Let´s tackle Apple!

Blockupy 2014 steht nicht nur für die geplanten Aktionen gegen die Eröffnung des EZB-Neubaus im Herbst und die kommenden Maiaktionstage, sondern auch für eine starke internationale Zusammenarbeit. Unsere wachsende globale Vernetzung wird während der Maiaktionstage unter anderem mit konzertierten Aktionen bei den Apple-Stores in Düsseldorf und Frankfurt sowie in Poznan und Warschau und Mailand, Bologna und Rom spürbar sein: Am 16. und 17. Mai wollen wir zusammen das Motto „solidarity beyond borders“ mit verschiedenen Aktionen – ob Kundgebung, Go-in oder überraschende Blockade – plastisch werden lassen.

Warum Apple?

Apple steht als cooler moderner Weltkonzern exemplarisch für die exzessive Ausnutzung des globalen Lohngefälles. Apple unterhält selbst keine Fertigungsstätten mehr, sondern lässt seine iPhones und iPads von sogenannten „Auftragsherstellern“ wie Foxconn zu Niedriglöhnen in Weltmarktfabriken in China und anderen Ländern produzieren.

Foxconn ist mit 1,3 Mio Beschäftigten der weltweit größte industrielle Arbeitgeber und Hersteller von über 50 % der weltweit produzierten Elektronikprodukte. Das Unternehmen organisiert die industrielle Produktion in einem despotischen Fabrikregime, und Apple liefert die Technologie und das Design.

Mit unseren Aktionen bei Apple Stores und Shops wollen wir diese Ausbeutungsstruktur thematisieren und auf die Verweigerungs- und Widerstandsformen der Beschäftigten aufmerksam machen.

block Apple und Foxconn!

An den Smartphones und Tablets, Notebooks und Desktop-Computern - nicht nur von der Marke Apple - kleben Schweiß und Blut von Millionen meist junger Wanderarbeiter*innen. Sie müssen zum Überleben ihre Arbeitskraft verkaufen und werden dafür in den kargen Produktionshallen der Elektronikindustrien Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas ausgebeutet. Erniedrigung, Arbeitsstress und Schichtarbeit, niedrige Löhne, despotische Betriebsführung, Arbeitsunfälle und Krankheiten charakterisieren diese industriellen Arbeitslager. Doch in den medialen Versionen einer digitalen Moderne, in den gestylten Werbespots von Apple oder Samsung hat dieser Horror keinen Platz. Zu den Auftraggebern Foxconns gehören neben Apple auch viele andere namhafte Produzenten, darunter Canon, Dell, Nokia, Hewlett Packard, Intel, Lenovo, Microsoft, Samsung und Sony.

No border, no nation, stop exploitation!

iPhones und Airbooks gelten als innovativ, modern und cool. Apple steht konkurrenzlos für die Vision des modernen, qualitätsbewussten und allzeit vernetzten Menschen auf der Höhe der Zeit. Doch der Erfolg von Apple ist nicht allein das Ergebnis eines geschickten Marketings. Vielmehr profitiert dieser Weltkonzern von einer knallharten Ausbeutungsstrategie, die wir auch aus anderen Bereichen der standortunabhängigen Produktion kennen. Aus der Bekleidungsbranche ist länger und besser bekannt, wie die Konzerne der Textilindustrie ihre Gewinne in erster Linie auf dem Rücken der Produzent*innen und durch das Lohngefälle zum globalen Süden realisieren.

Brände und eingestürzte Fabrikhallen mit Tausenden von Opfern in Bangladesch, Pakistan oder Sri Lanka haben in den letzten Jahren immer wieder auf tragische Weise deutlich gemacht, wie diese Ausbeutung von vor allem Frauen in Asien organisiert und mit den hiesigen Verkaufsketten verbunden ist. Die hohen Profitraten von Apple basieren auf dem gleichen kapitalistischen Prinzip. Auftragsproduzenten stehen im globalen Wettbewerb um die niedrigsten Produktionskosten, und Apple streicht den übergroßen Anteil der Gewinnspanne ein.

iStrike – Widerstand in den Foxconn-Fabriken

Viele der meist jungen Foxconn-Arbeiter*innen wählen jeden Tag den Ausweg, einfach abzuhauen. Täglich verlassen rund 500 Arbeiter*innen einen der Betriebe. Neben einfacher Befehlsverweigerung und bewusster Verlangsamung ihres Arbeitstempos kommt es in den Weltmarktfabriken von Foxconn aber auch immer wieder zu Unruhen, Blockaden und Streiks - trotz der gezielten Spaltung und Vereinzelung der Arbeiter*innen in den Werkhallen und Wohnheimen, mit der Foxconn Arbeiter*innenwiderstand verhindern will.

So streikten im Jahr 2012 kurz vor Fertigstellung des neuen iPhone 5 3.000 bis 4.000 Arbeiter*innen in der Foxconn Fabrik in Zhengzhou und protestierten damit erfolgreich gegen die Forderung nach weiterer Arbeitssteigerung: Die Werkleitung musste für einen ganzen Tag die gesamte Produktion stoppen. Aufgrund der anhaltenden Kritik an den Arbeitsbedingungen verfasst Apple seit einigen Jahren einen Report zum Stand der Arbeitsbedingungen. Der Erfolg dieses Jahres ist laut Apple, dass seine Auftragshersteller inzwischen meist die 60-Stundenwoche einhalten ...

Ausbeutung „Made in EU“

Die herrschende Krisenpolitik drückt sich nicht allein in der Austeritätspolitik aus, also in den so genannten Sparprogrammen, die eine Umverteilung der Einkommen von unten nach oben initiieren und die immer mehr Menschen zur Annahme prekärer (Zweit-)Jobs zwingen soll. Der Krisenangriff zielt gleichzeitig auf die Ausweitung und Verschärfung der unmittelbaren Ausbeutungsbedingungen.

Große Teile der standortungebundenen Produktion werden dafür in Niedriglohnzonen ausgelagert. Diese findet man nicht nur im globalen Süden, sondern auch in Osteuropa. „Made in EU“ – unter diesem verkaufsfördernden Label produziert Foxconn mittlerweile auch in Osteuropa. Und in – wenn auch ungleich kleinerer Dimension – finden sich ähnliche Arbeitsverhältnisse selbst hier vor Ort: in deutschen Knästen oder mittels 1-Euro-Jobs.

Gleichzeitig wird versucht, in allen standortgebundenen Sektoren quer durch Europa prekäre Beschäftigungsverhältnisse auszuweiten. Im Bau- oder im Reingungsgewerbe, in der Landwirtschaft oder in der Gastronomie, in der Pflege oder in der Sexarbeit: die so genannte Dienstleistungsökonomie basiert zu großen Teilen auf Lohndumping in Subunternehmensketten, in Scheinselbständigkeit oder mittels Werkverträgen. Indem der Erhalt oder die Verbesserung ihres Aufenthaltsstatus an das Erwerbseinkommen gebunden ist, werden insbesondere Migrant*innen in solche Arbeitsverhältnisse gezwungen.

Von Blockupy Zeil zu Blockupy Apple

Blockupy-Zeil erreichte im Sommer 2013 durch Sit-Ins und Blockaden die zeitweise Schließung mehrerer Shops von Textilketten in der Frankfurter Einkaufszone und protestierte damit sehr öffentlichkeitswirksam gegen die Ausbeutungsbedingungen im globalen Süden sowie gegen die prekären Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im hiesigen Einzelhandel.

In diesem Sinne: Kommt am 17. Mai zu den Aktionen!


siehe auch die weiteren Blockupy-Beiträge in dieser Ausgabe
Düsseldorf im Mai? – Blockupy!
Sweatshops & Königsallee
Blockupy deportation airport Düsseldorf