Einschnitte bei RP und WZ

Stürme über Medienlandschaft

Die Westdeutsche Zeitung entlässt die Hälfte ihrer 100 Redakteur*innen und baut ihre Kooperation mit der Rheinischen Post aus, die wiederum sukzessive aus der Tarifbindung aussteigt – öder und härter wird’s im Lokaljournalismus.

Printmedien geht es nicht gut. Kaum ein Monat vergeht ohne Meldungen über Entlassungen und Umstrukturierungen. Auch Düsseldorf bleibt von den Entwicklungen nicht verschont. Nachdem die Westdeutsche Zeitung 2012 bereits 40 Stellen gestrichen hatte, verkündete das Blatt Ende März, 50 seiner hundert Redakteur*innen entlassen zu wollen. Und mit dem verbliebenen Rest kann es nur noch eine Rest-Zeitung machen. Den überregionalen Teil erstellt die WZ künftig nicht mehr selbstständig; sie lässt sich die Artikel stattdessen von der Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten liefern und schneidert die Texte nur noch ein bisschen zurecht. Zudem verkleinert sie ihre Lokalredaktionen oder schließt sie – wie in Mettmann oder Neuss – ganz. Hier beabsichtigt das Medium ebenfalls, Inhalte dazuzukaufen. Produzieren soll diese die Rheinische Post. Nur die Städte Düsseldorf, Wuppertal und Krefeld, wo die Zeitung noch einen relativ guten Stand hat, bleiben vorerst davon verschont.

Mit dieser Entscheidung verstärkt die Westdeutsche Zeitung die ohnehin schon enge Kooperation mit der RP. So hält ihr Verlag, die „W. Girardet GmbH & Co. KG“, 6,7 Prozent der Anteile an der Holding der Rheinischen Post. Zudem wickelt die WZ den Druck – in der RP-eigenen Rheinisch-Bergischen Druckerei – und den Vertrieb über die „Zeitung für Politik und christliche Kultur“ ab. Darüber hinaus gehören beide Häuser mit zu den Betreibern des Anzeigen-Portals Kalaydo. Auch publizistisch arbeiten WZ und RP zusammen und geben gemeinsam Anzeigenblätter heraus.

Personaltechnisch gibt es ebenfalls so einigen Austausch. Wechselte der langjährige WZ-Redakteur Uwe-Jens Ruhnau im letzten Jahr zur Rheinischen Post, so verpflichtete die Westdeutsche Zeitung jetzt ihren neuen Chefredakteur aus den Reihen der RP. Dessen Vorgänger Martin Vogler hatte die Geschäftsleitung im Winter geschasst – er schien ihr offenbar nicht der geeignete „Change Manager“ zu sein. Ulli Tückmantel dagegen hatte für diesen Job besondere Qualifikationen. Er leitete beim Katholen-Blatt nämlich die Truppe, die im Testlauf schon mal RP-Artikel zu WZ-Texten umstrickte. „Wir arbeiten gerade mit einem kleinen Team an einer Machbarkeitsstudie für den Fall, dass die Westdeutsche Zeitung Dienstleistungen anfragt. Dabei geht es derzeit nicht um konkrete Schritte, sondern um organisatorische Abläufe“, so beschrieb eine Sprecherin des Verlags dem Portal newsroom.de das Treiben von Tückmantel & Co. Die WZ-Beschäftigten reagierten auf die Verpflichtung nicht gerade erfreut, nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Andreas Keil gegenüber newsroom.de ist diese „bei Mitarbeitern und beim Betriebsrat mit einer gewissen Überraschung aufgenommen worden, weil dadurch die Nähe zur Rheinischen Post offensichtlicher wird“. Schon vorher hatten Branchen-Expert*innen nicht mehr viel auf die Unabhängigkeit der Westdeutschen Zeitung gegeben: „Das ist nicht mehr als eine Filiale der RP“.

Der Zentrale der Rheinischen Post hingegen geht es wirtschaftlich gut. Aber das ist ja kein Grund, nicht auch ein bisschen an der Effizienz-Schraube zu drehen. Darum forciert die Rheinische Post ihre Tarifflucht. Neu eingestellte Journalist*innen, übernommene Volontär*innen und Pauschalist*innen landen nunmehr bei der Tochtergesellschaft RP Media, die an keine Vereinbarungen mit Ver.di oder Journalist*innen-Verbänden gebunden ist. Deshalb arbeiten sie zu deutlich schlechteren Konditionen als ihre Kolleg*innen im selben Haus. Sie erhalten weniger Geld, weniger Urlaub, weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld und haben eine 40-Stunden-Woche. Trotzdem pries die Direktion das Modell als „tolle Chance für den Nachwuchs und die Pauschalisten“ an, weil die Berufseinsteiger*innen dann wenigstens irgendwie geartete Festverträge haben und sich auch einige Pauschalist*innen Hoffnungen darauf machen dürfen.

Der Deutsche Journalistenverband reagierte empört. „Tarifflucht als Chance für den Nachwuchs zu verkaufen, ist an Zynismus nicht zu überbieten“, hieß es in einer Presseerklärung der Vereinigung: „Dumping-Konditionen kann man nicht schönreden. Die „Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union“ sah im Vorgehen der Rheinischen Post angesichts von Parallelaktionen der Kölner Mediengruppe DuMont Schauberg zudem ein „weiteres Signal“ der Verleger*innen, den Flächentarifvertrag auszuhöhlen.

Und auch ansonsten dürfte es am Medien-Standort ungemütlicher werden. Per Stellenanzeige suchte da nämlich jemand für einen „Mandanten aus der Medienbranche in Düsseldorf“ einen oder eine Controller*in zum Aufspüren von Einspar-Potenzialen. Kosten- und Prozess-Optimierung, Kennzahlenmodell- und Portfolio-Optimierungen, das Erstellen von Businessplänen sowie monatliche Soll-Ist-Analysen von Umsatz, Kosten und Ergebnis gehören unter anderem zum Anforderungsprofil. Aber vielleicht hält sich der Schaden ja auch in Grenzen und bei dem „Mandanten aus der Medienbranche“ handelt es sich wieder um die RP oder die WZ.

JAN