ASPHALT Sommerfestival für Theater und Musik in Düsseldorf (8.-17. Aug. 2014)

Düsseldorf bringt Kultur auf den Asphalt!

Das „Düsseldorfer Sommerfestival für Theater und Musik“ hat auch in diesem Jahr wieder während der kulturarmen Sommerzeit außergewöhnliche Räume der Stadt Düsseldorf für Künstler*innen geöffnet, um urbane Strukturen, Gebäude und Plätze in ein unkonventionelles Licht zu setzen und wieder mit Leben zu füllen.

So wurden neben der Sky-Lounge im GAP 15 auch diverse Büdchen in Düsseldorf sowie die ehemalige Brot- und Farbfabrik zu zentralen Schauplätzen des ASPHALT-Festivals. Damit versuchten die Initiatoren und Leiter Bojan Vuletic (Komponist) und Christof Seeger-Zurmühlen (Regisseur) in diesem Jahr das Leitmotiv des Festivals – besondere Räume für Künstler*innen zu öffnen und somit die Kultur auf den Asphalt der Düsseldorfer Straßen zu bringen, direkt vor die Haustür der Bürger*innen – von neuem umzusetzen. Das 10-tägige Festival realisierte mit lokalen, überregionalen und internationalen Künstler*innen diverse Theater-, Musik-, Tanz-, Kunst- und Literaturveranstaltungen.

Als Auftakt-Veranstaltung präsentierte ASPHALT in den alten Farbwerken „Preparatio Mortis“, eine zeitgenössische Tanzaufführung von Jan Fabre, die ihre Uraufführung 2005 beim Avignon-Festival hatte. Jan Fabre übersetzt in „Preparatio Mortis“ das paradoxe Verhältnis von Leben und Tod in eine mitfühlende Poesie des Tanzes – und veranlasst somit die Zuschauer*innen, sich mit der eigenen Sterblichkeit, der Vergänglichkeit und der Lust am Leben im Sinne barocker Motive zu befassen. Allgemein gilt Jan Fabre nicht nur als extrem wandlungsfähiger Künstler. Wie „Preparatio Mortis“ zeigt, sind seine Produktionen, die sich meist radikalen oder Tabuthemen zuwenden, von schlichter, atemberaubender Schönheit geprägt. Auch die Orgelmusik von Bernard Foccroulle unterstützt die barocken Topoi und unterstreicht die Bewegungen der französischen Tänzerin Annabelle Chabon.

Ein weiteres Highlight stellte die inszenierte Stadtführung des Theaterkollektivs per.Vers. „Ode an das Büdchen“ dar. In dieser Theaterrallye konnten die Besucher*innen „das Büdchen“ als interkulturelle Begegnungsstätte beziehungsweise als Ort des Austauschs und der Kommunikation erfahren, der nun durch soziale Netzwerke und anonyme Einkaufsmöglichkeiten zu verschwinden droht.

Und wer sich dadurch nicht erfreuen konnte, hatte dazu die Gelegenheit beim atemberaubenden Gastspiel „Caligula“ vom Bochumer Off-Theater Rottstraße 5. In dieser Inszenierung bringt Marco Massafra (Regie + Text) nicht nur einen Klassiker von Albert Camus in seiner ganzen Größe zum Ausdruck, sondern überträgt ihn auch in unsere Zeit, in der adrett gekleidete Staatschefs mit ihren Vertrauten in Büros sitzen und über Leben und Tod sowie ‚Staatsgelder‘ entscheiden dürfen. Wodurch Caligula, der versuchte, das Absurde mit logischem Denken zu überwinden, im Gegensatz zu anderen gegenwärtigen Staatsherren oder Staatsdamen gar nicht so verrückt zu sein scheint. Aber in dieser Inszenierung zeigt Massafra den wahnwitzigen römischen Kaiser auch von einer ganz anderen Seite: nachdenklich, philosophisch und mit Genialität behaftet. Ganz nach den Worten des Autors Camus lässt Massafra „Caligula“ als „the tragedy of the intelligence“ aufführen.

Fast mit denselben Motiven wie in Camus‘ „Caligula“ befasst sich die zeitgenössische Tanzaufführung „Collateral Damage“ der Choreograf*innen und Tänzer*innen Marcus Grolle, Morgan Nardi und Nora Pfahl, welche die Reihe „Asphalt tanzt!“ fortsetzt. Das Tanzstück thematisiert moralische Defekte, das Streben nach unbedingtem Erfolg und die Unvereinbarkeit von Ehrgeiz und Liebe, Glück und Gerechtigkeit, sprich: es erzählt die Geschichte von talentierten Aufsteiger*innen und skrupellosen Karrierist*innen, die vor nichts zurückschrecken.

Natürlich hatte das ASPHALT-Sommerfestival noch unglaublich viele andere wunderbare Künstler*innen im Angebot und ich denke, dass das Festival seinem Ziel, neue Strukturen für die Kulturlandschaft Düsseldorf zu öffnen, wahrlich näher gekommen ist. Das Festival hatte immerhin 3.500 Besucher*innen, Chapeau! Ich freue mich aufs vierte ASPHALT-Festival vom 3. bis 12. Juli 2015!

http://asphalt-festival.de/2014/idee.htm