FFT Proudly Presents

Trias

Herzergreifende Leidenschaft von Figur, Bewegung und Klang

Das „Theater der Klänge“ beglückte mit der Premiere von„Trias“, seiner Neuinterpretation von Oskars Schlemmers „Triadisches Ballett“, am 14.1.2015 das FFT Düsseldorf (Forum Freies Theater Düsseldorf) und zahlreiche Zuschauer*innen.

„Das triadische Ballett“ von Oskar Schlemmer lässt sich am besten mit seinen eigenen Worten beschreiben: „Das triadische Ballett wird keine Weltanschauung tanzen, was niemand hindern soll, eine solche darin zu finden. Es wird vielmehr reine Lust am Fabulieren sein, ein Fest in Form und Farbe.“ Der Maler und Bildhauer Schlemmer beschäftigte sich viel mit der Wechselwirkung von Figur und Raum. Er hatte ein Interesse, Skulpturen zum Tanzen zu bringen. Deswegen schuf er mit dem Tänzer Albert Burger und der Tänzerin Elsa Hötzel binnen fünf Jahren in Stuttgart ein experimentelles Ballett, das sich aus zwölf Tänzen und 18 Figurinen zusammensetzt. „Das triadische Ballett“ hatte seine Uraufführung am 30. September 1922 am Württembergischen Landestheater und verkörperte dort einen choreografischen Komplex aus Bewegung und Musik, das sich in dreifacher Ordnung von Raum (Höhe, Breite, Tiefe), Form (Kreis, Quadrat, Dreieck), Farbe (Rot, Gelb, Blau) und drei Tänzer*innen ausdrückte. Da Anfang des Jahres 2014 das Urheberrecht des Bauhauskünstlers Schlemmers erloschen ist und so keine Streitereien mehr mit den Erben zu befürchten sind, machte sich nun auch das Ensemble „Theater der Klänge“ an eine Neuinterpretation des „Triadischen Balletts“.

Das freie Ensemble „Theater der Klänge“ hat sich 1987 in Düsseldorf gebildet und versteht sich als Musik- und Tanztheater, welches mehrdimensionale Bühnenformen entwickelt. Bereits in ihrer ersten Produktion beschäftigte es sich mit dem „mechanischen Ballett“, nach Kurt Schmidt und Georg Teltscher von 1923. 1993 widmete sich das freie Ensemble erneut der Bauhausbühne, indem sie Theorien und Formprinzipien Schlemmers in ihre Produktion „Figur und Klang im Raum“ integrieren. Mit „Trias“ möchte das „Theater der Klänge“ ihre Bauhaus-Serie nun abschließen.

Ihre Produktion „Trias – Das triadische Ballett“ interpretiert Schlemmers Kostümkreation als eine Erweiterung von Ballettkostümen und Bühnenfiguren. Dabei konzentriert sich „Trias“ auf das Ausbrechen der körperlichen, musikalischen Aktion im Musik- und Tanztheater. Und bringt somit, neben der Bauhauskunst, das Clowneske und das Karnevalistische in Schlemmers Ballett zum Ausdruck. Die Inszenierung beinhaltet die Abfolge der Szenen 1 bis 12 und die dazugehörigen Figurinen, die dem Originalformplan von Schlemmers Uraufführung entsprechen. So lassen sich in der Inszenierung der Rundrock (Phaedra Pisimisi), Taucher (Kai Bettermann), die Goldkugeln (Elisa Marschall und Darwin Diaz) oder die weiße Tänzerin (Elisa Marschall) und der weiße Tänzer (Darwin Diaz) wiederfinden. In „Trias“ thematisieren alle zwölf Szenen die Entfremdung des Menschen in der industrialisierten Welt, indem neue geometrische Figuren in mechanischer oder stark expressiver Form tanzen. Beispielsweise spielen in der dritten Szene der Zylindermann (Darwin Diaz) und die Glockenpuppe (Elisa Marschall) eine Art von Uhrwerk-Glockenspiel. Mechanisch und wie am Fließband tanzen sie nebeneinander her. Der Auftritt der weißen Tänzerin (Elisa Marschall), die die Rosa-Phase einleitet, ist der Höhepunkt des Balletts. Hier trifft klassische Ballettkunst auf modernen Tanz und schafft, vereint mit der Live gespielten Musik (Oliver Eltinger, Thomas Wansing und Beate Wolff) ein herzergreifendes Bild von Bewegung und Klang. Auch die Geschichte von der weißen Tänzerin und dem weißen Tänzer, berührt zutiefst und die ganze Inszenierung erscheint als ein großartiges Meisterwerk von vollkommener Schönheit.

Es ist eine zauberhafte und grandiose Umsetzung von Schlemmers „Triadischem Ballett“, in der die Avantgard-Kunst des Bauhauses mit den Spiel von geometrischen Figuren im freien Raum und den Spiel der Farben (Rot, Blau, Gelb) zusammenwirkt. Folgeaufführungen sind im Sommer am Tanzhaus NRW in Düsseldorf geplant.

SABINE

Theater der Klänge: „Trias“, nach Oskar Schlemmer
Theater im Depot Dortmund | 7. und 8.2.2015 | 20 und 18 Uhr
Tickets auf gut Glück: ticket[at]theaterimdepot[dot]de oder an der Abendkasse
Eintritt: VVK 13 Eur./8 Eur. erm., AK 15 Eur./10 Eur. erm.