Ravensbrück

Eindrücke von einer Fahrt ins ehemalige Frauen-KZ

Anfangs war ich eher skeptisch. Vier Tage nach Fürstenberg/Havel, um dort die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zu besuchen? Das erschien mir trotz des informativen Vorbereitungsseminars deutlich zu lang, als ich an einem frühen Septembermorgen in den ICE nach Berlin einstieg, um an der 13. Fahrt des „Arbeitskreises Gedenkstättenfahrt“ teilzunehmen. Und auch die Vorstellung, in einem der Häuser in der ehemaligen SS-Siedlung zu nächtigen, in dem damals das weibliche Wachpersonal („SS-Gefolge“) untergebracht war, erfüllte mich nicht gerade mit Vorfreude. Meine Zweifel zerstreuten sich aber schon am ersten Tag. Ich fühlte mich sehr wohl in der Gruppe, die aus mehr als 20 Menschen – zum Großteil Frauen – bestand. Die Sorge wegen der Übernachtung in den Häusern – heute eine Jugendherberge – stellte sich als unberechtigt heraus, selbst ehemalige Häftlinge übernachten hier und verstehen das als eine Art von „Rückeroberung“ und als Niederlage für die Nazis. Auch das mit der verfügbaren Zeit hatte ich völlig falsch eingeschätzt. Gerne wäre ich noch einen Tag länger geblieben, um mir noch das anzuschauen, für das die Zeit nicht gereicht hatte.

Wie wir vor Ort bei der historischen Stadtbegehung und Spurensuche unter dem Motto „Nichts gewusst?“ erfuhren, waren wir bei den Ankunft im beschaulichen Fürstenberg an demjenigen Bahnhof ausgestiegen, an dem damals auch die vielen ins KZ Ravensbrück Deportierten angekommen waren, von denen fast 30.000 das Lager nicht überlebten. Eine weitere Station war der Stadtpark, gelegen an einem im wahrsten Sinne des Wortes überschaubaren See, der das Lager von Fürstenbergs – damals selbstredend zumeist unwissenden und untätigen – Einwohner*innen trennte.

Neben der gut aufbereiteten Hauptausstellung bietet die Mahn- und Gedenkstätte kleinere Ausstellungen, z.B. zum Thema Zwangsarbeit, zum weiblichen Wachpersonal, zur Lagerleitung und zum Lagergefängnis. Nach einer Erkundung des Geländes mit sich anschließenden Erläuterungen gab es die Gelegenheit, sich all diese Ausstellungen anzuschauen, mit vorheriger Einführung ins jeweilige Thema und späterer Auswertung in der Gruppe. Leider mit Ausnahme der Ausstellung über das weibliche Wachpersonal, die aufgrund von technischen Problemen geschlossen war. Am letzten Tag ging es dann – unter Leitung von zwei engagierten Frauen der „Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark“ – zum etwa 30 Fußminuten entfernten Gelände des nahezu vergessenen ehemaligen Mädchen-KZ Uckermark (dem KZ Ravensbrück angegliedertes „Jugendschutzlager“), das nach der Verlegung der jugendlichen Insass*innen den Nazis in den letzten Monaten vor der Befreiung als Ort der Ermordung von selektierten Ravensbrück-Häftlingen diente. Gäbe es die genannte Initiative nicht, die das Gelände in Eigenregie nach und nach erschlossen und hier einen liebe- und würdevoll gestalteten Erinnnerungs- und Gedenkort geschaffen hat, so wäre heute noch weniger Menschen bekannt, dass es dieses KZ überhaupt gab. Es wäre auf dem nach 1945 von der Sowjetarmee komplett überbauten Gelände auch heute nicht erkennbar, was vor 1945 dort geschah.

Insgesamt war es eine tolle, gut organisierte Fahrt, die ich jeder und jedem nur empfehlen kann, ebenso wie die Fahrten nach Tschechien und Polen.

Eine Teilnehmerin der Fahrt

Anmerkung des AK Gedenkstättenfahrt: Die Fahrt wurde von den ASten der HSD und Uni Köln sowie mehreren Autonomen Frauen/LesBi-Referaten unterstützt und dadurch mit ermöglicht. Kontakt: ak-gedenk[at]gmx[dot]net.


Termine

Der Antifaschistische Arbeitskreis (HSD) präsentiert als Mitveranstalter:

Mittwoch, 26. Oktober 2016, 19.30 Uhr, Hinterhof - Linkes Zentrum, Corneliusstr. 108
INPUT – Antifaschistischer Themenabend
Mit Moskau gegen die USA? Die Russland-Strategien der (extremen) Rechten in Westeuropa.
Referent: Jörg Kronauer (Freier Journalist aus London, Referent des Antirassistischen Bildungsforums Rheinland).
Russland ist wieder ein Thema in der äußersten Rechten. Nicht nur die NPD ist um Beziehungen zu russischen Faschisten bemüht. Auch die AfD ist aktiv und knüpft Kontakte zu Vertretern der Putin-Partei „Einiges Russland“. Eine Kooperation der äußersten Rechten mit Russland hätte eine breite Basis: Auch das dumpf-rassistische Milieu, das sich im Rahmen von PEGIDA erstmals in größerem Umfang auf die Straße wagte, hegt starke Sympathie für das Land. Hintergrund sind die altbekannten antiwestlichen Ressentiments in der äußersten deutschen Rechten: „Der Westen“ gilt ihr als der Inbegriff des verhassten Liberalismus; Russland erscheint ihr als Gegenbild. Tausende Russlanddeutsche gehen in der BRD gegen „Ausländerkriminalität“ auf die Straße. Und auch außerhalb Deutschlands tut sich einiges. Was geschieht da? Die Veranstaltung informiert über die Russland-Strategien der westeuropäischen Rechten, beleuchtet die Hintergründe der russischen Unterstützung für AfD, FPÖ & Co. und blickt auf die Folgen.
Aktuelle Veranstalter*innen: Antifaschistischer Arbeitskreis und AG INPUT, in Kooperation mit dem Antirassistischen Bildungsforum Rheinland (ABR) und SJD – Die Falken Düsseldorf.

INPUT – antifaschistischer Themenabend in Düsseldorf existiert seit 2002 und findet in der Regel einmal monatlich statt, zumeist am letzten Mittwoch im Monat im „Hinterhof - Linkes Zentrum“, hin und wieder auch im Kulturzentrum zakk und im Buchladen BiBaBuZe. Unregelmäßig werden zusätzliche INPUT-Spezial-Veranstaltungen angeboten. Ankündigungen unter http://linkes-zentrum.de.
Aktuelle INPUT-Veranstalter: Antifa-Arbeitskreis an der FH Düsseldorf und AG INPUT, in Kooperation mit dem Antirassistischen Bildungsforum Rheinland (ABR) und SJD – Die Falken Düsseldorf.

INPUT-Vorschau:

Dienstag, 18. Oktober 2016, geöffnet ab 19.00 Uhr (Vortragsbeginn 20.00 Uhr), Hinterhof - Linkes Zentrum, Corneliusstr. 108
Antifa-Café zum Thema „Geschichte der Antifa“.
Über den eineinhalb- bis max. zweistündigen Vortrags- und Diskussionsteil hinaus: Volxküche, Infostände aktiver Gruppen, Kneipe...

30. November 2016, 20.00 Uhr, zakk, Fichtenstr. 40
Die AfD vor den nordrhein-westfälischen Landtagswahlen.
Referent: Andreas Kemper (Publizist und Soziologe aus Münster), in Kooperation mit dem Bündnis DSSQ.