Mit Fuchs und Dachs gegen Baumbruch

Kommando „Ela“

Deutschlands Freiheit wird auch gegen die Unbill der Natur verteidigt: In Düsseldorf kam die Bundeswehr zum Einsatz, um gegen die Folgen der Gewitterfront „Ela“ zu kämpfen.

Düsseldorf fehlen die Fachleute, um die Sturmschäden zu beseitigen. 17.000 Bäume fällte „Ela“ mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 144 km/h. Noch-Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) bestellte deshalb 300 Soldat*innen des Pionierregiments 100, sonst auch in Afghanistan, im Kosovo und in Mali aktiv, aus dem 200 Kilometer entfernten Minden, aus Holzminden und von der Augustdorfer Panzerpionier-Kompanie mit 50 Fahrzeugen an den Rhein. Mit dabei: neun Fuchs-Bergepanzer, zwei Dachs-Pionierpanzer, 15 Schwertransporter, vier Schwenklader und „mobile Kettensägetrupps“. Der CDU-Politiker war bei seinem Hilferuf unmittelbar vor der Stichwahl als „Rettungskoordinator“ nicht allein.

„Ela“ ließ keine Zeit (Militärischer Katastrophenalarm Stufe 1), die Panzer auf Tiefladern zu transportieren. Sie fuhren mit gepolsterten Ketten direkt über die Autobahn A 2. Dafür verbrauchte der „Dachs“ 540 Liter Diesel. Um in der Bevölkerung keine Ängste auszulösen, so der WDR, sollte die Panzer nicht wie ursprünglich geplant durch die Innenstadt fahren. Als „Parkplatz“ bot sich die Bergische Kaserne im Düsseldorfer Stadtbezirk Gerresheim an.

Zwingend, zumal flächendeckend, scheint der Bundeswehreinsatz allerdings nicht zu sein. Barbara Gottschlich, Stadtsprecherin aus Bochum, betonte gegenüber dem WDR, dass es regionale Unterstützung vom Technischen Hilfswerk gegeben habe, die großen Einsatzfahrzeuge seien hingegen für die Stadt ungeeignet, und die Soldaten seien im Gegensatz zur Feuerwehr ortunkundig. Auch Dortmund benötigte die Bundeswehr nicht. Die Deutsche Bahn wollte die Soldat*innen ebenfalls nicht auf der Schiene, zumal dort mehr noch als auf der Straße auf die Sicherheit geachtet werden müsse.

Der Einsatz in Düsseldorf ist nicht nur der schweren Technik geschuldet. Der „Dachs“, basierend auf dem „Welterfolg“ Leopard 1, wiegt leer 43 Tonnen und wird den Boden vom Grafenberger Wald so stark panzern, wie es der Wald noch nicht erlebt hat. Der Fuchs ist mit seinen 19 Tonnen Eigengewicht ein schwächerer „Verdichter“. Dafür ist er aber mit einer Höchstgeschwindigkeit von 96 km/h schneller als der Dachs (62 km/h) – nur nicht im städtischen Forst.

Der Pionierpanzer Fuchs, ebenfalls von dem Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall konstruiert, ist nicht nur im Stadtwald einzusetzen. Er verfügt auch über tödliche Erfahrungen zwischen Kundus und Masar-e Scharif in Afghanistan. Besonders beliebt ist der Fuchs in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).

Die Boulevard-Presse ist begeistert vom Bundeswehreinsatz. Auch Bürger*innen in „vornehmen Villengegenden“ hoffen auf einen Einsatz. Schließlich steht noch die Frage, wie bei den Straßensperren der Golfplatz pünktlich zum Turnierbeginn erreicht werden kann.

Die Option für Fuchs und Dachs in Düsseldorf hat auch einen politisch-juristischen Hintergrund. Mit dem Grundgesetz unterm Arm konnte Elbers nach Hilfe rufen, denn in Artikel 35 (2) heißt es: „Zur Hilfe bei einer Naturkatastrophe oder bei einem besonders schweren Unglücksfall kann ein Land Polizeikräfte anderer Länder, Kräfte und Einrichtungen anderer Verwaltungen sowie des Bundesgrenzschutzes und der Streitkräfte anfordern.“ Elbers war also auf die Fürsprache der SPD/Grünen-Landesregierung angewiesen. Das Innenministerium (Innenminister Ralf Jäger, SPD) stimmte zu. Ein weiteres Bindeglied, um die Bundeswehr im zivilen Bereich eingreifen zu lassen, ist die ZMZ (Zivil-Militärische Zusammenarbeit), die den Einsatz der Streitkräfte auch bei Großschadensereignissen regelt.

Der ursprünglich geplante Einsatz wurde sogar noch verlängert. Oberstleutnant Uwe Kort (Landeskommando NRW) ließ wissen, dass die Soldat*innen auch rechtsrheinisch im Innenstadtbereich aktiv seien. Auch dabei ging es nicht um die Bäume, denn für das Aufräumen von Wäldern sei die Bundeswehr nicht zuständig. Es geht um die Freiheit auf den Straßen und auch um Beinfreiheit auf den Bürgersteigen in der Innenstadt. Mütter mit Kindeswagen sollten nicht auf die Straße ausweichen müssen.

Den Auftrag der Bundeswehr, nach dem das Einsatzgebiet „Wald“ ausgeschlossen sein soll, wenn keine Feinde drin sind, interpretierten die bürgerlichen Zeitungen auf ihre Art. WZ vom 13. Juni: „Soldaten räumen im Wald auf“. Der Nachrichtensender „N 24“ ist noch großzügiger: „Bundeswehr-Panzer räumen Düsseldorf auf“. Und der „Express“ muß einmal nicht von „Verantwortung übernehmen“ schwafeln, sondern darf Tacheles reden: „Bundeswehr erklärt Sturm-Chaos den Krieg“.

Für die gewonnene Schlacht gegen das Chaos und die Wiederherstellung der Ordnung gab es viel Beifall. Die Brauerei Schumacher bedankte sich bei 250 Kamerad*innen: Jede/r Soldat*in bekam eine Literflasche Alt spendiert.

Uwe Koopmann