Kartäuserwall ist überall

Im Dezember 2015 wurde in Köln das Haus an der Zülpicher Staße 290 besetzt. I furiosi sprach mit Besetzer*innen über die Gründe und Perspektiven der Aktion.

TERZ: Im Oktober wurde das Haus am Kartäuserwall geräumt. Jetzt ist das Haus an der Zülpicher Straße seit Dezember erfolgreich besetzt. Wer beteiligt sich daran?

Besetzer*innen: Um die Vernichtung von günstigem Wohnraum zu verhindern, wurde die Karti 14 besetzt. Das Haus wurde jedoch nach einem Monat geräumt und abgerissen, obwohl parallel Verhandlungen mit dem Eigentümer stattfanden. Am nächsten Tag wurde aus demselben Grund spontan die Rolshover Straße 98 besetzt und am selben Tag geräumt. Dadurch kamen wir zu dem Schluss, dass es nicht reicht, Wohnraum nur zu verteidigen, sondern es auch notwendig ist, Wohnraum zu erkämpfen. Mit jeder Besetzung kamen neue Leute hinzu, welche von Wohnungsnot betroffen sind oder das Projekt unterstützen. Mit dabei sind bspw. erfahrene Hausbesetzer*innen, Punks, Wohnungslose, sowie Aktivist*innen aus dem Hambacher Forst.

TERZ: Wie seid ihr auf das Haus gekommen, wie lang gab es dort schon einen Leerstand?

Besetzer*innen: Das Haus steht seit vielen Jahren leer. Im Juni 2015 wurde es von Anwohner*innen für einen Tag besetzt, welche Transparente aus den Fenstern hingen, um auf den Leerstand aufmerksam zu machen. Während der Besetzung des Kartäuserwalls haben uns viele Bürger*innen besucht, welche uns von Leerstand in Köln und der damaligen Aktion berichtet haben. So entstand die Idee, dieses Haus zu öffnen und damit für alle, die Wohnraum brauchen, zugänglich zu machen.

TERZ: Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus, und welche Zielsetzungen gibt es? Soll dort auch Wohnraum geschaffen werden, und wie sehen Eure Pläne für ein Zentrum aus?

Besetzer*innen: Wir wollen, dass die Zülpicher Straße 290, sowie das ebenfalls besetzte Nebengebäude in der Josef-Stelztmann Str. 2a als Wohnraum genutzt wird. Wir wollen außerdem die Ladenlokale im Erdgeschoss als unkommerzielle Treffpunkte nutzbar machen. Dazu haben wir einen Aufenthalts- und Veranstaltungsraum, einen Umsonstladen und eine Ausstellung über den Hambacher Forst eingerichtet. Es sollen außerdem regelmäßig VoKü‘s und Kneipen-Tage angeboten werden. Parallel dazu sind wir gerade dabei, weitere Räume bewohnbar zu machen. Wir wünschen uns, das Haus gemeinsam mit Geflüchteten zu bewohnen. Inwiefern das praktisch realisierbar ist, versuchen wir gerade zusammen mit der Stadt herauszufinden.

TERZ: Gibt es Unterstützung seitens der Nachbarschaft und eine Gesprächsbereitschaft der Stadt?

Besetzer*innen: Der lange Leerstand war der Nachbarschaft lange ein Dorn im Auge, so dass viele die Besetzung gutheißen. Die Resonanz aus der Nachbarschaft ist daher sehr positiv. Wir bekommen seit dem ersten Tag viele Sach- und Geldspenden, und täglich kommen interessierte Anwohner*innen an unseren Infostand. Der Verwalter hat die Gespräche über eine Zwischennutzung abgebrochen, obwohl wir ihm (wie gewünscht) ein fertig ausformuliertes Vertragsangebot über einen Haftungsausschluss vorgelegt hatten. Nach unseren Kenntnissen liegt jedoch kein Strafantrag gegen uns vor, und wir sind weiter geduldet. Durch die Besetzung und den öffentlichen Druck wurden die Verhandlungen zwischen Verwalter und Stadt wieder aufgenommen. Die Stadt hat Interesse gezeigt, um in den 26 Wohneinheiten Mietwohnungen für Geflüchtete einzurichten. Dafür muss aber noch einiges getan werden, die Vertragsverhandlungen dauern Monate und die Kosten werden auf einen 7-stelligen Betrag geschätzt. Wir lehnen das Vorhaben der Stadt nicht grundsätzlich ab, sorgen aber bereits jetzt für selbstorganisierten Wohnraum und werden die Instandbesetzung fortsetzen, bis substanzielle Verbesserungen der Wohnsituation erreicht wurden.

TERZ: Können wir Düssel­dorfer*innen uns unterstützend/solidarisch einbringen?

Besetzer*innen: Die Frage nach Wohnraum kann nicht in einer Stadt isoliert gelöst werden. Verdrängung zugunsten von Spekulation gibt es in fast allen Großstädten. Ebenso wird verfügbarer Platz leerstehen gelassen, eine Folge der Überbewertung von Privateigentum, die Menschen eher auf der Straße verhungern oder erfrieren lässt, als ungenutzte Infrastruktur sinnvoll zu teilen. Die Konkurrenz um menschenwürdiges Wohnen spielt einkommensschwächere Menschen gegeneinander aus. Das wollen wir ändern, nicht nur hier in Köln, sondern wir sehen uns auch verbunden mit dem Häuserkampf in Düsseldorf. Hier in der Zülpi 290 finden schon regelmäßige Veranstaltungen wie z.B. eine Filmreihe über weltweite Wohnungskämpfe statt. Wir sind daher an einem Austausch für zukünftige Veranstaltungen sehr interessiert. Z.B. wollen wir hier Anfang März ein Filmfestival veranstalten, wofür wir uns über Anregungen von außen freuen. Besuche und Soli-Aktionen freuen uns natürlich auch und sind herzlich willkommen. Weitere Informationen findet ihr auf unserem Blog: https://karti14.noblogs.org