Sprinter auf und davon?

Der Mercedes-Benz Sprinter läuft weltweit an der Spitze, und im Düsseldorfer Werk bedroht der Daimler-Konzern 1.200 von 6.500 Arbeitsplätzen.

Der „Sprinter“ hat auf dem US-Markt einen so hervorragenden Ruf und so grandiose Verkaufszahlen, dass dort in vergangenen Jahr rund 25.000 von 150.000 neuen Fahrzeigen verkauft wurden. Gebaut wurden sie in Düsseldorf. Bedingt durch die US-Zollgesetzgebung für Importe (25 Prozent auf Nutzfahrzeuge), wurden alle zu exportierenden Sprinter nicht „im Stück“ verschifft, sondern in ihre Einzelteile zerlegt, zollfrei eingeführt und im Werk Ladson bei Charleston (South Carolina) wieder zusammenmontiert.

Die Konzernleitung ist auf Kostenminimierung aus: Die Produktion in den USA würde Transportkosten vermindern und die „zweite Montage“ ersparen. Dadurch wiederum würden in Düsseldorf etwa 1.200 Arbeitsplätze vernichtet. Andere Einschätzungen gehen von 1.800 Arbeitsplätzen aus. Im Gespräch ist die Streichung der kompletten Nachtschicht. Betriebsbedingte Kündigungen sind gemäß der Betriebsvereinbarung bis 2016 ausgeschlossen. Bis 2016 wird in Düsseldorf auf den Bändern von Mercedes auch der „Crafter“ von VW gebaut. In etwa vier bis fünf Jahren soll der „Sprinter“ in neuer Generation produziert werden.

IG Metall-Geschäftsführer Nihat Öztürk verweist gegenüber der Rheinischen Post auf die Kapital-Strategie: Erst habe man in Deutschland die Profite erwirtschaftet, mit denen die Expansion in andere Märkte ermöglicht worden sei, jetzt wolle man in Deutschland Arbeitsplätze abbauen. Öztürk fürchtet, dass dieses Modell in der Automobilindustrie Nachahmer finden könnte: „Das hätte Signalwirkung über NRW hinaus.“

Noch vor Ende der mehrstündigen Betriebsversammlung im „Sprinter“-Werk an der Rather Straße, an der 4000 Kolleginnen und Kollegen die Sicherung ihrer Arbeitsplätze einforderten, hatte die DKP Düsseldorf ihr Solidaritätsschreiben aufgesetzt. Kernforderung: „Keine Verlagerung von hochqualifizierten Düsseldorfer Arbeitsplätzen in die USA!“

In dem Schreiben an den Betriebsratsvorsitzenden Thomas Weilbier und Nihat Öztürk, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Düssldorf-Neuss, forderte auch die DKP, „die 6.500 Arbeitsplätze im Werk Düsseldorf vollständig zu sichern und einen in der Diskussion stehenden Job-Abbau von prognostizierten 1.200 Arbeitsplätzen zu verhindern.“

Die DKP skizzierte das Bedrohungsszenario: „Die von der Unternehmensleitung avisierte Kostenminimierung durch den Wegfall der Nachtschicht macht betriebswirtschaftlich nur Sinn, wenn die Produktionszahlen minimiert und die Arbeitsplätze der Nachtschicht weitgehend gestrichen werden. Das aber ist nicht im Interesse der Kolleginnen und Kollegen.“

Für die DKP geht es nicht nur um die Sicherung der Arbeitsplätze. Es geht auch um gesicherte Einkommen und gesicherte Kaufkraft: Mieten müssen weiter bezahlt werden, die Banken wollen die Kreditrückzahlung für Auto und Häuschen sehen. Am Ende droht, dass der Gerichtsvollzieher der schnellste Sprinter ist. Das muss gemeinsam verhindert werden.

Uwe Koopmann