Eröffnung des Erinnerungsorts in Derendorf

Dass auf dem Gelände des neuen FH-Campus in Düsseldorf-Derendorf ein Erinnerungsort für die vom damaligen Schlachthofgelände aus deportierten Jüdinnen und Juden entsteht, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein (TERZ 09.15). Der neu geschaffene „Erinnerungsort ‚Alter Schlachthof‘“ ist eine sinnvolle Ergänzung der Angebote der Stadt Düsseldorf, besonders der seit 1987 bestehenden „Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt Düsseldorf“ in der Mühlenstraße. Am 18. Februar 2016 findet nun endlich die Eröffnung statt.

Der Erinnerungsort wird mit der Öffnung der Hochschulbibliothek am 29. Februar 2016 auch allgemein zugänglich. Großformatige Portraits und Zitate von Verfolgten, Ermordeten, Überlebenden und Helfer*innen, aber auch Tätern, exponiert in den gläsernen Ausstellungsräumen links und rechts des Bibliothekseingangs installiert, bieten einen ersten biographischen Zugang. Die vielen Verknüpfungen, die sich in den Bildern und Biografien der einzelnen Menschen entdecken lassen, entfalten für interessierte Besucher*innen nach dem Stöbern in der Datenbank – dem Herz der Ausstellung – eine Fülle von unbekannten und teils überraschenden Zusammenhängen und Bezügen zu Personen und Orten nicht nur in Düsseldorf. Die Geschichte der Maler*innen des rheinischen Expressionismus der Gruppe „Das junge Rheinland“ um Johanna Ey und Otto Dix zeigt beispielsweise den Zusammenhang zwischen „entarteter Kunst“ und „Judenverfolgung“, und sie führt auch zu den Themen „Berufsverbot“, „innere Emigration“ und „Fluchthilfe“. Auf der Seite der Verfolgten lassen sich die Portraits des Malers Mathias Barz und seiner jüdischen Ehefrau Hilde Barz, geborene Stein, und auf der Seite der Helfer*innen die von Otto und Hulda Pankok miteinander in Beziehung setzen.

Für die Schauspielerin und Sängerin Hilde Barz wurde die Situation damals Jahr für Jahr bedrohlicher. Bis 1944 lebte sie mit ihrem „arischen“ Mann in einer noch „privilegierten Mischehe“, dann spitzte sich die Lage zu. Im September 1944 bekam sie den Befehl, sich im Schlachthof zu melden, ihre Familie war zu diesem Zeitpunkt schon deportiert. Mathias Barz stand unter Beobachtung der Gestapo, da er schon vor der Machtübernahme antifaschistisch aktiv war und die KPD mit Plakaten und Illustrationen unterstützt hatte. Nach mehreren heimlichen nächtlichen Ortswechseln fanden beide Unterschlupf bei den Pankoks in Pesch bei Münstereifel.

Der ebenfalls mit Malverbot belegte Otto Pankok und seine Frau Hulda, die als Journalistin Schreibverbot hatte, waren nach einem Kesseltreiben gegen das Ehepaar in die Eifel gezogen und wurden dort zu einer Rettungsstation für verfolgte Freund*innen. Nach der „Machtergreifung“ der Nazis hatte Otto Pankok den Mut und die Kraft gehabt, sich dem Regime dauerhaft zu widersetzen. Auch vor Protestschreiben an Alfred Rosenberg, dem Chefideologen der NSDAP, schreckte er nicht zurück. Kraftvoll und unbeugsam überwand er die Gefahren innerer Emigration und tödlicher Resignation. Mit der Gewaltlosigkeit seiner künstlerischen Mittel bekämpfte er die Gewalt und setzte sich für Entrechtete und Verfolgte ein. Seine Motive und Gesichter fand er unter den Unterdrückten und Ausgestoßenen. Seine „Modelle“ befreundeter „Zigeuner“ vom „Heinefeld“ am Rande von Düsseldorf gerieten als „asoziale Elemente“ in den Blick der Nazis. Eine nach dem Sinto-Mädchen Ehra geschaffene Bronzefigur Pankoks erinnert seit 1997 am Alten Hafen in Düsseldorf an den Porajmos („das Verschlingen“), dem Völkermord an den Sinti und Roma.


Der Antifa-Arbeitskreis an der FHD präsentiert:

Mittwoch 24. Februar 2016, 19:30 Uhr, Hinterhof - Linkes Zentrum, Corneliusstr. 108
INPUT – antifaschistischer Themenabend in Düsseldorf
30 Jahre RechtsRock
Dimensionen und Entwicklungen – regional, bundesweit, international

Referent: Jan Raabe („Argumente und Kultur gegen Rechts“, Bielefeld)
Nie fand sich Musik mit extrem rechten bis neonazistischen Texten in einer größeren Stilvielfalt als heute. Ob Rap, Hardcore, Black-Metal, Oi, Punk-Rock oder Liedermacher: Alles ist zu bekommen. Aber macht dies den RechtsRock zu einer Erfolgsgeschichte der extremen Rechten? Ist dies Ausdruck einer erfolgreichen „Unterwanderung“ oder „Steuerung“ durch extrem rechte Organisationen? Wie ist vor diesem Hintergrund beispielsweise die „Schulhof-CD“ der NPD zu bewerten? Profitiert die RechtsRock-Szene von PEGIDA und AfD? Wie ist das Verhältnis von extrem rechter Jugendkultur zum organisierten Neonazismus?
Jan Raabe, unter anderem Mitherausgeber des Standardwerks „RechtsRock – Bestandsaufnahme und Gegenstrategien“, wird in seinem Vortrag einen Rückblick auf 30 Jahre RechtsRock und dessen Entwicklung auf verschiedenen Ebenen werfen. Beleuchtet werden die musikalische Entwicklung, das Auftreten extrem rechter Inhalte in unterschiedlichen Jugendkulturen und der sich verändernde staatliche Umgang mit Bands und Konzerten. Wo steht RechtsRock heute vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen?

Vorankündigung weiterer INPUT-Veranstaltungen:

Mittwoch, 30. März 2016, 19:30 Uhr, Hinterhof - Linkes Zentrum, Corneliusstr. 108
Neonazis im antifaschistischen Staat? Die DDR und die extreme Rechte – Ursachen, Voraussetzungen, Auswirkungen
Referent: David Begrich (Arbeitsstelle Rechtsex­tremismus beim Miteinander e.V., Magdeburg)

Mittwoch, 27. April 2016, 20:00 Uhr, Butze, Weißenburgstr. 18
Ungarn Rechtsaußen - Von „Judenlisten“ zu Flüchtlingsjagden
Referent: Jörg Kronauer (Referent des Antirassistischen Bildungsforums Rheinland und Freier Journalist)