8. Mai 1945 – Tag der Befreiung – Was sonst !?

Mit einer Demonstration und einer Veranstaltungsreihe stellt ein breites Bündnis vom AStA der Fachhochschule bis zur VVN klar, dass der 8. Mai der Tag der Befreiung ist.

Chance für Frieden und Demokratie in Europa

Am 8. Mai wurde ganz Europa von der Geißel des Deutschen Faschismus befreit. In Deutschland erlebten in erster Linie die überlebenden Verfolgten und Widerstandskämpfer*innen diesen Tag als Befreiung. Aber auch wir Heutigen, verdanken die Grundlagen eines Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt den Siegerinnen und Siegern des 8. Mai. Die alliierten Streitkräfte, unter denen die Rote Armee mit Abstand die größte Last des Krieges in Europa zu tragen hatte, sind und bleiben auch unsere Befreier. Mit besonderer Dankbarkeit erinnern wir an den Beitrag, den der antifaschistische Widerstand in Deutschland, in der Emigration, als Teil von Partisanenverbänden und in den Streitkräften der Anti-Hitler-Koalition geleistet hat.

Mehr als 55 Millionen Menschen fielen Nazi-Terror, Holocaust und Vernichtungskrieg zum Opfer. Sie bezahlten den deutschen Griff nach der Weltherrschaft mit unvorstellbarem Leid und ihrem Leben. Die deutsche Wirtschaft, allen voran Chemie- und Rüstungsindustrie und Banken waren die Gewinner von „Arisierung“, Krieg und der Ausbeutung von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeiter*innen. Diese Gewinne bildeten die Grundlage des „Wirtschaftswunders“ in der Bundesrepublik, während die Opfer um jede Mark Entschädigung kämpfen mussten und bis heute kämpfen müssen.

In nahezu allen ehemals von Nazi-Deutschland besetzten Ländern wurden der 8. und/oder 9. Mai gesetzliche Feiertage, das war auch in der DDR der Fall. Genau 40 Jahre hat es gedauert, bis ein Präsident der Bundesrepublik an einem 8. Mai von Befreiung gesprochen hat. Bis dahin hatte die Sicht der Nazis, der Deutsch-Nationalen, der „Frontkämpfer“, der Profiteure und Mitläufer das offizielle Vokabular geprägt: Zusammenbruch, Kapitulation, Besatzer. Mit Weizsäckers Rede wurde die Perspektive der Verfolgten des Nazi-Regimes „gesellschaftsfähig“.

Damit das so bleibt, fordern wir, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg endlich auch in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag wird.

Wir wissen, dass die Errungenschaften des 8. Mai stets gefährdet sind. Rassismus, Chauvinismus, Antisemitismus und Antiziganismus, Islamfeindlichkeit – alle möglichen Ideologien zur Begründung sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Ausgrenzung haben Konjunktur. Wir wissen, die soziale Spaltung der Gesellschaft hat ein Ausmaß erreicht, in dem die Angst vor dem Abstieg Anpassungsdruck und Ausgrenzungsbereitschaft erhöht. Wir erleben, dass Grundrechte immer weiter eingeschränkt werden. Wir sehen mit Sorge, wie unbarmherzig unsere Gesellschaft Geflüchteten gegenübertritt und gewaltsame Übergriffe duldet. Der rasante Aufstieg neofaschistischer und rechtspopulistischer Kräfte in nahezu allen europäischen Ländern verlangt entschiedene Gegenwehr.

Der Wiedereintritt Deutschlands in die Reihe der Krieg führenden Länder stellt einen Bruch mit dem Nachkriegskonsens „Es soll nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen“ als wichtigste Lehre aus der jüngeren deutschen Geschichte dar. In vielen Ländern der Welt, im Irak, in Syrien, in der Ukraine und in weiten Teilen Afrikas toben Kriege. Wieder sind deutsche Waffen - und oft auch deutsches Militär - überall beteiligt. Die Bereitschaft, „deutsche Interessen“ erneut mit militärischen Mitteln durchzusetzen ist gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung in Regierung und Bundestag wieder politische Praxis geworden.

Gerade darum wollen wir den Tag zum Feiertag machen, den die Überlebenden als „Morgenröte der Menschheit“ erlebt haben, wie es der als Jude und Kommunist verfolgte Résistance-Kämpfer Peter Gingold ausgedrückt hat. Wir wollen am 8. Mai vor allem an die Hoffnung der Befreiten auf eine Welt ohne Kriege, Elend und Unterdrückung erinnern und diese als Impuls nehmen, weiter an der Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit zu arbeiten, so wie es die befreiten Häftlinge von Buchenwald geschworen haben.

In diesem Sinne rufen wir auf:
Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg

Von April bis Anfang Oktober hat das Bündnis ein breites Angebot an Veranstaltungen zusammengestellt, das sich im weitesten Sinne mit dem Thema „Tag der Befreiung“ beschäftigt.
Am 8. 5. selber trägt es mit einer Demonstration durch die Düsseldorfer Innenstadt und Kundgebung auf dem Rathausplatz die Erinnerung an diesen Tag in die Öffentlichkeit.

Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!
Kundgebung zum 1. Mai

01.05.2015, 09:30 Uhr
DGB-Haus, Friedrich-Ebert-Straße

Durch die Globalisierung, demografische Entwicklung und Digitalisierung verändert sich die Arbeitswelt immer weiter. Diese Prozesse müssen von Gewerkschaften begleitet und gestaltet werden.
Deutscher Gewerkschaftsbund

Anbringung Tafel/Plakette anlässlich der Erstürmung des Gewerkschaftshauses

02.05.2015, 11:00 Uhr
Altes Gewerkschaftshaus (Volkshaus), Flingerstraße 11

Das 1907 – 1909 erbaute ‚Volkshaus‘ war der Mittelpunkt der Düsseldorfer Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung. Am 2. Mai 1933 wurde es zum Angriffsziel des Sturms auf die Gewerkschaftshäuser. Hohn, Misshandlung, Inhaftierung waren die Folgen für einen großen Teil der Anwesenden. Anlässlich der Enthüllung einer Mahntafel zur Erinnerung an die Opfer des Sturms auf das Düsseldorfer Volkshaus am 2. Mai 1933 laden wir zu einer Feierstunde ein.
Deutscher Gewerkschaftsbund

Furchtbare Juristen
Die unbewältigte Vergangenheit der deutschen Justiz

07.05.2015, 19.30 Uhr | Eintritt Eur 3,-
Buchhandlung BiBaBuze, Aachener Str. 1

Ingo Müller, emeritierter Hochschullehrer und Rechtswissenschaftler, liest aus seinem Standardwerk über die „unbewältigte Vergangenheit der Deutschen Justiz“. Wie einen Befreiungsschlag haben viele Jurist*innen, aber nicht nur die, sondern auch viele andere das Buch Ingo Müllers beim ersten Erscheinen 1987 empfunden. Denn wie Mehltau lag die Vergangenheit über der deutschen Justiz. Das Werk ist inzwischen ein Klassiker, weil es frei von Jurist*innenjargon, für jeden verständlich, die ganze unselige Geschichte unseres Rechtssystems im 20. Jahrhundert erzählt. Über zehn Jahre war das in mehrere Sprachen übersetzte Buch auf deutsch nicht erhältlich. Jetzt liegt es in siebter, überarbeiteter und erweiterter Auflage vor. Eine Pflichtlektüre nicht nur für Jurist*innen, sondern für alle, für die die Justizgeschichte ein Teil der deutschen Geschichte ist (Moderation: Tim Engels)
VVN-BdA, VDJ, BiBaBuze

Pempelfort im Bombenkrieg
Gedenkveranstaltung mit Vortrag zum 70. Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus

08.05.2015, 17:00 Uhr
Aula Jan-Wellem-Schule, Franklinstr. 5

Die Veranstaltung, ausgerichtet von der Bezirksvertretung 1, erinnert an die Schrecken des Krieges für die Zivilbevölkerung und das Ausmaß der Zerstörung. Insbesondere durch den Bombenangriff am 23. Januar 1945, der die Stadtteile Derendorf und Pempelfort schwer traf. Musikalische Begleitung und Gedichtvorträge von Schülerinnen und Schülern geben der Veranstaltung den würdigen Rahmen.
Bezirksvertretung 1

Demonstration / Kulturfest
8. Mai: Befreiung, was sonst!?

08.05.2015, 18:00 Uhr Demonstration, 19:00 Uhr Kulturfest
Start: DGB-Haus, Friedrich-Ebert-Strasse, Ziel: Marktplatz Rathaus
Bündnis 8. Mai

Geschenkt wurde uns nichts
(Dokumentarfilm mit deutsche Untertiteln, 2014, 58 Minuten)

09.05.2015, 15:00 Uhr
Metropol Kino

Annita Malavasi war 22 Jahre alt, als deutsche Truppen 1943 das bis dato verbündete Italien besetzten. Als Partisanin „Laila“ überbrachte sie Informationen, transportierte Waffen, bewegte sich mit und zwischen den kämpfenden Einheiten und nahm selbst an Gefechten teil. Über ein Jahr war sie in den Bergen des Apennin und kämpfte gegen die deutschen Besatzer, gleichzeitig musste sie sich gegenüber den Männern in den Bergdörfern behaupten. Gegen Kriegsende gehörte Laila zu den wenigen weiblichen Kommandierenden im italienischen Widerstand.
Der Film erzählt die Geschichte einer lebenslangen Emanzipation, die mit dem Befreiungskampf gegen den Faschismus begann. Laila und zwei ihrer Genossinnen, Gina „Sonia“ Moncigoli und Pierina „Iva“ Bonilauri, berichten von ihrer Zeit in der Resistenza und ihrer Bedeutung für sie und viele andere Frauen.
Die Falken
(siehe auch Artikel in dieser Ausgabe)

Gedenken auf dem Sowjetischen Friedhof Gallberg

09.05.2015, 17:00 Uhr
Sowjetischer Ehrenfriedhof, Blankertzstr., Gerresheim

Aus Anlass des 70. Jahrestages der Befreiung vom Deutschen Faschismus am 8./9. Mai 1945 gedenkt die DKP der sowjetischen Soldaten, die die größten Opfer in diesem Kampf erbracht haben. Eingeschlossen in das Gedenken werden die alliierten Befreiungstruppen sowie die Widerstandskämpfer aus Deutschland und anderen Ländern. Die Deutsche Kommunistische Partei lädt alle ein, an diesem Gedenken teilzunehmen und damit den Beitrag der Sowjetunion an der Befreiung zu würdigen.
DKP

Hellas unterm Hakenkreuz
Die deutsche Besetzung Griechenlands 1941 bis 1944

12.05.2015, 19.30 Uhr
ZAKK, Studio, Fichtenstr. 40

Die neue griechische Regierung fordert von Deutschland Entschädigung für den Überfall der Wehrmacht 1941 und die Folgen der deutschen Besetzung. In den Jahren 1941 bis 1944 hatte das faschistische Deutschland, als dessen Rechtsnachfolger die Bundesrepublik sich versteht, in Griechenland ein blutiges Besatzungsregime errichtet und der griechischen Bevölkerung unermessliche Leiden zugefügt und gewaltige Lasten aufgebürdet. Unbestritten sind: Die Massenmorde an der Zivilbevölkerung, der Hungertod Hundertausender, die der wirtschaftlichen Ausbeutung zum Opfer fielen, die Zerstörung der Infrastruktur. Nie wurde dafür jemand zur Rechenschaft gezogen, weshalb diese Schreckensherrschaft hier weitgehend unbekannt ist. Mit unserer Veranstaltung wollen wir darüber informieren und Verständnis für die mehr als berechtigten Forderungen wecken. Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit dem Militärhistoriker Dr. Martin Seckendorf, Berlin
Rosa Luxemburg Club Düsseldorf, Friedensforum Düsseldorf


8. Mai 1945 – KEIN VERGESSEN

siehe auch folgende Artikel in dieser Ausgabe:
Das falsche Schwein geschlachtet
Auf den Spuren der Resistenza (Teil I)
„Geschenkt wurde uns nichts“
Von Majdanek und Buchenwald zur Mühlenstraße