Rheinmetall feierte ohne Hakenkreuze

Der Rüstungskonzern Rheinmetall AG feierte dieser Tage Geburtstag: 125 Jahre Rüstungsproduktion. Bei der Festveranstaltung in „geschlossener Gesellschaft“ – mit dem neuen Cheflobbyisten Dirk Niebel (FDP) – in der Halle 6 der Düsseldorfer Messe gab es badischen Rosé-Sekt, kleine Häppchen und als Augenschmaus den Schützenpanzer „Puma“. Rheinmetall-Vorstandsvorsitzender Armin Papperger konnte nach Angaben eines Gastes zufrieden feststellen: „Es hat keiner Farbbeutel geschmissen.“

Bei dem multimedialen Rückblick in die Konzerngeschichte musste lange nach den Verbindungen zwischen Rheinmetall und Nazizeit gesucht werden. Hinweise auf Kriegsverbrechen, Zwangsarbeiter*innen, auf Hitlers Rüstungsplanung wären vielleicht als Kollateralschäden dieses Festaktes registriert worden.

Die anwesenden SPD-Politiker waren in einem Zwiespalt: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der nicht gekommen war, hatte unlängst das 123-Millionen-Euro-Geschäft zwischen Rheinmetall und Russland für ein Gefechts­übungszentrum ausgebremst. NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD), der zuvor DGB-Landesvorsitzender war, erfreute dagegen die Festgäste: „Wehrtechnik ist wichtig, und wir werden sie nicht diskriminieren lassen.“ Oder: „Sie produzieren nicht für den Tod, sondern für das Leben.“ Aus dem Sponsoring des Rüstungskonzerns wird bei Schneider ein „Beispiel für das Funktionieren der Zivilgesellschaft“. Es liegen keine Angaben darüber vor, ob das Anzeigengeschäft der Westdeutschen Zeitung, die diese Zitate dankenswerterweise veröffentlichte, anschließend noch weiter rückläufig einzuschätzen ist.

Dankbarkeit soll auch der neue Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) zu erkennen gegeben haben: Quartiersentwicklung auf ehemaligem Fabrikgelände und kulturelles Engagement werden gelobt.

Nach der Feier hat Papperger dann in der Süddeutschen Zeitung wieder Klartext gesprochen: „Alle großen Rüstungsunternehmen prüfen, ob sie auf Dauer im Lande bleiben können.“ In den USA oder in der Schweiz ließe sich leichter produzieren und auch exportieren. Es geht um 25.000 Beschäftigte, die rund fünf Milliarden Umsatz machen.

Zum Schluss der Feier wurde dann PR-verträglich geschossen. Nicht vom „Puma“, sondern bei dem Geburtstagsfeuerwerk. Über eingeladene Arbeiter*innen, um deren Arbeitsplätze es ja ständig geht, gab es von Rheinmetall keine Angaben.