Für ein besseres Leben gestorben

Ivana Hoffmann aus Duisburg wurde von der ISIS im Kampf getötet

Im Frühjahr 2014 ging Ivana Hoffmann nach Rojava ins syrisch-kurdische Gebiet, um gegen die islamfaschistische ISIS zu kämpfen. Kaum jemand aus ihrem Umfeld und ihrer Gruppe „young struggle“ in Duisburg wusste von ihrem Entschluss. In Rojava war sie Teil einer Einheit internationaler Kämpfer*innen aus verschiedenen Ländern Europas, die in den Reihen der MLKP (Marxistischen Leninistischen Kommunistischen Partei der Türkei/ Kurdistan) gegen den IS kämpfen.

Zuvor war sie im Sommer 2013 Teilnehmerin einer Delegation, die an einem politischen Jugendcamp und verschiedenen Demonstrationen in der Türkei teilnahm. Mit dem Vorrücken der ISIS in Syrien und im Irak waren die kurdischen Autonomiegebiete immer mehr bedroht. Insbesondere in Rojava hatte sich mit dem Rückzug der syrischen Armee und der Befreiung weiterer Gebiete durch die Volksverteidigungseinheiten der YPG und YPJ (Fraueneinheit) eine einmalige Möglichkeit für ein neues gesellschaftliches Projekt ergeben. Unter dem Namen „demokratischer Konföderalismus“ wird versucht, die verschiedenen Bevölkerungsgruppen mit den unterschiedlichen religiösen Hintergründen zu vereinen, um eine freie Gesellschaft aufzubauen. Wichtigster Bestandteil ist dabei der Befreiungskampf der Frauen. Schätzungsweise 40% der Volksverteidigungseinheiten bestehen aus Frauen, die so auch mit den patriarchalen Strukturen radikal brechen. Dies ist in der gesamten Region (und darüberhinaus) einzigartig und u.a. ein Grund, warum ISIS versucht, die kurdischen Gebiete zu vernichten.

Ivana war von den Veränderungen und hier insbesondere von dem Kampf der Frauen in Rojava beeindruckt. Sie wollte den Kampf für ein besseres Leben, der von der ISIS weiterhin bedroht wird, mit verteidigen. Politisch aktiv war sie trotz ihres jungen Alters schon lange. Ivana Hoffmann ist am 1. September 1995 in Emmerich geboren. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater stammt aus Togo. Ivana hatte insgesamt 12 Geschwister und Halbgeschwister.

In Emmerich war sie im Fußballverein aktiv. Sie liebte es, Musik zu machen, zu singen und zu tanzen. Sie war ein sehr beliebter Mensch und hatte viele Freunde. Bis sie nach Rojava ging, lebte sie in Duisburg-Meiderich.

Ivana lernte 2009 die „Bildungsstreik“-Bewegung in Duisburg kennen und wurde da zum ersten Mal politisch aktiv und wurde zur Pressesprecherin gewählt. Durch ihre empathische und partizipative Art konnte sie viele Schüler*innen mobilisieren.

In Jahr 2011 kam sie das erste Mal in den AGIF-Verein in Duisburg Meiderich. Dort lernte sie die Gruppe „Young Struggle“ kennen.

Sie begann sich gegen Missstände und Ungerechtigkeiten aktiv einzusetzen und nahm an zahlreichen Aktionen wie dem Revolutionären 1. Mai, den Blockupy-Protesten, antifaschistischen Demonstrationen und Aktionen gegen Frauenunterdückung und Sozialkahlschlag teil oder organisierte diese mit. Sie beteiligte sich an Aktionen für die Freiheit von politischen Gefangenen und nahm 2012 an einem Hungerstreik für Gefange der PKK teil. Sie organisierte sich in der Jugend der Marxistischen Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP) der Türkei/ Kurdistan, der KGÖ (Kommunistische Jugendorganisation). Ivana bereitete Aktionen, Demonstrationen, Jugendcamps und politische Vorträge mit vor.

Einen Tag vor dem internationalen Frauentag wurde sie am 7. März 2015 um 3 Uhr Ortszeit bei der erfolgreichen Verteidigung Tell Tamers getötet. Sie erlitt zwei Schusswunden, von denen die zweite tödlich war. Am 14. März nahmen über 3.000 Menschen in einem Trauermarsch von Ivana Hoffmann in Duisburg Abschied. Die Bundesanwaltschaft prüft, ob sie gegen die Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) strafrechtlich vorgehen muss. Es wird ermittelt, ob Anhänger der Organisation wegen Mitgliedschaft oder Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung angeklagt werden müssen, was nur als Skandal zu bezeichnen ist.

Ivana Hoffman (Kampfname: Avaşin Tekoşin Güneş) ist die erste weibliche Deutsche, die im Kampf gegen ISIS getötet wurde, aber schon im Oktober 2014 war bereits der ebenfalls aus Duisburg stammende 30-jährige Suphi Nejat Ağırnaslı bei der Schlacht um Kobane getötet worden. Am 23. Oktober 1998 wurde Andrea Wolf im türkischen Teil Kurdistans vom türkischen Militär bei einem Gefecht festgenommen, gefoltert und anschließend ermordet. Sie war eine von vielen aus Europa, die sich dem Kampf der PKK in den 1990er Jahren anschloss. Bis heute wird sie in Kurdistan als Internationalistin geehrt.