Der große Vorsitzende in Düsseldorf

Eine Zeit lang hat der Maoismus auch in Düsseldorf getreue Anhänger*innen gefunden. In einer Serie stellt das MAO-Projekt für die TERZ einige Gruppen vor. Teil eins berichtet vom Klöckner-Werk. Wo Düsseldorf heute mit Kiefernstraße und ZAKK zumindest ein bisschen gelebte Alternativkultur aufweisen kann, haben in den 1970ern maoistisch orientierte Gruppen den Betrieb auf Trab gehalten.

Das Werk der Klöckner Drahtindustrie, ab 1972 Vereinigte Drahtindustrie (VDI), in der Kiefern-, Fichten- und Pinienstraße in Flingern-Süd war Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre nur ein eher kleiner Betrieb mit um die tausend Beschäftigten, von denen die Mehrheit sogenannte Gastarbeiter*innen waren.

Bundesweit bekannt wurde der Betrieb vor allem durch die zahlreichen Streiks, die von der Belegschaft durchgeführt wurden. So wurde bei Klöckner Düsseldorf bereits während der „Septemberstreiks 1969“ genannten Welle wilder Streiks für 50 Pfennig mehr eingetreten, und auch an der Welle wilder Streiks im Sommer 1973 beteiligte sich die Belegschaft wieder, nachdem es bereits im November 1972 zu Streikaktionen gekommen war, bei denen erneut 50 Pfennig mehr für alle gefordert worden war.

In dem Werk war neben der moskautreuen Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) ab 1971 auch die maoistische, aus Westberlin kommende Kommunistische Partei Deutschlands-Aufbauorganisation (KPD/AO) von Christian Semler und Jürgen Horlemann tätig, die bei Klöckner eine ihrer ersten Betriebszellen außerhalb Berlins gründete. Dies geschah vermutlich, weil sie über Anhänger*innen im Betrieb verfügte, vor allem unter den Lehrlingen. Auch im Betriebsrat hatte die sich bald nur noch KPD nennende Gruppe Freund*innen. Die KPD berichtete in ihrem Zentralorgan immer wieder von Klöckner, führte anhand des Betriebes erste beispielhafte Untersuchungen zur Frage der Werkswohnungen durch, aber auch zu den Wohnverhältnissen der ausländischen Arbeiter*innen. Für Klöckner selbst veröffentlichte die KPD eine Betriebszeitung ‚Kommunistische Arbeiterpresse‘, die mindestens etwa einmal monatlich erschien.

Ab Ende 1973 wurden dann Pläne für Massenentlassungen und die Stilllegung des Werkes bekannt, auf die die Belegschaft mit Kampfaktionen wie eine Demonstration vor der Konzernzentrale in Duisburg am 7. Januar 1974 antwortete, wodurch die Stilllegung etwas hinausgezögert wurde. Betroffen von diesen Plänen waren auch die anderen Werke der mittlerweile Klöckner Vereinigte Drahtindustrie (VDI) heißenden Sparte des Klöckner-Konzerns.

Im Sommer 1974 erfolgte die Stilllegung dann schließlich doch, wobei die linke Presse darauf hinwies, dass dafür keineswegs sinkende Umsätze des Klöckner-Konzerns ursächlich gewesen seien.


Der ausführlichere Beitrag des MAO-Projekts zu diesem Betrieb findet sich unter: http://mao-projekt.de/BRD/NRW/DUE/Duesseldorf_Kloeckner.shtml

Das MAO-Projekt

Das Projekt „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO) wurde von Dietmar Kesten und Jürgen Schröder ins Leben gerufen. Seit über 30 Jahren widmen sie sich, unter Mitarbeit von Dieter Osterloh, der Geschichte der radikalen Linken und der sozialen Bewegungen der Bundesrepublik Deutschland. So ist eine riesige, für die Nutzer*innen kostenfreie Datenbank entstanden, in der Scans von – oft raren – Originaldokumenten und ihre Auswertungen abgerufen werden können. Derzeit umfassen die Texte ca. 300 MB in 16.795 Dateien und es wurden ca. 216.000 Scans veröffentlicht.

Beim Surfen vorbeischauen unter: http://mao-projekt.de