Auch ohne Friseur weiterhin die Haare schön

Das damenundherren verlässt Ende Februar seine alteingesessenen Räumlichkeiten auf der Oberbilker Allee 35. Wie es dazu kam und warum das noch lange nicht das Ende von damenundherren (duh) ist, erzählt der Vorstand des Vereins im Interview mit der TERZ.

TERZ: Wieso zieht ihr denn aus, müsst ihr oder wollt ihr?

duh: Das duh muss tatsächlich Ende Februar die Räumlichkeiten verlassen, weil vor einigen Monaten eine – fristgerechte – Kündigung von der Vermieterin, der „Berlinhaus Verwaltung GmbH“, ausgesprochen wurde. Obwohl es in den ganzen Jahren immer wieder Probleme mit Berlinhaus gab, hat uns die Kündigung kalt erwischt, sie kam ziemlich unerwartet. Es gab natürlich die üblichen Streitigkeiten mit Hausbewohner*innen und dem Ordnungsamt wegen Lärmbelästigung. Dabei war eine Schwierigkeit, dass das Ladenlokal keine Gaststättenkonzession und daher auch keinen speziellen Schallschutz hatte. So schwebte über den Veranstaltungen dann immer wieder die Drohung, dass das Lokal geschlossen werden müsse, sollte es weitere Beschwerden geben.

TERZ: Das war also der Grund für die Kündigung?

duh: Wir vom Verein vermuten, dass es nicht der ausschlaggebende Grund war. Im Laufe der Zeit wurde ja sogar der Schwerpunkt der Veranstaltungsformate verändert. Am Anfang spielte die Live-Musik eine sehr große Rolle. Aber je mehr Musik-Veranstaltungen gemacht wurden, desto mehr Probleme gab es mit den Bewohner*innen des Hauses. Die Musik wurde deswegen mehr und mehr zurückgefahren. Wir denken, dass die Kündigung auch mit den Streitigkeiten um die Schimmelbildung in den Räumlichkeiten zu tun hat. Da hatten wir uns wegen der unklaren Verantwortlichkeiten auch juristisch mit der Berlinhaus auseinanderzusetzen.

TERZ: Trotz der ganzen Probleme ist es ziemlich schade, dass ihr aus der Oberbilker Allee ausziehen müsst.

duh: Ja klar. Vor allem zu einem Zeitpunkt, an dem der Verein auch finanziell auf einen besseren Weg gekommen ist. Durch Veranstaltungen und Partys, und insbesondere durch die Zwischennutzung letzten Sommer im Haus Kolvenbach sind wir wieder deutlich in die schwarzen Zahlen gekommen.

TERZ: Was sagen denn die Mitglieder zu den Auszugsplänen?

duh: Auf der Generalversammlung kürzlich wurde ja beschlossen, dass es mit duh weitergehen soll. Auch wenn längst nicht alle 104 Vereinsmitglieder anwesend waren, ist es natürlich ein schönes Stimmungsbild. Dennoch ist die Atmosphäre momentan eher gedrückt, weil noch unklar ist, wie es weitergeht. Das duh ist seit Vereinsgründung 2003 im ehemaligen Friseursalon untergebracht, so ist das duh ja überhaupt erst zum Namen gekommen. Es geht natürlich viel verloren, wenn wir da wegziehen.

TERZ: Für viele ist es daher bestimmt auch schwierig, sich das duh woanders vorzustellen.

duh: Das wird sich zeigen. Klar bringen die meisten das duh mit diesem speziellen Ort in Verbindung. Einige im Verein haben deswegen die Sorge geäußert, dass mit einem Umzug auch Mitglieder abspringen werden. Momentan ist es ja sogar die Situation, dass es sich ab März um einen Verein ohne – dauerhaften – Ort handelt. Rein virtuell, als Website, kann er sicherlich nicht funktionieren.

TERZ: Wie sind die Perspektiven für ein neues Ladenlokal?

duh: Es ist sehr schwierig, das ist klar. Wir haben drei Rahmenbedingungen, durch die fast alle Lokalitäten durchs Raster fallen. Zum einen sollte das neue Ladenlokal in der Nähe des alten sein, also weitestgehend in der Kernstadt. Dann sollte es nicht mehr als 1.000 Euro warm kosten. Einige im Verein plädieren zwar dafür, auf eher Ruhigeres wie Lesungen und Ausstellungen zu setzen. Andere denken aber, dass Musik unbedingt dazugehört und es ohne nicht geht, daher suchen wir noch nach Orten, wo lautere Veranstaltungen möglich sind, ohne dass gleich das Ordnungsamt auf der Matte steht. Wir haben noch nichts Geeignetes gefunden und sind dankbar für jeden Hinweis!

TERZ: Habt ihr denn geheime Visionen und Wunschträume von einem Ort?

duh: Eine alte Fabrik vielleicht – wobei sich da die Frage nach der Zentralität stellt und auch, welche Auflagen erfüllt werden müssen. Auch der Bilker Bunker auf der Aachener Straße war mal im Gespräch, aber dort wäre ein Einzug wenn überhaupt erst ab 2018 möglich. Tja, und dann gibt es die Idee von einem Bus: eine fahrende Bleibe also. Auch eine schöne Sache wäre die Anmietung eines Kiosks.

TERZ: Was geschieht nun ab März, wenn ihr obdachlos seid?

duh: Im März werden wir vermutlich keine Veranstaltungen machen. Aber von April bis Juni dürfen wir temporär im Forum Freies Theater in der Jahnstraße zu Gast sein. Das ist schon mal eine Rettung, obwohl es natürlich kein Vereinslokal ist und wir unsere Sachen nicht alle unterbringen können. Es bleibt abzuwarten, was wir dort realisieren werden, weil noch nicht klar ist, wie laut die Veranstaltungen sein können. Aber wir möchten auf jeden Fall unsere Formate „Wortstrom“, „pingpongundpogo“ sowie „aufgegabelt“ stattfinden lassen. Das Prinzip Gastspiel haben wir letztes Jahr ja auch schon im Haus Kolvenbach im Volksgarten mit Theater, Konzerten und Partys ausprobiert. Und das Gute am FFT ist außerdem, dass dort keine laufenden Kosten für uns entstehen, für Miete oder so, wir uns also in Ruhe weiter nach einer dauerhaften Bleibe umschauen können.

TERZ: Wie sehen die letzten Wochen im Februar im „alten“ duh aus?

duh: Im Februar gibt es noch einmal einige unserer gewohnten Formate, wie die „Pecha Kucha Night“ und „Wortstrom“. Aber es wird auch Termine geben, bei denen es um Aufräumen, Abbauen und Ausziehen geht - vielleicht machen wir auch eine Auktion mit Teilen der Einrichtung.

TERZ: Vielen Dank für das Interview und alles Gute!


wir sind

ein off-raum, gemeinnützig und unabhängig. das heißt: prinzipiell ist bei uns alles möglich. kunst oder design? hoch-, pop- oder subkultur? erstmal egal. wir sind für alles offen und machen das, worauf wir lust haben. klassische formate wie ausstellungen, konzerte, theateraufführungen, filmabende und lesungen finden bei uns ebenso statt wie pingpongundpogos, peanutbutterjellytimes oder pechakucha nights. pecha was? siehste! bei uns gibt es sachen, die es anderswo nicht gibt. kommt man ins damenundherren, kann es sein, dass hitzig über die düsseldorfer malerschule diskutiert wird oder jemand geschichten aus der fieberwelt liest, dass leute zu elektromusik um die tischtennisplatte herumlaufen oder youtube-videos schauen. alles möglich.

http://www.damenundherren.de
info[at]damenundherren[dot]de

Veranstaltungen im Februar

01. Februar: offene Mitgliederversammlung
02. Februar: damenundherren singen: Chor im damenundherren. Frei nach dem Motto „singen statt saufen!” lädt das damenundherren zum gemeinsamen Singen ein.
03. Februar: Lesung Jan Off. Jan Offs Kurzgeschichten und Romane sind weder für Kinder noch für Erwachsene geeignet. Seine Erzählungen handeln von in Eckkneipen sitzenden Menschen, die den Anforderungen des Alltags bereits entsagt haben, von Punkrock und Halbleichen.
04. Februar: Finissage logout35. Aus, Ende, Schluß, Fini, vorbei, logout 35 – 24 künstler*innen - 1 letzte Finissage.
06. Februar: wortstrom – „we love books!“ – Lieblingsbücher. Zum allerletzten Mal kann das wortstrom-team sich in dieser Location über den gemeinsamen Lesetrieb freuen und sich gegenseitig mit Buchtipps inspirieren!
09. Februar: damenundherren singen.
10. Februar: pechakucha night vol. XIV. Das Ende der Welt. Und vorher noch eine pechakucha.