Not in our name!
Unser Feminismus bleibt antirassistisch!

Die Interventionistische Linke mobilisiert zu einer bundesweiten Demonstration anlässlich des internationalen Frauenkampftages nach Köln.

Die Kölner Silvesternacht war ein Wendepunkt in der gesellschaftlichen Debatte. Nicht erst seit den Vorfällen in der Nacht des 31.12.2015 in Köln, aber seitdem vermehrt, schließen Rassismus und Antifeminismus eine unheilvolle Allianz. Rechte, Antifeminist*innen, Rassist*innen und andere Personen, die sich zuvor noch nie für Frauenrechte interessiert haben, nutzen den Diskurs für ihre rassistische Hetze. Eine Hetze, die gegen Geflüchtete gerichtet ist, (rassistische) Ängste schürt und mit Asylrechtsverschärfungen und Abschiebungen eine scheinbar einfache Lösung des Problems fordert. Auf der Agenda stehen massive weitere Asylrechtsverschärfungen, die Erfindung immer neuer sicherer Herkunftsstaaten und weitere Gesetzesverschärfungen.

Besonders perfide an diesen Forderungen ist die Instrumentalisierung der angegriffenen Frauen zur rassistischen Stimmungsmache gegen Geflüchtete und insbesondere gegen muslimische Migranten aus Nordafrika. Es ist zynisch, dass Pegida, AfD, Antifeminist*innen nun plötzlich als BeschützerInnen von „deutschen Frauen“ auftreten. Die Verbindung von Antifeminismus und Rassismus ist ein wichtiges ideologisches Element in der Formierung eines rechten Projekts.

Die Behauptung einer rückschrittlichen, reaktionären Kultur von Migrant*innen, die nicht zu Deutschland oder zu Europa passe, ist die Idee einer extremen Rechten, die anschlussfähig an die bürgerliche Mitte ist. Frauenrechte, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt oder die Lage der geflüchteten Frauen und Mädchen – all das interessiert dabei weniger.

Die Übergriffe an Silvester sind ein massiver Angriff auf die betroffenen Frauen. Und sie sind zu verurteilen, ausnahmslos! Die Betroffenen sollten jede mögliche Hilfe und Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Betroffene von sexueller Gewalt brauchen sichere Orte, auf der Straße und anderswo. Betroffene sexueller Gewalt, insbesondere, wenn der Täter aus dem nahen Umfeld kommt, brauchen Frauenhäuser und Beratungsstellen – diese sind jedoch seit Jahren unterfinanziert und haben nicht genügend Kapazitäten. Betroffene sexueller Gewalt brauchen die Sicherheit, dass sie ernst genommen werden, sollten sie die Täter anzeigen. Noch immer werden Frauen (mit-)verantwortlich für sexuelle Gewalt gemacht, indem die Frage nach ihrer Kleidung, nach ihrer Gegenwehr oder oft in Zweifel gezogenen Glaubwürdigkeit mit darüber entscheiden, ob der Täter verurteilt wird. Noch immer ist sexuelle Nötigung nicht strafbar. Sexistische Werbung oder sexistische Witze gehören zum Alltag jeder Frau, sie werden nicht geächtet. Im Gegenteil: Frauen wird vorgeworfen, sich anzustellen, wenn sie diese zum Thema machen.

Der längst überfällige Diskurs über jede Form sexueller Gewalt wird nicht geführt. Sexismus ist Alltag in Deutschland und in Europa, und das nicht erst seit der Silvesternacht auf der Kölner Domplatte. Sexualisierte Gewalt üben nicht „die Anderen“ aus, oft sind es gerade die nächsten Angehörigen, die zu Tätern werden.

Geschlechterspezifische Gewalt wird im momentanen Diskurs als Problem „der Anderen“ verortet. In verschiedenen Städten wurden zu Karneval Flyer erstellt, damit diese an Geflüchtete verteilt werden, um diesen zu erklären, was „Mann“ zu Karneval darf. Die dumpfdeutschen Biedermänner und Junggesellenabschiede hingegen bekommen solche Ratschläge nicht. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass sexuelle Übergriffe seit Jahrzehnten genauso zu Karneval wie zum Oktoberfest und bei anderen Veranstaltungen von Männern begangen werden, und Frauen sich bei diesen Anlässen noch nie vor sexueller Gewalt und sexistischer Anmache sicher fühlen konnten. Die Frage ist nicht, ob der Täter weiß, gebildet oder mit einem legalen Aufenthaltstitel versehen ist – oder nicht. Das Problem ist, dass wir in einer Gesellschaft leben, die Sexismus lebt, reproduziert, entschuldigt und unsichtbar macht!

FLTI* (Frauen, Lesben, Transgender, Trans- und Intersexuelle) auf der ganzen Welt sind in ihrem Alltag durch sexualisierte Gewalt betroffen und bedroht. Sexualisierte Gewalt ist die Folge von gesellschaftlichen Machtverhältnissen, von Patriarchat und Sexismus.

Diese sexistischen Verhältnisse gilt es anzugreifen. Genauso wie die rassistischen Argumente von Pegida, Alice Schwarzer oder dem Focus-Magazin, die immer nur dann frauenfreundlich herumposaunen, wenn es um die Stigmatisierung von Migrant*innen und nicht um Sexismus und sexualisierte Gewalt im Alltag geht. Allzu leicht wird deutlich, wie sehr es um die Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Status Quo und um die eigene Dominanzposition geht.

Die Demonstration am Frauentag 2016 möchte ein kämpferisches Zeichen an dem Ort setzen, der medial so aufgeladen ist und wo es gilt, eine starke feministische Position sichtbar zu machen.

Gefordert wird nicht weniger als eine herrschaftsfreie Gesellschaft ohne Patriarchat, Sexismus und Rassismus!

IFURIOSI (INTERVENTIONISTISCHE LINKE, DÜSSELDORF)

Bundesweite Demonstration zum Weltfrauentag 2016

Samstag, 12. März um 13.00 Uhr, Roncalli Platz – Kölner Dom

Treffpunkt für die gemeinsame Anreise aus Düsseldorf:
11 Uhr vor dem UFA-Palast