Sweatshops & Königsallee

Was hat Kinderarbeit mit der Düsseldorfer Kö zu tun? Und wie sehen die Arbeitsbedingungen bei Geschäften wie H&M, Zara, American Apparel aus?

Auf der Düsseldorfer Königsallee haben eine Reihe von Modefirmen ihre Flagshipstore genannten Vorzeigeläden. Wir werden am 17. Mai, dem BLOCKUPY-Aktionstag, einige von ihnen besuchen, um vor Ort die Arbeitsbedingungen der dort beschäftigten Kolleginnen und Kollegen zu thematisieren, aber auch die Lebensbedingungen der Menschen, die die Kleidung herstellen, zur Sprache bringen.

Mörderische Arbeitsbedingungen bei der Produktion

Die Gewinne der Modefirmen basieren auf der Ausbeutung der Beschäftigten. An den Produktionsstandorten fabrizieren die Arbeiterinnen und Arbeiter (oftmals Kinder) zu niedrigsten Löhnen, häufig unter gesundheitsschädlichen Bedingungen. Katastrophen wie der massenhafte Tod von Kolleginnen und Kollegen durch Brände oder Einstürze von Fabriken sind keine Seltenheit, gelangen jedoch nur manchmal in die hiesige Öffentlichkeit. Noch unbekannter ist, dass es vor Ort den zähen Widerstand und die Selbst-Organisierung der Arbeiterinnen und Arbeiter in diesen Fabriken gibt. Wir wollen am 17. Mai auf der KÖ auch darüber informieren.

Prekäre Beschäftigung im Einzelhandel

Auch die Beschäftigten in der BRD sind betroffen, denn auch hier werden die mühsam errungenen Rechte der 2,7 Millionen Beschäftigten im Einzelhandel abgebaut und ihre Löhne gedrückt. Viele der Beschäftigten sind Frauen, die überproportional von Niedriglöhnen betroffen sind. Generell gilt: Je niedriger die Löhne, desto höher der Gewinn der Unternehmen. Hinzu soll eine grenzenlose Flexiblität der Beschäftigten kommen. Ständig abrufbar — aber nur fünf Stunden, die man garantiert im Monat arbeiten „darf“? Wir wollen bei unseren Aktionen auch über diese Zumutungen und den Widerstand dagegen informieren.

Der Blick zurück nach vorne

Am 24. April 2014 jährte sich der Fabrikeinsturz von Rana Plaza in Bangladesch. 1.138 Menschen kamen dabei ums Leben - über 2.000 wurden verletzt. Seitdem kämpfen die KollegInnen dort zusammen mit weltweiten Unterstützungsstrukturen gegen das Vergessen und für eine Entschädigung der Opfer und ihrer Hinterbliebenen.

Michaela Königshofer von der Clean Clothes Kampagne stellte am Jahrestag fest: „Es ist beschämend, dass bis zum Jahrestag von den 29 Millionen Euro noch 18 Millionen ausständig sind, die nötig wären, um alle Betroffenen für ihre Einkommensverluste und medizinischen Kosten finanziell zu entschädigen. Diese 18 Millionen Euro entsprechen rund 0,2 Prozent der gemeinsamen Gewinne der Unternehmen im letzten Jahr und fehlen den Betroffenen in Bangladesch jeden Tag im Kampf ums Überleben! Marken wie Benetton, NKD oder Adler Modemärkte machen gute Gewinne. Sie haben es nicht nur verabsäumt, sicherzustellen, dass sie in sicheren Zulieferbetrieben nähen lassen, sondern lassen jetzt auch noch die Opfer und Hinterbliebenen im Stich! “

Das ExChains-Netzwerk, eine Selbstorganisation von Beschäftigten mit Unterstützung von Gewerkschaften, hat sich zum Ziel gesetzt, es den Arbeiter*innen überall in der globalen Bekleidungsindustrie zu ermöglichen, die Kontrolle über ihr eigenes Arbeiten und Leben zu erlangen. Dafür müssen die Beschäftigten das Recht haben, sich in unabhängigen Gewerkschaften ihrer Wahl zu organisieren, wobei es von zentraler Bedeutung ist, dass Frauen dort die Möglichkeit haben, Führungspositionen zu besetzen. Denn obwohl Frauen den Hauptteil der Beschäftigten in der „Globalen Bekleidungsfabrik“ ausmachen, sind sie in der Gewerkschaftsbewegung unterrepräsentiert und häufig randständig. Auch wo Gewerkschaften existieren, sind diese oft patriarchal strukturiert und bieten Frauen keinen Raum für eigenständiges Handeln.

Gewerkschaftliche Organisierung vor Ort ist der Schlüssel zu besseren Arbeitsbedingungen. Die Beschäftigten führen dort bereits Kämpfe um Organisierung, höhere Löhne, besseren Brandschutz und gute Arbeitsbedingungen. Ihre Kämpfe sollen durch die Arbeit der Betriebsrät*innen und Aktivist*innen hier unterstützt werden. Die Aktionen von BLOCKUPY am 17. Mai sind ein Beitrag dazu – und mitmachen kann jede und jeder, es braucht nur ein wenig Zeit und die Motivation, mit auf die Straße zu kommen.

see red! Interventionistische Linke Düsseldorf


siehe auch die weiteren Blockupy-Beiträge in dieser Ausgabe
Düsseldorf im Mai? – Blockupy!
Let´s tackle Apple!
Blockupy deportation airport Düsseldorf