Die Rojava-Revolution im Norden Syriens

Basisdemokratie inmitten des Syrienkrieges

In drei nördlichen Regionen des Staatsgebiets von Syrien – von den dort lebenden Kurd*innen als Rojava (West-Kurdistan) bezeichnet – vollzieht sich eine Entwicklung, die dem Trend im restlichen Syrien entgegengesetzt ist und große Hoffnungen auf tatsächlichen Frieden, Demokratie und Toleranz unter den Bevölkerungsteilen weckt.

Als der Aufstand gegen das Assad-System und anschließend der mörderische Krieg in Syrien begann, entschieden sich die Kurd*innen für einen Dritten Weg. Sie begannen in allen Orten Rätestrukturen und Selbtverteidigungskräfte aufzubauen. Nachdem der Krieg sie 2012 erreichte, befreiten sie ihre Regionen von den Truppen Assads. Ebenso halten sie Distanz zur bewaffneten islamistisch-nationalistischen Opposition (Freie syrische Armee).

Zurzeit werden sie von den den islamistischen Terror-Organisationen ISIS und Al-Nusra massiv angegriffen.

Trotz der militärischen Auseinandersetzungen wird die Gesellschaft in radikal-demokratischer Weise neu strukturiert. Heute hat fast jeder Straßenzug und jedes Dorf seine Kommune, die das politische, soziale und kulturelle Leben in kollektiver Art organisiert. Die Kommune ist die kleinste Einheit und Basis des Systems der demokratischen Autonomie.

Die Kommune ist nicht nur ein Ort der Selbstorganisierung, sondern auch der gesellschaftlichen Konfliktlösung. So geht es um soziale Probleme im Stadtteil, um Unterstützung von ärmeren Mitgliedern der Kommune und um die gerechte Verteilung von Brennstoff, Brot und Lebensmitteln. Auch die Selbstverteidigung wird von der Bevölkerung organisiert.

Die Ökonomie der demokratischen Autonomie beruht auf der Kooperative. Im Moment ist es noch schwer, da die Menschen in Rojava unter Kriegsbedingungen leben. Aber sie arbeiten kontinuierlich daran, Kollektive weiter aufzubauen.

Die Revolution in Rojava ist vor allem auch eine Revolution des Bewusstseins, weg von der Autoritätsfixierung, dem Patriarchat und feudalen Strukturen. Um diese Revolution auch auf der Ebene der Kommunen umzusetzen, bilden sich alle Komitees der Kommunen kontinuierlich auf Schulungen weiter. Und die Frauen sind bei dem Aufbau der Rätestrukturen ganz vorne mit dabei.

In vielen Stadtteilen gibt es inzwischen sogenannte Frauenhäuser. Es sind keine Frauenfluchthäuser wie in der BRD, sondern Häuser, in denen Frauen zusammenkommen, sich gemeinsam bilden und ihre Probleme besprechen. Oft werden Computer-, Sprach- oder Nähkurse angeboten. Die wichtigste Arbeit der Frauenhäuser ist jedoch Hilfe bei gesellschaftlichem Sexismus. Im Moment gibt es in allen Bereichen eine Geschlechterquote von 40 %.

Anfang 2014 wurde gemeinsam mit den zahlreichen ethnischen und Religionsgruppen in den drei Regionen von Rojava Cizîre, Kobanî und Efrin die „Demokratische Autonomie“ ausgerufen. Jedoch ignoriert der Rest der Welt bewusst diese demokratischste Region Syriens.

Wie funktioniert das politische, soziale und wirtschaftliche Leben heute in Rojava? Welche Herausforderungen gibt es beim Aufbauprozess; auch angesichts der Angriffe von ISIS und anderer Kräfte und des Embargos durch die Türkei? Welche politische Perspektive steckt hinter der Selbsverwaltung fern von Nationalstaat und Patriarchat? Welche positiven Folgen kann Rojava auf Syrien und den Mittleren Osten haben? Welche Auswirkungen haben die neuesten ISIS Eroberungen im Irak auf Rojava?

Antworten auf diese Fragen versucht Ercan Ayboga von der Delegation der Kampagne „TATORT Kurdistan“ zu geben. Die Delegation besuchte im Mai 2014 die selbstorganisierten Strukturen der Region und berichtet von den Verhältnissen und Entwicklungen rund um Rojava.

Eine Veranstaltung von see red! Interventionistische Linke Düsseldorf, Ceni kurdisches Frauenbüro für Frieden und BHoA – Antikapitalistische Assoziation

Am 11.07.2014 um 20 Uhr im Linken Zentrum Hinterhof (Einlass 19 Uhr)

Weitere Berichte der Delegation:
http://www.tatortkurdistan.blogsport.de/2014/05/26/mai-2014-berichte-der-rojava-delegation/