„Ihr seid nicht das Volk – ihr seid doof!“

Einen Fortsetzungsroman wollte die TERZ eigentlich nicht daraus werden lassen. Doch seit Dezember 2014 finden auch in Düsseldorf sogenannte „Abendspaziergänge“ der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, so idiotisch wie in der Langfassung: kurz „PEGIDA“, statt. Und weil neben allerlei nervigen Entwicklungen, kruden Gestalten, dumpfen Parolen und absurden Forderungen von der lokalen Spielart „DÜGIDA“ – („Düsseldorf gegen die Islamisierung des Abendlandes“) auch so manche Lachnummer dabei ist, schreibt die TERZ jetzt eben doch eine Chronik, die die Welt nicht braucht: Denn ohne Euch Dügidas is’ schöner hier!

Was bisher geschah: Alex und Angela verirrten sich im Wald

Noch für den zweiten „DÜGIDA-Abendspaziergang“, der Anfang Januar 2015 rund um den Landtag hätte stattfinden sollen, sah es so aus, als würde es sich um den schnöden zweiten Aufguss des Grusel-Events selber Bauart handeln, der bereits im Dezember 2014 das PEGIDA-Konzept nach Düsseldorf zu importieren versucht hatte. Damals hatte der Düsseldorfer Rechtsanwalt Alexander Heumann, AfD-Rechtsaußen und Mitbegründer der hiesigen AfD-angelehnten „Patriotischen Plattform“ den Organisations-August gegeben. Sein Redebeitrag war auch in seiner inhaltlichen Schlichtheit im schnell-lebigen Medienrauschen rasch schon beinahe legendär und schaffte es sogar bis in die satirische „Heute-Show“ und in überregionale Zeitungen. So wetterte Heumann z.B. in AfD-bekannter antifeministischer Manier gegen „Genderismus“ und „Radikalfeministinnen“, denen es zu verdanken sei, dass in heutigen Schulen „Porno statt Adorno“ oder „Rudelfick statt Physik“ auf dem Lehrplan stünden. Zum Fremdschämen schlecht, gesprochen mit schwerer Zunge (gehört „Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils“ vielleicht auch zu den Maximen abendländischer Kultur?) und mit entsprechend tatkräftiger Unterstützung seiner Souffleuse Angela Heumann (wie ihr Ehemann Mitspielerin in der „Patriotischen Plattform“). Kaum verwunderlich, dass die gesamte Veranstaltung im Dezember nur wenig dazu angetan war, als leuchtendes Beispiel für eine gelungene Mobilisierung und einen würdigen „patriotischen“ Ausdruck in die PEGIDA-Geschichte einzugehen.

Den Rückzug aus der Organisation künftiger DÜGIDA-Veranstaltungen traten Alexander und Angela Heumann jedoch nicht wegen ihres verpatzten Auftrittes und der doch sehr übersichtlichen Beteiligung von gleichgesinnten Spaziergänger*innen an. Noch vor Jahreswechsel vermeldete Heumann per Presseerklärung, dass weder er noch seine Frau den für den 12. Januar geplanten zweiten „Abendspaziergang“ weiterhin organisieren würden. Grund: Melanie Dittmer. Die Mitorganisatorin von PEGIDA NRW hatte sich nämlich nicht entblödet, „Spiegel TV“ im Dezember 2014 in die Kamera zu sprechen, dass es für sie „völlig unerheblich“ sei, ob es den Holocaust gegeben habe oder nicht. Ganz abgesehen davon, dass der Magazin-Sender in seinem Porträt der „Köpfe hinter Pegida“ ausführlich über Dittmers extrem rechte Biographie berichtete (so wie zuvor LOTTA # 57 im November 2014).

Damit war für die Heumanns offenbar eine Grenze überschritten. Denn mit Holocaust-Leugnung und Neonazi-Karrieren lässt sich Rattenfängerei nur schwerlich erfolgreich betreiben, wenn die Werbebotschaft eigentlich ein bürgerliches Image transportieren soll. Dass Dittmer nicht wie gewünscht sogleich von der PEGIDA-Struktur auf’s Abstellgleis bugsiert wurde, nahmen die Heumanns nach eigener Angabe also zum Anlass, DÜGIDA den Rücken zu kehren. Am 29. Dezember schrieb Rechtsanwalt Alexander Heumann in seiner Presseerklärung: „Vor diesem Hintergrund – und nicht etwa aufgrund diverser Einschüchterungsversuche und Drohungen seitens der sog. Antifa – nehme ich per sofort und bis auf Weiteres in aller Form von einer weiteren Mitverantwortung für Versammlungen in NRW, die unter einem solchen Unstern stehen, Abstand.“ Huch, wie war das im Mittelteil? Antifa? Nein, natürlich hatte der öffentliche Hausbesuch vor Heumanns Büro in der Düsseldorfer Innenstadt ebenso wenig Einfluss auf seine Entscheidung wie die Verschönerungsaktion ebendort (TERZ 01.15). Das muss man ja mal so stehen lassen können! Druckresistenz sieht jedenfalls anders aus.

Da sich die Heumanns offenbar gegen die Mitorganisator*innen der (noch) offiziell zu PEGIDA zugehörigen DÜGIDA-Runde nicht damit durchsetzen konnten, sich von Dittmer zu trennen, meldete Angela Heumann den für den 12. Januar 2015 geplanten „Abendspaziergang“ kurzerhand wieder ab. Zwischen extrem rechten Zielen und Akteur*innen, vor lauter Deutschland-Fähnchen und internen Konkurrenz-Ränken haben die Heumanns offenbar ein wenig die Orientierung und den Rückhalt verloren. Der deutsche Eichen-Wald ist aber auch verflixt kompliziert.

„Klein Melli“ und die starken Männer?

Und Dittmer sprang in die Bresche. Mit den bekannten Folgen. Denn seit dem 12. Januar 2015 beglückt uns „Klein Melli“, wie sie sich selbst auf Facebook in der dritten Person Singular nennt, im Alleingang und ohne das offizielle Mandat von PEGIDA mit wöchentlichen Nazi-Aufmärschen rund um den Düsseldorfer Hauptbahnhof. Ohne die AfD-Heumanns, die sich in der Zwischenzeit vermutlich wieder zaghaft für den ‚offiziellen‘ PEGIDA-Ableger „Pegida NRW Region Düsseldorf/Köln“ engagieren, hat DÜGIDA – mittlerweile ohne das offizielle Label, eine PEGIDA-Organisation zu sein – allerdings die Hosen runtergelassen: der vermeintlich bürgerliche Lack ist ab, mit DÜGIDAs Spaziergängen hat Düsseldorf einen waschechten Nazi-Aufmarsch an der Backe.

Das zeigten die letzten beiden Montage. Als Teilnehmer*innen der „DÜGIDA“-Veranstaltungen fanden sich überwiegend Anhänger*innen und Mitglieder aus dem Spektrum von NPD, ProNRW und Die Rechte zum „Abendspaziergang“ ein, unter ihnen lokale Partei-‚Größen‘ und kleine Lichter. Wenig Licht im Hirnstübchen („Ahu“) haben traditionsgemäß die Hooligans und üblichen Köpfe aus dem militanten Neonazi-Spektrum, die am 12. Januar ebenfalls – vorwiegend aus Dortmund – angereist waren. Und die mit ihrem zärtlich-patriotischen Auftreten für die entsprechend „friedliche“ Stimmung sorgten, die DÜGIDA wie ihre ‚offiziellen‘ und weiteren inoffiziellen Schwestern (etwa die ebenfalls von Dittmer angemeldeten mittwöchlichen KÖGIDA-Aufmarschversuche in Köln) so gerne verbreiten möchten. Heißt es doch auf der DÜGIDA-Facebook-Seite so präzise wie überpointiert: „Wir zeigen FRIEDLICH, dass wir mit dem aktuellen politischen Handeln nicht zufrieden sind.“ Gut, dass einzelne Wörter in Majuskeln geschrieben sind, mensch könnte sie fast überlesen ...

„Wir kriegen Euch alle“ ist dann auch nicht mehr länger eine der Parolen, die Melanie Dittmer auf den kommenden „Spaziergängen“ hören möchte. Aus Erfahrung wird mensch klug? Für Montag, den 26. Januar – wieder ein Abend mit „Klein Melli“ und ihren starken Männern –, hat Dittmer schon ein paar Ideen gesammelt, wie sich „Abendland“ so anhören könnte. Ihre Verhaltensanregungen hierzu via Facebook: „Wir sind das Volk und das wollen wir auch artikulieren. Dazu gehören auch ‚Sprechchöre‘ – keine Frage. Allerdings sind wir eine überparteiliche und bürgerliche Protesform [sic!] der Mitte und keine Hooligan-Veranstaltung. [...] Sprechchöre wie „wir sind hier, wir sind da – HoGeSa“ oder „damals wie heute – HoGeSa-Leute“ oder „linkes Gezeter – 9 Millimeter“ sind völlig deplaziert [sic!] und nicht Teil der DÜGIDA-Bewegung.“

Nicht? Was denn dann?

„Klein Melli“ hat eine friedliche Idee: „Unser Vorschlag: „Wir sind das Volk“ oder „wer hat uns verraten – Sozialdemokraten ... und wer schaut zu – die CDU“ oder „Deutschland, Deutschland“ lassen sich auch wunderbar in den Düsseldorfer Strassen [sic!] rufen.“ Und weiter gibt Dittmer prompt ein paar Leinen-Meter für diejenigen, die mit historischem Liedgut und deren Anleihen nichts mehr anzufangen wissen, hinterher: „An den Stellen, wo die linksetreme [sic!] Antifa auf uns wartet, passt der Spruch mit „Antifa – Hürensöhne“ [sic!] natürlich, aber bitte nicht permanent und dauerhaft.“ Abgesehen davon, dass hier und da ein Konsonant fehlt und die Deutschstunde zu korrekten Anführungszeichen offenbar auch kaum Spuren hinterlassen hat: Bravo, Melli – sehr anregend und nahezu ‚stufenlos regelbar‘, dieser pädagogische Ansatz! Und erprobt ist er auch schon. Denn helfend griff DÜGIDA-Dittmer ja auch bereits am 12. und 19. Januar jenen unter die Arme, die zwar singen wollten, aber nicht konnten: Für ganz Vergessliche stellte sie zum Absingen des Deutschlandliedes Spickzettel zur Verfügung – die dritte Strophe sollte dann aber künftig wirklich kein Problem mehr sein, liebe Dügidas!

„1. Abschaffung der GEZ-Gebühren“

Ob indes zu den kommenden DÜGIDA-Spaziergängen wieder ein wenig mehr sangesfreudige Teilnehmer*innen kommen werden, wird sich erst erweisen müssen. Vom 12. auf den 19. Januar hat Melanie Dittmer die Hälfte ihrer Dügidas verloren. Vor allem die Dortmunder Nazis und Ruhrpott-Hooligans dürften sich am 19. Januar dem zeitgleich stattfindenden „Spaziergang“ unter dem (vor allem in der Aussprache ‚unverwechselbaren‘) Label „DUIGIDA“ in Duisburg angeschlossen haben. Eine Konkurrenzveranstaltung nur wenige Dutzend Kilometer von der Landeshauptstadt Düsseldorf entfernt? Freilich. Denn DUIGIDA wird organisiert von Sebastian Nobile, vormals wie Dittmer Pro-NRW-Mitglied und ehemaliger Aktivist der German Defense League. Dittmer und Nobile gehen seit dem Reinfall von KÖGIDA am 5.1.2015 (KÖGIDA kam wegen der Gegenproteste nicht vom Fleck) getrennte Wege. Angesichts von Misserfolgen hackt die eine Krähe der anderen wohl doch die Augen aus.

DUIGIDA lockt aber wohl vor allem gerade die militante Neonaziszene verstärkt nach Duisburg, weil hier das Aufmarsch-Erlebnis deutlich attraktiver zu sein scheint. Für militante Neonazis spielt es womöglich doch eine Rolle, welche Parolen sie aus wievielen Kehlen grölen können oder ob die ‚Masse‘ eher Kirchenchor-Stärke hat und lahme Hymnen vom Blatt ablesen muss, um sich in einer verordneten „Spaziergang“-Ästhetik und -Choreo­graphie zurechtzufinden. Und da sage eineR, Nazis hätten keinen Eigensinn. Und auch der Forderungskatalog, den „Klein Mellis“ DÜGIDA am 22. Januar in Anlehnung an das „19-Punkte-Programm“ von PEGIDA aufgestellt hat, dürfte wenig zur Vereindeutlichung der Bewegung beitragen. Von „Abschaffung der GEZ-Gebühren“ über „Wiedereinführung der Wehrpflicht“ bis zum Verbot von „Halal-Schlachtungen in Deutschland“ bietet der Kramladen der Bewegung ein vermeintliches Kraut- und Rüben an. Wenn sich Melanie Dittmer mit einer – wiederum auf den ersten Blick in all ihrer vordergründigen Einfalt beinahe amüsanten – Bezugnahme auf die Opfer der „Trümmerfrauen“ (ja, der „Trümmerfrauen“!) dann aber auch noch in Geschichtspolitik von NS-Opferkult bis DDR-Staatsgründungsmythos übt, scheint vielleicht doch noch so etwas wie ein Konzept durch die spärlich beleuchteten Oberstübchen zu irrlichtern. Heißt es doch am 14. Januar auf DÜGIDAs-Facebook-Seite so bizarr überraschend wie irritierend altbekannt: „Auferstanden aus Ruinen. Unsere Mütter und Großmütter bauten unser Land mit ihrer Hände Arbeit wieder auf. Auch für sie, unsere deutschen Trümmerfrauen gehen wir Montag für Montag auf die Straße“.

Und auf einmal erinnert das Potpourri an Themen und kruden Schlaglichtern aus dem Werkzeugkasten des Rechtspopulismus doch merkwürdig an die Versatzstücke der traditionell extrem rechten Agenda: Hass auf alle nicht „Deutschen“, Rassismus und Xenophobie, völkische, heteronormative Familien- und Geschlechterbilder, das Spiel mit Abstiegsängsten und Strukturen der Ungleichheit, gepaart mit dem Bedrohungsszenario ethnischer, religiöser und kultureller „Überfremdung“ und dem Opfer-Duktus der Unverstandenen, Unterdrückten. Und auf einmal ist das alles überhaupt nicht mehr lustig, wenn es vor uns auf der Straße steht.

Düsseldorf stellt sich quer – kein Fußbreit dem Rassismus

Die Ängste, auf die PEGIDA wie DÜGIDA und Co. setzen, sind irrational. Angesichts dieser Flut von Dummheit, Nazismus, Verachtung, rassistischer Ausgrenzung und (struktureller) Gewalt gegen Menschen, die nicht in ein PEGIDA-/DÜGIDA-/SONSTWODA-Schema vom „europäischen Abendland“ passen können oder wollen, mag uns vorübergehend der Humor abhanden kommen. Aber nur vorübergehend. Denn die letzten Wochen haben gezeigt, dass in Düsseldorf viele, viele Menschen zusammenkommen, die eine gemeinsame Sprache gegen jede Form von Rassismus und Nazismus finden. Und das sehr real: Schon im Dezember hatte ein linkes Bündnis zu Gegenprotesten am Johannes-Rau-Platz aufgerufen und den „Spaziergang“ durch Blockaden und Protest in Sicht- und Hörweite empfindlich gestört (TERZ 01.15). Das hat sicher nicht ganz unwesentlich dazu beigetragen, dass das damalige DÜGIDA-Gedöns unter der federführenden Organisation von Heumann & Heumann so lächerlich ausgesehen hat, dass es sogar im Satire-Fernsehprogramm gelandet ist (erinnert sei an den „Journalisten“ von „Russia Today“, dem Mitarbeiter eines fiktiven russischen Senders, der im Phantasie-Akzent den Teilnehmer*innen des DÜGIDA-Aufzuges die aberwitzigsten Aussagen entlockte, etwa: „Ein radikaler Islamist ist hundert mal schlimmer als ein ganzes Stadion voll Homosexuellen“ [sic!]).

Im Januar hat der DÜGIDA-Aufmarsch nur unter dem ‚Schutz‘ von massivem Polizei-Aufgebot überhaupt stattfinden können. Hätte die Polizei-Leitung Route und Zuweg-Schneisen nicht für die Neonazis, Rechtspopulist*innen und einzelnen DÜGIDA-Teilnehmer*innen aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft frei-gegittert, wären deren Aufmarschplätze schon durch die schiere Zahl der Gegendemonstrant*innen geflutet worden. Am 12.1.2015 kamen über 5.000 Menschen rund um den Hauptbahnhof zusammen, um etwa bei der Kundgebung des Bündnisses des Düsseldorfer Appells gegen DÜGDIA zu protestieren oder sich zusammen mit dem linken Bündnis „Düsseldorf stellt sich quer – kein Fußbreit dem Rassismus“ lautstark und kreativ in den Weg zu stellen. „Ihr seid nicht das Volk – ihr seid doof!“ oder „100% Dittmers Valensina – 100% hohle Früchte“ (sorry, Onkel Dittmeyer, Du hast damit nichts zu tun!) sind nur zwei der Statements, mit denen sich Dittmer und die wilden 120 (zuletzt DÜGIDA-Teilnehmer*innenzahl am 19.1.2015) hatten freiwillig und ohne Not verhöhnen lassen. Ganz zu schweigen von „Ihr seid so lächerlich“!

Auch am 26.1.2015 werden Polizeipräsident Norbert Wesseler und ggf. die 18. Kammer des Oberverwaltungsgerichtes Düsseldorf (bekannt als verantwortliche Instanz für die Schikanen des Geflüchteten-Protestcamps am Johannes-Rau-Platz in 2012) das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit auch für Nazis wieder mit mehreren Tausend Polizist*innen und einigen Kilometern Absperrgittern möglich machen wollen.* Aber das Bündnis „Düsseldorf stellt sich quer“ (DSSQ) wird auch wieder da sein, und mit verschiedenen Aktionen seinen Protest und seinen Widerstand gegen dieses magere „Wir“ von „Wir sind das Volk“ auf die Straßen tragen. Fahrrad-Demo, Pfeifkonzerte, Hüpfen gegen DÜGIDA, Kundgebungen von türkischen und kurdischen Düsseldorferinnen und Düsseldorfern, organisierte Proteste des Christopher-Street-Day-Vereins, gewaltfreie Aktionen zivilen Ungehorsams: das sind die steten Tropfen, die Absperrgitter wegräumen und auch einer Melanie Dittmer gehörig auf die Nerven gehen werden.

Der Düsseldorfer Appell, der drei Mal mit seinen vergleichsweise kurzen Kundgebungen abseits der DÜGIDA-Route viele Düsseldorfer*innen auf die Straße rufen konnte, hat nun seine Überzeugung, dass auch ‚nur‘ wenige Nazis die Straßen Düsseldorfs nicht ungestört für sich in Anspruch nehmen dürften, zwischenzeitig aufgegebenen. Noch am 17.1.2015 zitierte die BILD-Zeitung Volker Neupert, Mastermind des Appells, im O-Ton: Die „bürgerliche Gesellschaft“ könne „auch künftig nicht zulassen, dass Rechtsextreme unkommentiert durch die Stadt ziehen“. Der Düsseldorfer Appell verzichtet nun aber nach dem 19. Januar vorerst auf weitere Proteste, zusammen mit seinen Bündnispartner*innen unter einem gemeinsamen Dach. In den „Anmerkungen zu unseren drei Kundgebungen gegen Dügida vom 8.12 bis 19.1“ heißt es nunmehr seitens des Appells: „Man muss nicht jeden Montag auf die Straße gehen, um zu demonstrieren, dass wir jeden Tag für die Ideale der Gerechtigkeit und Toleranz eintreten“. Nun, der Düsseldorfer Appell wird sich an seinen eigenen Worten messen lassen müssen. Das Argument, Aufmerksamkeit erst durch Protest zu erzeugen, ist eine starke Position. Sehenden Auges kann ein „Bürgerfest im kommenden Mai auf dem Rathausplatz“, wie der Appell es in Reaktion auf die letzten Wochen projektiert, aber kaum eine Lösung dafür sein, dass im Januar die Nazis marschieren! „Kein Fußbreit“ ist die einzige Antwort. Heute, morgen, übermorgen, nächsten Montag und auch in einer Woche. Wenn wir es ernst meinen mit „Respekt“ – und: mit „Mut“. Vor allem: mit Mut!

Und den haben wir. Und ja, ein Montag mit Freund*innen, mit der Familie, mit Menschen, die wir mögen, wäre schöner. Trotzdem und jetzt erst recht: „Düsseldorf stellt sich quer“ (DSSQ) wird so lange auf die Straße gehen gegen DÜGIDA und alle, die in deren Fahrwasser als Nazi-Wolf im Bürger*innen-Schafspelz daherkommen, bis sie zum letzten Mal dort verschwinden, wohin die Düsseldorfer Polizei sie seit Januar an jedem Montag ‚nach Hause‘ lotst: durch den Versorgungstunnel unter dem Hauptbahnhof. Sieg nach Punkten!

Die TERZ dokumentiert den zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses aktuellen Newsletter von DSSQ über die Geflüchteten-Initiative Stay! als Teil des Düsseldorfer Bündnisses DSSQ (veröffentlicht am 24. Januar 2015 als letztes Update vor Drucklegung):

„Auch am kommenden Montag [dem 26.01.2015, die Red.] werden sich unter der Leitung der „Pro NRW“-Aktivistin Melanie Dittmer extreme Rechte und Neonazis in Düsseldorf versammeln, um unter dem Label „DÜGIDA“ gegen Flüchtlinge, Muslime und Migrant_innen zu hetzen. Wir rufen als Teil des Bündnisses „Düsseldorf stellt sich quer – Kein Fußbreit dem Rassismus“ weiterhin dazu auf, sich dem braunen Treiben entgegenzustellen. Das Bündnis wächst stetig: Von antirassistischen Initiativen und Fußballfans gegen Rechts, über Gewerkschafter_innen, und Vereinigungen von Migrant_innen bis hin zum AstA der Fachhochschule und verschiedenen Parteien herrscht ein breiter Konsens, dass Rassismus in dieser Stadt nicht geduldet wird.

Wir bitten auch Sie und Euch weiterhin an den Protesten teilzunehmen – bis Melanie Dittmer ihre Ankündigung, jeden Montag bis Ende des Jahres demonstrieren zu wollen, rückgängig macht. [...]“

Weitere Informationen zu DSSQ unter www.duesseldorf-stellt-sich-quer.de und über Facebook: www.facebook.com/duesseldorfstelltsichquer

* I don’t like Mondays! Redaktionsschluss der TERZ lag vor dem 26.1.2015. Die Redaktion sagt: Alerta! – No Nazis – Refugees Welcome! .. und ist dabei bei Protest und Widerstand: Kein Fußbreit dem Faschismus!