„Wir verändern Mosambik!“

In Europa sind wir daran gewöhnt, mit Afrika nur Hunger und Krieg zu verbinden. Dabei gibt es durchaus politische linke Bewegungen, die ähnlich wie die Interventionistische Linke in Deutschland versuchen mit Massenaktionen des Zivilen Ungehorsams, politisch Einfluss zu nehmen. Eine solche Bewegung ist „Wir verändern Mosambik“, die am 30. Oktober im Stay!-Atelier vorgestellt wird.

Die aktuelle politische Situation in Mosambik weist gegenwärtig die größten Spannungen seit Ende des 16-jährigen Bürgerkrieges auf, der von 1976 bis 1992 stattfand. Obwohl das politische System von der Verfassung her eine Mehrparteien-Demokratie ist, wird die Regierung seit den ersten freien Wahlen im Jahr 1994 ausschließlich von der Frelimo (Frente de Libertacao de Mozambique – Front zur Befreiung von Mosambik) gestellt. Die Wahlen finden regelmäßig alle fünf Jahre statt. Die Renamo (Resistencia Nacional Mocambicana – Nationaler Mosambikanischer Widerstand) stellt sich seitdem als stärkste Oppositionskraft dar. Bedingt durch Streitigkeiten innerhalb dieser Partei hat sich in den letzten sechs Jahren eine neue politische Bewegung, die MDM (Movimento Democrativo de Mozambique – Demokratische Bewegung von Mosambik), gebildet. Sie stellt mittlerweile die drittstärkste politische Kraft im Land. Die MDM hat in den letzten Jahren immer mehr an Zulauf gewonnen, insbesondere in wichtigen Städten des Landes, wo sie in vier Stadtverwaltungen den Bürgermeister stellt.

Das aktuelle politische System basiert auf einer präsidialen Machtstruktur. Der gewählte Präsident hat weit reichende Befugnisse und stellt die Regierung selbst zusammen. Diese bestand bislang immer lediglich aus Mitgliedern des Wahlsiegers Frelimo. Diese Situation führt dazu, dass viele politisch interessierte Menschen sich nicht mehr mit dieser Partei identifizieren. Sie nehmen deshalb nicht aktiv am politischen, ökonomischen und sozialen Leben im Land teil. Deshalb kam es auch zu Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen der Renamo und der von der Frelimo gestellten Regierung mit zahlreichen Toten und Verletzten sowie einem sozial-wirtschaftlichem Schaden, der bislang nicht in Zahlen zu fassen ist.

Die staatliche Willkür und Unfähigkeit der Frelimo-Regierung zeigt sich vor allem in der Parteilichkeit des Staatsapparates, der sehr hohen Korruption, der eklatanten Ausnutzung von Staatseinnahmen für private Interessen und der ungerechten Verteilung von Reichtum ausschließlich zu Gunsten der Führungselite der Frelimo-Partei.

Obwohl in Mosambik noch keine aktive und selbstbestimmte Zivilgesellschaft existiert, die sich dieser sozialen Ungerechtigkeit entgegenstellt, haben sich mittlerweile alternative soziale Bewegungen entwickelt, die sich einem anderen, freieren und integrativeren Mosambik verschrieben haben. Diese Gruppierungen sind zum Teil noch sehr isoliert, genießen aber mittlerweile signifikante Unterstützung der städtischen Bevölkerung sowie der mosambikanischen Diaspora im Ausland. Sie bedienen sich der gängigen Social-Media-Plattformen zur Verbreitung der eigenen politischen Meinungen und zur Vergrößerung Ihres Unterstützer*innenkreises. Diese Bewegungen bestehen hauptsächlich aus jungen Mosambikaner*innen, die sich ideologisch nicht mit der traditionellen Parteienlandschaft im Land identifizieren und alternative Entwicklungswege für das Land suchen. Eine dieser Bewegungen ist „Wir verändern Mosambik!“, die mit vielen kleineren und größeren Aktionen des zivilen Ungehorsams versucht, neue Formen des politischen Protestes zu entwickeln.

Es wird Zeit, über den eigenen politischen Tellerrand zu schauen, um sich ein Bild von sozialen Kämpfen jenseits des linken Mainstreams zu machen.

Veranstaltung mit Mbongane Jasse von „Wir verändern Mosambik“.
Der Referent wohnt mit seiner Familie in Düsseldorf und hat in den letzten Jahren mehrfach Mosambik bereist.
In Zusammenarbeit mit STAY! Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative und IL- see red! Düsseldorf
Donnerstag, 30.10.2014 – 20 Uhr - STAY! Atelier, Hüttenstr. 150, Düsseldorf- Oberbilk
STAY! hat zusätzliche neue Räumlichkeiten auf der Hüttenstr. 150 angemietet. Im „Atelier“ im Hinterhof sollen zukünftig regelmäßig Veranstaltungen stattfinden.