker mit dem Titel „Zeitreisende“ ist 1995 von einer internationalen Künstlergruppe mit dem Düsseldorfer Verein Farbfieber gestaltet worden und symbolisiert das fragile Zusammenleben verschiedener Kulturen in einer gemeinsamen Welt - für einen bunten Stadtteil wie Bilk sehr wichtig !
Düsseldorfer bzw. Bilker Persönlichkeiten und Elemente von einem Portrait Heinrich Heines bis zum Fernrohr der 1943 zerstörten Sternwarte blicken vom Bunker auf die Passanten herab.“
Viele betrachten alleine dieses Wandbild als denkmalschutzwürdig.

Der Bunker

Der Bunker ist 1942 erbaut worden, nachdem die Häuser an dieser Stelle im Jahr zuvor von einer Luftmine zerstört und die meisten Bewohner*innen getötet worden waren.
Aus den Aufzeichnungen eines Nachbarn:
„Da es sich bei dieser Luftmine um ein völlig neues Modell handelte, besichtigten am 31.03.1941 der Generalinspekteur der Luftwaffe und andere Militärs und Polizisten die Unglücksstelle. Es wurde daraufhin beschlossen, an dieser Stelle einen siebengeschossigen Bunker zu bauen.“
Der Bunker war bisher Bundeseigentum und wurde jüngst an einen Investor verkauft, der dort Luxuswohnungen errichten will.
Entgegen landläufiger Bürgermeinung wurde der Bunker nie kulturell oder anderweitig genutzt.

Die Nachbarn

Unmittelbar betroffen durch einen möglichen Abriss sind die Anlieger*innen und Nachbar*innen des Bunkers. Es werden bleibende Gebäudeschäden befürchtet, und ein Abriss des monumentalen Gebäudes in unmittelbarer Nachbarschaft eines denkmalgeschützten Hauses, einer denkmalgeschützten Schule, einer KiTa und des Lernort Studio wird von Expert*innen für fast unmöglich gehalten. Darüber hinaus scheint gerade hier, im Herzen Bilks, die Belastungsgrenze für die Bürger*innen des Stadtteils überschritten (Arcaden, U-Bahn usw.) Es sei daran erinnert, dass es hier um rein kommerzielle und private Interessen eines Investors geht.

Die Bürgerinitiative

Keine Angst, der Widerstand organisiert sich. Der Kontakt:
http://bilk-pro-bunker.de/
https://www.facebook.com/bilkprobunker

Der Kommentar von Hermann Harry Heine

Im Konflikt um den geplanten Abriss des Bilker Bunkers pflegen die lokalen Parteipolitiker*innen zum wiederholten Male ihr Image als bildungsferne Schicht.
Anders ist nicht zu erklären, dass hier gänzlich jenseits kruder Verschwörungstheorien eine geplante dritte Stadtzerstörung fast ungehindert ihren Weg geht.
Bereits vor einem guten halben Jahrzehnt hat eine große Koalition aus lokalen Klüngler*innen die Billigstversion eines Einkaufszentrums als „Bilker Neue Mitte“ dem Stadtteil als künstliches Herz aus Stein eingepflanzt.
Jetzt macht sich die gleiche Allianz daran, unter Ignorierung ihrer eigentlichen politischen Aufgaben dem bedeutenden Stadtteil Bilk sein einziges wirkliches Wahrzeichen zu nehmen und durch schmalen, aber luxuriösen Wohnraum zu ersetzen.
Gäbe es in Düsseldorf eine dem Oberbürgermeister nicht willfährige, eigenständige parteienübergreifende Kulturpolitik, wäre ein Abriss überhaupt kein Thema, siehe „Düsseldorfer Stadtrecht zur Erhaltung baulicher Anlagen gemäß §39h Bundesbaugesetz“.
Noch ist es nicht zu spät, sich gegen die von „höherer“ Stelle gerne gesehene Schaffung einer obrigkeitsergebenen Retortenbürgerschaft zu wehren.
Der Bunker muß erhalten bleiben und wartet auf eine Nutzung als das einzig wahre (kulturelle) Stadtteilzentrum.
Der Bunker bleibt unantastbar!