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Rechte Hooligans im „Kampf gegen Salafisten“

3.000 bis 4.000 Personen, darunter viele Neonazis, nahmen am 26. Oktober an einer Demo der Gruppierung „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) in Köln teil, schon bald kam es zu Ausschreitungen, letztendlich endete die Veranstaltung in Gewaltexzessen und in Massenschlägereien mit der Polizei und Angriffen (nicht nur) auf Gegendemonstrant*innen. Unter anderem wurde auch ein China-Imbiss angegriffen. Die Aktion sollte das politische Anliegen der rechten Hooligans („gegen Salafisten“) in die Öffentlichkeit tragen.

Rechte Hooligans versuchen seit Anfang 2014 gezielt, salafistische Kundgebungen anzugreifen oder zu stören, nachdem sie sich über Facebook-Gruppen wie „Weil Deutsche sich`s noch trau`n“, „Hooligans für Deutschland“ oder „Gemeinsam sind wir stark“ virtuell vernetzt hatten. Bereits am 7. Februar 2014 waren Hools sowie Sympathisant*innen der „German Defence League“, die zwischenzeitlich auch über eine „Divison“ in Düsseldorf verfügt, gegen einen Auftritt des Salafisten-Predigers Pierre Vogel in Mönchengladbach aufmarschiert. Zugleich versuchen rechte Hools, antirassistisch orientierte Fans aus den Stadien zu verdrängen. Auch in Düsseldorf haben antirassistisch und antifaschistisch aktive Fußballfans immer wieder mit Problemen zu kämpfen, die nicht selten bis hin zu körperlichen Angriffen reichen.

Mitte Oktober 2014 gaben die HoGeSa die Herausbildung von Organisationsstrukturen bekannt, nachdem es zuvor zu Kämpfen um die Führung des Projekts gekommen war und sich die Initiatoren mehrfach über „Trittbrettfahrer“ beschwert hatten, um diese anschließend ins Abseits zu drängen. Bei einem Treffen des HoGeSa-„Orga-Teams“ am 12. Oktober wurden die Regionen Nord, West, Ost und Süd geschaffen, denen mit Ausnahme der Region Ost ein „Regionalleiter“ nebst „Stellvertreter“ zugeordnet wurde. Die für NRW zuständige Regionalleitung West wurde in die Hände des Herner Tättoo-Studio-Inhabers Andreas Kraul (alias „Kalle Grabowski“) und des „pro NRW“-Parteivorstandsmitglieds Dominik Roeseler als dessen Stellvertreter gelegt. Das Mönchengladbacher Stadtratsmitglied Roeseler, der auch die Demo in Köln und zuvor eine Aktion in Dortmund angemeldet hatte, wurde allerdings kurze Zeit später vom Präsidium seiner Partei zurückgepfiffen. „Pro NRW“ wertete eine „Zusammenarbeit mit Hooligans und anderen gewaltbereiten oder extremistischen Gruppierungen“ als parteischädigend. Roeseler beugte sich, zog sich aus seiner geplanten Funktion als Versammlungsleiter in Köln und als stellvertretender Regionalleiter zurück, blieb aber Anmelder der Demo und nahm auch teil, führte auch ein Megafon mit sich.

Der Zuspruch für die „Hooligans gegen Salafisten“ ist gerade vor dem Hintergrund des barbarischen Krieges des IS in Syrien und im Irak stark. Bei vielen Sympathisant*innen vermischt sich aber die Ablehnung des Salafismus und des IS mit pauschalisierenden Abgrenzungen gegen „den Islam“ und mit zuwanderungsfeindlichen Positionen sowie einem starken Nationalismus. An den bisher stattgefundenen Aktionen nahmen vorwiegend rechte Fußballfans und Hooligans sowie organisierte Neonazis und andere Akteure aus der extremen Rechten teil. „Es gibt immer rechte Leute irgendwie irgendwo darunter. Die sind einfach da, die kriegste auch nicht weg (…) Wir haben damit nichts zu tun. Wir verfolgen nicht deren Ideologie“, so „Kalle“ Kraul am 4.Oktober per Videobotschaft. Er erweckt damit den Eindruck, dass Neonazis bislang als unerwünschte Gäste teilgenommen hätten. Seiner Distanzierung widerspricht nicht nur die große Akzeptanz, die bei den Aktionen den anwesenden organisierten Neonazis entgegengebracht wurde, sondern ebenso, dass er bei seinem ersten TV-Interview in Essen ein T-Shirt mit einem Reichsadlermotiv der Marke „Erik and Sons“ trug. Bei Facebook postete Kraul eine schwarz-weiße-rote Fahne mit dem Slogan „Nationaler Widerstand“ und einen gegen Geflüchtete gerichteten Song eines Berliner Neonazi-Rappers. Kein Wunder also, dass es im Vorfeld der Kölner Demo keine Ansage an Neonazis gab, besser zuhause zu bleiben, da sie unerwünscht seien. Entsprechend zahlreich waren diese dann auch vertreten. Viele der Demonstrant*innen werden sich auf Dauer aber mit symbolischen Aktionen und Appellen an die Politik nicht zufriedengeben. Wo die Reise mit einem enorm hohen Gewaltpotenzial hingehen könnte, hat nicht nur die Köln-Demo gezeigt, sondern darauf hat die HoGeSa-Führung bereits zuvor hingewiesen: „Unsere friedliche Kundgebungen sind ein eindeutiges Signal an die Politik – HANDELT. Sollte sich die Politik weiterhin unfähig zeigen, das Thema Salafisten in Deutschland in den Griff zu bekommen, werden wir uns zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, ob und inwieweit wir als ‚Hooligans‘ aktiv werden.“ Dass es nicht „nur“ Salafisten sind, denen die aufgebaute Drohkulisse gilt, sondern alle, die den selbsternannten „Rettern Deutschlands“ nicht in den Kram passen, dürfte spätestens nach der Köln-Demo klar sein. Und auch ein Blick in die Facebook-Profile der zahlreichen Unterstützer*innen der HoGeSa spricht Bände. Ein „Wir werden Deutschland wieder zu dem Deutschland machen wie es unsere Vorfahren geliebt haben“ gehört hier noch nicht einmal zu den besonders auffälligen Negativbeispielen.

Der Text greift in weiten Teilen mit freundlicher Genehmigung auf Veröffentlichungen des Blogs „NRW Rechtsaußen“ der „LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen“ zurück (http://nrwrex.wordpress.com). In der aktuellen Ausgabe #57 der LOTTA wurde zudem eine umfangreiche Analyse über die HoGeSa veröffentlicht.


Montag, 01. Dezember, 19.30 Uhr
Zentrum Hinterhof, Corneliusstr. 108

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Rechte Hooligans im „Kampf gegen Salafisten“ – Ein Vortrag des Antirassistischen Bildungsforums Rheinland