„Das Ziel ist im Weg“

Handbuch zu emanzipatorischer Organisation und Praxis erschienen

Seit über 20 Jahren wird bekanntlich in der radikalen undogmatischen Linken die Organisierung propagiert. Herausgekommen ist meist nur die übliche autonome Kampagnenpolitik – bloß mit einer besseren Begründung. Die vielzitierte soziale Verankerung im Alltag und im Stadtteil, und erst recht eine Politisierung der eigenen Existenzsicherung ist immer noch Mangelware.

Zur Organisierung gehört Verbindlichkeit und auch eine gewisse Professionalität. Beides lässt sich lernen, und es sollte auch gelernt werden, so die These der anonymen Autor*innen-AG (post)autonome Handlungsweisen. Entlang eines rückgekoppelten Phasenmodells von Ziel – Wege – Unterstützung/Kooperation und – (Reflektion der) Probleme spannen die Autor*innen einen weiten Bogen. Sie beschreiben das Arbeiten in Gruppen, und wie dort Entscheidungen auf eine gute Weise zustande kommen. Dazu gehört auch die interne, nichtöffentliche Kommunikation. Die Autor*innen plädieren sympathischerweise für größtmögliche Transparenz, auch für Arbeitsteilung und vor allem für aktives Skillsharing, also das Weitervermitteln und Teilen von Kompetenzen. Genauso wichtig ist die Wirkung nach außen, also Pressearbeit, Infostand, Website, Demonstrationen und Kommunikationsguerilla. Bemerkungen zu Repression und zu Bündnisarbeit schließen den Band ab. Einige Themen, die auch wichtig wären, wie etwa Verschlüsselung, werden leider nur gestreift, während informelle Hierarchien, Leistungsdruck und Burnout-Prävention breiter untersucht und diskutiert werden.

Aus dem alten Dilemma der Autonomen, dass ihre Strategie „für ein selbstbestimmtes Leben einzustehen“ und „die eigenen Interessen eigenmächtig und selbstverantwortlich zu vertreten“ (im Buch S. 39), ebenfalls in die Philosophie des Neoliberalismus passt, zeigt auch dieses Buch keinen Ausweg. Muss es aber auch nicht. Nach der Lektüre ist allerdings klar, dass sich jeder und jede schon auch selbst emanzipieren muss, und wo die Unterschiede zwischen antiautoritären und den anderen Gruppen oder gar Parteien liegen. Dieses wirklich preiswerte und im seit 1990 aktiven, linksradikalen UNRAST-Verlag aus Münster erschienene Buch ist ein sehr nützliches Hilfsmittel.

AG (post)autonome Handlungsweisen:
Organisation & Praxis. Ein politisches Handbuch.
198 S., 9,80 EUR, Münster (UNRAST) 2014