Das VHS-Prekariat

Die an der Volkshochschule unterrichtenden Honorarkräfte können von ihren Bezügen kaum leben.

An der Volkshochschule (VHS) Düsseldorf nehmen Tausende von Düsseldorfer*innen jährlich Weiterbildungsangebote des nach Selbstaussage „größten staatlich anerkannten und geförderten Weiterbildungsanbieters in Düsseldorf“ wahr. Die angebotenen Kurse sind begehrt, die Rückmeldungen durch die Teilnehmenden ausgesprochen positiv.

Dieses Angebot wird durch Dozentinnen und Dozenten gesichert, deren Arbeit „von hoher fachlicher und pädagogischer Qualität gekennzeichnet ist“ – so ebenfalls auf der Internetseite der Stadt Düsseldorf nachzulesen. Die Vergütung ihrer Tätigkeit spiegelt diese Tatsache allerdings in keiner Weise wider, so dass es in absehbarer Zeit kaum noch möglich sein dürfte, den bisherigen Qualitätsstandard aufrechtzuerhalten.

Eine Arbeit als Dozentin oder Dozent an der VHS Düsseldorf bedeutet:

Mit den geschilderten Arbeitsbedingungen trägt die Stadt Düsseldorf entgegen aller Lippenbekenntnisse dazu bei, dass der Slogan „Arm durch Arbeit“ auf direktem Wege umgesetzt wird. Die Dozent*innen wandten sich in den vergangenen Jahren mehrmals an Kuratorium und Leitung der VHS, um eine Verbesserung ihrer Situation zu erreichen. Da sich beide mit Verweis auf unzureichende öffentliche Förderung durch das Land NRW und die Stadt Düsseldorf hierzu nicht in der Lage sahen, richteten die Dozent*innen im Mai dieses Jahres den Appell an die Mitglieder des Stadtrates, sich für eine angemessene finanzielle Ausstattung der VHS Düsseldorf und damit für eine Erhöhung der Stundenhonorare auf 25,00 Euro (die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW fordert 30,- Euro) einzusetzen, außerdem für erneute Gespräche über Honorare in zwei Jahren sowie mittelfristig für geregelte Arbeitsverhältnisse in Form von Festanstellungen.

Den Briefen an die Ratsmitglieder folgten Gespräche mit Vertreter*innen der unterschiedlichen Parteien (außer der CDU, die die im Wesentlichen die geschilderten Zustände zu verantworten hat und nichts von sich hören ließ). Von SPD, Grünen und FDP wurde versichert, dass das Problem bekannt sei, einer sofortigen Behebung aber die schwierige Haushaltslage im Weg stehe – nicht unbedingt ein originelles Argument. Die Linke luden die Dozentenvertreter*innen zu ihrer Fraktionssitzung ein und unterstützen ihre Forderungen.

Parallel zu den Appellen an die Ratsmitglieder wurden von den Dozentenvertreter*innen zwei Anträge an das Kuratorium der VHS gestellt. Dieses Kuratorium begleitet die Arbeit der VHS und formuliert Empfehlungen an die Leitung sowie an die Trägerin der VHS – also an die Stadt Düsseldorf. Im ersten Antrag forderten sie, dass das Kuratorium der Stadt die Erhöhung der Honorare auf 25,- Euro pro Unterrichtsstunde und neue Gespräche über die Honorarhöhe in zwei Jahren empfehlen möge. Diesem Antrag wurde in der Sitzung am 19.6.2015 stattgegeben (in der nächsten TERZ folgt ein Artikel der sich mit Honorardozent*innen der Schulischen Weiterbildung beschäftigt und auch auf den zweiten Antrag eingeht). Neben den Dozentenvertreter*innen und einzelnen Parteienvertreter*innen sprachen sich auch die Vertreter*innen der Teilnehmer*innen dafür aus. Sie erklärten sich sogar mit einer moderaten Erhöhung der Kursgebühren einverstanden, um die Arbeit der Lehrenden endlich besser zu honorieren. Und vor dem Gebäude, in dem die Sitzung stattfand, unterstützte ein lautstarkes Pfeifkonzert demonstrierender Dozent*innen die Forderungen.

Eine Erhöhung der Kursgebühr allein wird aber kaum ausreichen, um die chronische Unterfinanzierung der VHS zu beheben. Die Stadt ist gefordert, über den Haushalt endlich für Abhilfe zu sorgen. Daher stellte die Linke nicht ganz eine Woche später im Stadtrat den Antrag, die Verwaltung der Stadt Düsseldorf möge gemeinsam mit den Dozentenvertreter*innen neue Arbeitsbedingungen an der VHS Düsseldorf aushandeln. Wieder waren Dozentinnen und Dozenten mit einem Stand auf dem Rathausplatz präsent, um weiter über ihre Lage zu informieren. Aus den Parteien der derzeitigen Stadtspitze wurde Verständnis signalisiert, doch der Antrag der Linken wurde abgelehnt – mit der Begründung „dass es dem Selbstbestimmungsrecht der VHS überlassen bleiben muss, eine neue Regelung zu verfassen“. Dass dies kaum möglich ist, wenn die Zuschüsse der Stadt an die VHS nicht ausreichend sind, um einerseits angemessene Honorare zu zahlen und andererseits die Teilnahmegebühren nicht ins Uferlose steigen zu lassen, dürfte einleuchten, doch der Schwarze Peter konnte von der Politik wieder mal an die VHS-Verwaltung zurückgereicht werden. Es bleibt also noch einiges zu tun, um bis zur Verabschiedung des Haushaltes am Ende des Jahres klarzumachen: Der Rat ist gefordert, Wahlkampfversprechen einzulösen und die Arbeitsbedingungen an der VHS, die in der Verantwortung der Stadt liegen, endlich entscheidend zu verbessern.

DOZENTENVERTRETUNG DER VHS DÜSSELDORF