neues vom arcaden-prinz

In seinem politischen Testament hatte Düsseldorfs 2008 verstorbener Oberbürgermeister Joachim Erwin seinen Nachruhm schon fest im Blick. Er trug seinen Anspruch auf Ehrung jedoch in der ihm eigenen Bescheidenheit vor. „Streitet euch nicht um eine Straße oder eine Hausnummer für mich!“, hielt er auf dem Schriftstück fest. Genau das aber geschieht jetzt. Die Familie will nicht, dass dem Verstorbenen in einer schlechten Gegend vor einem profanen Einkaufszentrum-Zweckbau gedacht wird. Deshalb lehnt sie das Bestreben der rot-grün-gelben Rathaus-Mehrheit ab, eine Grünfläche vor den Bilker Arcaden „Joachim-Erwin-Platz“ zu taufen. Die Angehörigen hätten es gerne etwas exquisiter und empfänden den Kö-Bogen als den geeigneteren Ort. Dabei wäre der alte OB in Bilk schon am rechten Platze. Er hat den Bau des Konsumtempels nämlich ohne Rücksicht auf Verluste vorangetrieben und seinen Nachvorderen damit viel Ärger eingehandelt. So mussten sie in schwierigen Verhandlungen mit dem Investor bzw. derem Nachfolger auf die Einhaltung der Zusage dringen, mit den Arcaden auch ausreichend Wohnungen zu errichten. Darum hatte die Initiative „Freiräume für Bewegung“ Joachim Erwin auch schon als „Der Arcaden-Prinz“ auf Öl verewigt und der Stadt das Bildnis umsonst vermachen wollen. Aber schon damals stieß das auf nicht eben viel Gegenliebe.

härtere zeiten im luxusghetto

„Der Vertrieb der Wohnungen läuft ganz hervorragend“, hieß es vor zwei Jahren noch von Seiten des Immobilien-Unternehmens Patricia über ihre Geschäfte im Belsenpark. Die damaligen Käufer*innen, welche die Objekte im Luxusbau-Viertel als Kapitalanlage erwarben, haben nun aber Schwierigkeiten, Mieter*innen zu finden. Für eine 290 Quadratmeter große „luxuriöse Traumwohnung in Hausgröße“ 5.800 Euro Miete im Monat zahlen, das kann eben nicht jede*r. Auch bescheidenere Geister, die sich mit drei Zimmern auf 120 Quadratmeter Fläche für 1.800 Euro zufriedengeben, hat der Immobilien-Scout bisher nicht gefunden. Die Goldgräber-Stimmung, in deren Folge an allen Ecken und Enden Düsseldorfs exquisite Wohnanlagen entstanden sind, hat zu einer Überhitzung des Marktes geführt. In besten Lagen sanken die Kaltmieten jüngst um 12 Prozent. Einige Bauherren wie beispielsweise Ralf Schmitz bleiben jedoch trotzdem optimistisch. Sie sehen nur die Katzengold-Projekte von der Flaute betroffen, nicht aber den wahren Luxus. „Viele neue, relativ teure Wohnungen in großen Anlagen, wo zig Wohnungen geballt zusammenstehen, sind keine Mangelware. Und die Kunden wissen ganz genau, wo die Grenzen von Oberkassel verlaufen“, sagte Schmitz in Anspielung auf den Belsenpark.

kommunalpolitiker sorgen sich um die „soziale marktwirtschaft“

Die lokalen Parteivorsitzenden von CDU, SPD, Grünen und FDP haben mit Datum vom 7. Oktober 2014 einen gemeinsamen Bittbrief an Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, gerichtet. Mit „großer Sorge“ würden sie die Diskussion um die Verlagerung der Sprinterproduktion von Düsseldorf „nach Übersee“ verfolgen (siehe Bericht in dieser Ausgabe): „Die soziale Marktwirtschaft ist und wird geprägt von der Idee, dass leistungsorientierter Wettbewerb auf dem Markt und unternehmerischer Erfolg zum Wohlstand der Menschen beitragen und sie an der wirtschaftlichen Prosperität teilhaben lassen.“ Offensichtlich sehen sie, dass „tragfähige Lösungen“ in dem Konflikt zwischen Maximalprofit und Arbeitsplatzsicherheit nicht genuiner Bestandteil der “sozialen Marktwirtschaft“ sind. Aber sie wollen Herrn Dr. Zetsche „jederzeit gerne für Gespräche zur Verfügung“ stehen. Es geht schließlich darum, „die weitere wirtschaftliche Erfolgsgeschichte von Daimler am Standort Düsseldorf zukunftsgerichtet gestalten zu können“.
Ähnlich devot hatte sich schon Oberbürgermeister Thomas Geisel geäußert. Der Mann mit dem E 300 Blue-Tec Hybrid-Dienstwagen von Mercedes (Nummernschild: D-US 2000) liebt bisweilen die leisen Töne. So fordert er den Konzernchef auf, die „Arbeitsplatzverluste so gering wie möglich zu halten.“ Die Verlagerung der Sprinter-Produktion für den amerikanischen Markt in die USA lasse sich allerdings „nur schwer verhindern“. Konkrete Zahlen sind dazu bei Geisel-Sprecher Dieter Schneider nicht zu finden.