71. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Am 27. Januar 1945 erreichte die Rote Armee die seit dem 4. September 1939 von NS-Deutschland besetzte und in Auschwitz umbenannte polnische Stadt Oświęcim und damit auch den Konzentrationslagerkomplex Auschwitz – bestehend aus dem Stammlager, dem Vernichtungslager Birkenau, dem IG-Farben-Arbeitslager Monowitz und einer Reihe kleinerer Nebenlager. Obwohl die SS vor ihrem eiligen Rückzug nach Westen versucht hatte, ihre Spuren zu verwischen, konnte sie nicht über das Ausmaß der Vernichtung und der von ihr begangenen Verbrechen hinwegtäuschen. Häftlinge, die zu krank und schwach waren, um die Todesmärsche anzutreten, waren unversorgt zum Sterben zurückgelassen worden, sie wurden von der Roten Armee befreit. Es wird angenommen, dass ihre von der SS geplante Ermordung aufgrund des raschen Vorrückens der Roten Armee nicht mehr möglich war. Insgesamt wurden in Auschwitz etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet. Die meisten von ihnen waren Jüdinnen und Juden aus diversen Ländern Europas. Seit 1996 ist der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27. Januar in Deutschland ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag. 2005 erklärten die Vereinten Nationen den 27. Januar zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“.

Rund um den diesjährigen Gedenktag, 71 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, finden in Düsseldorf u.a. folgende Veranstaltungen statt:

Dienstag, 26. Januar 2016, 19.30 Uhr, Buchhandlung BiBaBuZe, Aachener Straße 1, Düsseldorf
Düsseldorf – Theresienstadt
Gespräch mit der Zeitzeugin Edith Bader-Devries

Veranstalter: Erinnerungs- und Lernort „Alter Schlachthof“/FORENA und Buchhandlung BiBaBuZe, Eintritt frei
Als kleines Mädchen im Alter von sieben Jahren wurde Edith Devries am 25. Juli 1942 zusammen mit ihren Eltern von Weeze (Kreis Kleve) nach Theresienstadt deportiert. Die Nacht vor der Abfahrt vom Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf aus musste die Familie zusammen mit den anderen jüdischen Menschen in der Großviehhalle des Düsseldorfer Schlachthofes verbringen. Hier wird zur Zeit der Erinnerungs- und Lernort der Hochschule Düsseldorf eingerichtet. Die Familie überlebte im Ghetto Theresienstadt unter schrecklichen Bedingungen, viele andere Familienmitglieder wurden ermordet. Nach der Befreiung entschieden sich Ediths Eltern dafür, wieder in ihren Heimatort Weeze zurückzukehren.

Mittwoch, 27. Januar 2016, 15.00 bis 20.30 Uhr
Kranzniederlegung und Multiplikator*innen-Programm anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktags
Von der Mahn- und Gedenkstätte gemeinsam mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. und der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf angekündigtes Programm:
15.00 Uhr: Kranzniederlegung am Mahnmal für die Deportierten am ehemaligen Güterbahnhof Derendorf durch Oberbürgermeister Thomas Geisel, Marc-Chagall-Straße, Ecke Toulouser Allee
16.30 bis 20.30 Uhr in der Mahn- und Gedenkstätte, Mühlenstraße 29, Düsseldorf: Informationsprogramm für Lehrer*innen und andere Multiplikator*innen: „Besuchen Sie unsere Dauerausstellung ‚Düsseldorfer Kinder und Jugendliche im Nationalsozialismus‘ und stellen Sie Fragen an das Kuratorenteam. Lernen Sie unser ‚Offenes Archiv‘ kennen oder testen Sie einen unserer neuen Workshops selbst. Informieren Sie sich über die breite Palette unserer pädagogischen Angebote oder stöbern Sie in unseren vielfältigen Publikationen zu didaktischen oder historischen Themen.“ Das ausführliche Programm findet sich unter http://www.gedenk-dus.de/fileadmin/images/aktuell/RZ_Programm_27.1_9.12.15_final.pdf im Internet.

Mittwoch, 27. Januar 2016, 19.30 Uhr, Hinterhof - Linkes Zentrum, Corneliusstr. 108
INPUT – antifaschistischer Themenabend in Düsseldorf:
„Wie Lämmer zur Schlachtbank“?
Jüdischer Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Referent Michael Fehrin (Antirassistisches Bildungsforum Rheinland), Eintritt frei.
„Sie haben sich wie Lämmer zur Schlachtbank treiben lassen!“: So oder ähnlich konnte man es an deutschen Stammtischen viele Jahrzehnte lang hören. Eine perfide These, die insbesondere den jüdischen Opfern der NS-Vernichtungsmaschinerie Passivität angesichts des Todes, wenn nicht sogar eine Mitschuld an ihrem Schicksal unterstellt. Dies ist nicht nur ein übles Ressentiment, sondern geht auch weit an der historischen Wahrheit vorbei. Denn überall, wo es irgendwie möglich war, haben sich jüdische Menschen gegen den NS-Terror gewehrt.
Die Veranstaltung, die am 71. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee stattfindet, bietet einen Überblick über den jüdischen Widerstand: Von mutigen Einzelkämpfer*innen, organisierten Widerstandsgruppen, kompletten Militäreinheiten und Partisan*innenverbänden bis hin zu Aufständen in Konzentrations- und Vernichtungslagern wird die Bandbreite des jüdischen Antifaschismus vorgestellt. Zudem wird die Frage erörtert, was eigentlich Widerstand während des NS-Regimes bedeutete und welche realen Spielräume für Nazi-Gegner*innen vorhanden waren.
Der Referent Michael Fehrin ist Autor, Journalist und Fremdenführer und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Fragen rund um die NS-Barbarei.

INPUT – antifaschistischer Themenabend in Düsseldorf existiert seit 2002 und findet in der Regel einmal monatlich statt, zumeist am letzten Mittwoch im Monat im „Zentrum Hinterhof“, hin und wieder auch im Kulturzentrum zakk und im Buchladen BiBaBuZe. Unregelmäßig werden zusätzliche INPUT-Spezial-Veranstaltungen angeboten. Ankündigungen unter http://linkes-zentrum.de.
Aktuelle INPUT-Veranstalter: Antifa-Arbeitskreis an der FH Düsseldorf und AG INPUT, in Kooperation mit dem Antirassistischen Bildungsforum Rheinland (ABR) und SJD – Die Falken Düsseldorf.