„Ohne Kooperation kommst du nicht weiter“

37 Jahre Eine Welt Forum, 32 Jahre „Eine Welt Tage“ – Ladislav Ceki, Geschäftsführer des Eine Welt Forums, gibt einen Rückblick und erzählt von der Alltagsarbeit des Netzwerkes, in dem rund 190 Kooperationspartner*innen aus Düsseldorf aktiv sind.

Terz: Wer versammelt sich unter dem Dach des Eine Welt Forums (EWF)?

Ladislav Ceki: Das sind einerseits die Initiativen, z. B. Nicaragua-Verein, Soli Cuba oder Gesellschaft für bedrohte Völker, andererseits kirchliche Gruppen und Kulturhäuser. Es gibt aber auch Mittelständler*innen, etwa die Hinkel-Bäckerei. Es ist insgesamt ein schöner breiter Blick darauf, mit wem wir in der Stadt zu tun haben.

Was hat sich in den über 30 Jahren eures Engagements verändert? Früher wart ihr als loser Zusammenschluss unterwegs. Eher aktivistische Sachen, wie die Besetzung des südafrikanischen Konsulats auf der Cecilienallee würdet ihr ja vermutlich heute nicht mehr machen.

Das würde ich so nicht sagen. Aber es gibt in der Tat Unterschiede. Früher gab es so Weltereignisse, die uns geschubst haben: Apartheid, Somoza in Nicaragua, Diktaturen in anderen Teilen der Welt, Vietnam-Krieg ... Das hat politische und Eine Welt-Leute motiviert, was zu tun und sich zusammenzuschließen. Aber es kam die Erkenntnis, dass die politischen Diskussionen nicht unbedingt zu Veränderungen beitragen – außer vielleicht bei uns und dem Gastwirt, bei dem wir tagen – deswegen sind wir immer stärker in die Projektarbeit gerutscht. Wir suchten Partner*innen, die Nicht-Regierung waren, mit denen wir auf Augenhöhe agieren konnten. Es war einfach, in Europa Geld zu sammeln, aber Medikamente beispielsweise mussten ja wegen der großen Wege eher vor Ort organisiert werden. Ein Faktor war auch das billige Fliegen ab den 1980er Jahren, wo zunehmend Leute die Welt bereisten und die Missstände hautnah sahen, wiederkamen und sich für eine Verbesserung einsetzen wollten. Verändert haben sich stark die kirchlichen Initiativen, da fehlt der Nachwuchs.

Es gab also erst diese ganzen losen Initiativen und dann dachtet ihr, es muss ein Dachverband her?

Umgekehrt! 1977/1978 kannten wir uns nicht alle untereinander, wollten das aber verbessern. So gründeten wir einen lockeren Koordinationskreis mit anfänglich 20, 25 Initiativen, dabei waren Amnesty, Terre des Hommes, Düsseldorfer gegen Atomraketen und und und. Klugerweise haben wir früh das Netzwerk gegründet, um einen Ansprechpartner für Diskussionen mit Politik und Verwaltung zu haben und jemanden, der guckt: Wo gibt es in Düsseldorf noch Aktivitäten.

War der Ansatz immer: Wie können wir praktische Hilfe leisten?

Jein, wir haben in jedem Jahr Veranstaltungen gehabt mit Referent*innen, die über aktuelle Situationen in den Ländern berichten, da diskutieren wir natürlich inhaltlich. Aber dann kommt schnell die Frage: Ärmel hoch – was können wir praktisch machen?

Welche Idee, welcher Grundgedanke soll denn vermittelt werden? Was wollt ihr bei den Leuten bewirken?

Beim Fairen Handel, einem Schwerpunktthema des EWF, soll vermittelt werden, was der eigene Konsum eigentlich mit der Situation in den produzierenden Ländern zu tun hat. Deswegen gibt es die faire Düsseldorf-Schokolade und den fairen Düsseldorf-Kaffee. Wir haben aber auch schnell gemerkt, dass Kultur-Veranstaltungen gut zur Vermittlung sind. 1992 haben wir das erste Mal im Schauspielhaus `ne Matinee gemacht zu „500 Jahre Kolumbus“, die war ausverkauft.

Würdest du sagen, dass diese Kultur-Sachen gerade in Düsseldorf eher „gehen“? Wenn schwere Kost also in Kulturformate verpackt ist?

Das ist sehr unterschiedlich. Unser Ziel ist und bleibt, so viel Wahrnehmung für die Eine Welt-Idee wie möglich zu wecken. Wir merken: Wenn du ein Angebot hast, gibt es auch die Nachfrage. Durch die Migrationsgeschichten im Europa der letzten Jahre hast du eine Zunahme von Interesse, wo wir vorher eigentlich dachten, dass das abflacht. Die politische Gemengelage spielt mit rein in unsere Arbeit, das sehen wir bei der „Flüchtlingskrise“ und auch bei TTIP und Co.

Du stellst keine Entpolitisierung oder die Tendenz zu seichter Unterhaltung fest?

Die Veränderung ist, dass die Leute neugierig sind auf neue Formate. Beispiel Unicef-Kinderkulturkarawane: Ehemalige Kindersoldaten und Straßenkinder werden als Schauspieler*innen ausgebildet und touren umher – so was hat es früher nicht gegeben, und das interessiert die Leute. Früher gab es aber tatsächlich mehr Abendveranstaltungen mit Frontal-Vortrag, das ist jetzt nicht mehr so willkommen. Auch Dokumentationen in Programmkinos nicht mehr, eher Spielfilme, die dann trotzdem einen konkreten Inhalt rüberbringen.

Über die Jahrzehnte hat sich das EWF ja sehr in das Stadtbild integriert. Gibt es dadurch mehr Schwierigkeiten als früher, weil Du dich an städtische Spielregeln halten musst?

Ja. Am Anfang waren wir unter uns Eine Welt-Inis. Aber beim Fairen Handel haben wir schnell gemerkt, wie langsam wir sind, wenn die Stadt nicht mit im Boot ist. Und wenn du mit städtischen Stellen zusammenarbeitest, musst du auch deren Spielregeln beachten, das ist gerade bei Finanzierungsfragen sehr komplex. Du kannst dir überlegen, es zu lassen, aber ohne die Kooperation kommst du nicht weiter.

Wie ist denn das Verhältnis zur momentanen Rathaus-Mehrheit? Steht und fällt die Akzeptanz mit den Politiker*innen, die gerade am Ruder sind?

Wir sind von Anfang an auf alle zugegangen, wir sind nicht danach gegangen, wer uns politisch womöglich nähersteht. Wir sind offensiv sowohl an Bungert, als auch an Erwin und Elbers, jetzt an Geisel, herangetreten. Die neue Mehrheit hat jetzt allerdings unseren Haushaltstitel noch erhöht. Die Gefahr ist dagegen real auf Landes- und Bundesebene. Auf Landesebene habe ich schon oft gegen die Wand geredet. Lokal hast du bessere Chancen, weil du direkt vor Ort in Kontakt stehst, das Vertrauen ist groß. Im Rathaus ist die Anerkennung da, dort gab es schon tolle Veranstaltungen. In den 1990ern zum Balkankrieg mit Hans Koschnick, vor ein paar Jahren zur Fairtrade Town und kürzlich zu TTIP.

Hierneben, was war dein Highlight bei den Eine Welt-Tagen und worauf freust du dich bei den kommenden Eine Welt-Tagen?

Zunächst ist es toll, dass wir 32 Jahre trotz Finanzierungsschwierigkeiten durchgehalten haben. Mein persönliches Highlight dieses Jahr ist die Kooperation mit dem Jungen Schauspielhaus: Das Café Eden. Es soll eine Begegnungsstätte für Anwohner*innen sein, viele Menschen mit Migrationshintergrund, da gibt es viele in Rath durch die früheren Mannesmann-Röhrenwerke, und für Geflüchtete, in der Nähe gibt es ja drei Unterkünfte. Das Junge Schauspielhaus soll jeden Montag von 15 bis 22 Uhr geöffnet sein, und es ist noch völlig unklar, was dabei herauskommt, wir sind alle sehr gespannt. Es ist ein Highlight, weil es auch Chefsache beim Schauspielhaus ist und für mindestens drei Jahre geöffnet sein soll. Wir sind gemeinsam mit dem Zakk Kooperationspartner.

Was möchtest du noch loswerden?

Bei Fragen über unsere Arbeit stehen wir für jede*n gern zur Verfügung!
Eine-Welt-Tage:
„Be Fair To Me”

Unter diesem Motto lädt der Verein “Eine Welt Forum Düsseldorf” zu verschiedenen Veranstaltungen bis Ende November ein (http://eine-welt-tage.de). An den Eine-Welt-Tagen beteiligen sich auch die Düsseldorfer Programmkinos. Im September und Oktober werden hier 30 Filme zu den Themen Flucht, Fremdsein und Heimat gezeigt im Rahmen der „Eine Welt Filmtage“. Sie ermöglichen seltene Einblicke in das Leben und die Kultur anderer Länder und behandeln gesellschaftskritische Themen. Gezeigt werden Dokumentationen und Spielfilme in Erstaufführung - mit Werken unter anderem aus Deutschland (“Stadt als Beute”), Neuseeland (“Mahanna - eine Maori-Saga”), Serbien (“Enklave”), Frankreich (“Von Trauben und Menschen”), Mexiko (“Mirar Morir”), Tunesien (“Hedi”), Türkei und Schweiz (“Köpek - Geschichten aus Istanbul”) und den Niederlanden (“Burden of Peace”).