Schöner wohnen in Oberkassel

Am Sonntag, den 12. April machten wir uns zu viert auf den Weg nach Oberkassel, um Bewohner*innen der dortigen Unterkunft für Menschen mit Fluchtgeschichte abzuholen und mit ihnen zusammen zum Frühlingsfest von Düsselgrün e.V. in den Moskauer Park zu fahren.

Um die Unterkunft zu finden, reicht eigentlich zu wissen, dass diese in der Schanzenstraße liegt. Die Hausnummer muss man nicht kennen, das Haus unterscheidet sich genügend von allen anderen. Zwischen übertrieben protzig wirkenden Neu- und schicken Altbauten quetscht sich ein schäbiges, vernachlässigt wirkendes Gebäude ins Straßenbild.

Die Tür ist offen, im Eingangsbereich ist eine Wand mit Kinderfotos gestaltet. Wie wir später erfahren, gibt es dort einen Kindergarten, betrieben von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Diakonie. Es gebe auch andere Angebote der Diakonie im Haus, z.B. einen Deutschkurs.

Es ist aber Sonntag und kein Angebot findet statt. Nur ein Pförtner fragt uns durch eine Scheibe, wo wir hin wollen. Eigentlich möchte er unsere Ausweise einsammeln, wir wollen ihm die Ausweise aber nicht geben. Schließlich geht es auch ohne Ausweis.

Das Haus wirkt sehr still, auf den Fluren ist kaum jemand zu sehen. Die Wände sind beschmiert mit Kritzeleien, dazwischen bunte Zeichnungen von Kindern. Wir gehen durch mehrere Flure und klopfen an den Zimmertüren. Einige öffnen. Es sind Menschen aus Eritrea, Georgien, Albanien, Mazedonien und vielen anderen Ländern. Die meisten von ihnen scheinen schon länger hier zu sein, denn sie sprechen bereits gut deutsch.

Die Menschen, die uns öffnen, sind sehr freundlich, und ein paar möchen gern mitkommen. Außerdem werden wir eingeladen, das eriträische Osterfest zu feiern. Wir müssen leider ablehnen und verabreden uns mit denen, die mitfahren möchten, vor der Tür.

Auf dem Rückweg nach draußen durch die trostlosen Flure packt uns angesichts der Waschräume das Grauen. Auf der Suche nach einer Toilette betreten wir einen Raum mit mehreren Duschkabinen, in denen zum Teil der Duschkopf fehlt. Der Spiegel, der wohl mal über dem Waschbecken hing, existiert nur noch als eine Scherbe. Am widerlichsten sieht es aber an der Decke aus. Es schimmelt nicht nur aufs Übelste, die Decke scheint sich stellenweise bereits aufzulösen. Angesichts der Tatsache, dass Gebäude wie dieses aus den 50er oder 60er Jahren zur Zeit oft mit großem Aufwand von Asbest und anderem krebserregenden Kram befreit werden müssen, möchte man gar nicht wissen, WAS da gerade schimmelt... Wir verlassen den Waschraum und finden nebenan die Toiletten. Diese sind weder nach Geschlechtern getrennt, noch gibt es Schlösser an den Türen. Privatsphäre beim Toilettengang – nicht für Geflüchtete!

Es stellt sich einem angesichts solcher Zustände die Frage: Wie kann es sein, dass Menschen in einem heruntergekommenen Gebäude unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen zu leben haben, während um sie herum Luxus und Protz regiert? Ist die Würde dieser Menschen wirklich so wenig wert? Sicher, es sollen bald Unterkünfte eröffnet werden, dabei handelt es sich aber in sämtlichen Fällen um Containerkomplexe. Höchstwahrscheinlich ohne verschimmelte Decken, aber eben auch stigmatisierend. Dazu kommt das Geplärre der Wutbürger*innen, das u.a. schon auf Bürger*innenversammlungen mehrerer Stadtbezirke erschreckende Blüten getrieben hat.

Glücklicherweise gibt es aber auch zahlreiche Bürger*innen, Initiativen und Gemeinden, die diese Zustände nicht so einfach hinnehmen wollen und sich aktiv für die Interessen der Geflüchteten einsetzen.

Schließlich bleibt nur, dafür zu kämpfen, dass diese Menschen, die sich für eine Willkommenskultur in Düsseldorf stark machen und für menschenwürdige Lebensbedingungen eintreten, am Ende stärker sein werden als die Befürworter*innen von Diskriminierung und Ausgrenzung.

D. A.