Der große Vorsitzende in Düsseldorf, Vol. II

Eine Zeit lang hat der Maoismus auch in Düsseldorf getreue Anhänger*innen gefunden. In einer Serie stellt das MAO-Projekt für die TERZ einige Gruppen vor. Teil eins berichtete von maoistischen Betriebszellen rund um das Klöckner-Werk in Flingern. Im zweiten Teil werden wir mit den Umtrieben des Stadtteilkomitees der KPD in Eller und Lierenfeld bekannt gemacht.

In Eller und Lierenfeld, wo u.a. die Düsseldorfer Waggonfabrik (DÜWAG) sowie die Mannesmann-Röhrenwerke ansässig waren, agitierte ab Ende 1971 ein Stadtteilkomitee der KPD, die ihr Parteibüro dort hatte und für die es sich hierbei um einen ersten Versuch der Stadtteilarbeit handelte.

In enger Verbindung mit den Betriebszellen der KPD bei Klöckner - Vereinigte Drahtindustrie (VDI) (siehe TERZ 01.17) und vor allem bei den Mannesmann Röhrenwerken in Lierenfeld, versuchte dieses Komitee, Kämpfe in der Reproduktions- und Distributionssphäre anzuleiten bzw. zu entfachen. Ein Beispiel ist der Protest gegen die Fahrpreiserhöhungen im Januar 1972 oder gegen den Bundesparteitag der NPD, den diese am 21. Oktober 1972 in Eller abhalten wollte. Das Stadtteilkomitee widmete sich aber auch der Vietnamsolidarität: Im Stadtteil wurde ein Vietnamausschuss gegründet, der denjenigen bei Mannesmann in Lierenfeld ergänzte. Auch eine kleine Vietnamdemonstration wurde im Stadtteil durchgeführt.

Obwohl sich das Komitee beispielsweise ebenfalls um die Agitation unter den Rentner*innen in den Altenheimen bemüht, war das wohl wichtigste Arbeitsfeld jedoch zunächst der Kampf gegen die Miet­erhöhungen bei den Rheinischen Wohnstätten. Hierbei handelte es sich um die Werkswohnungen von Mannesmann und die Verbindung zum betrieblichen Kampf ließ sich auch hier erneut vorbildlich herstellen.

Das Stadtteilkomitee Eller/Lierenfeld engagierte sich aber nicht nur bei den Rheinischen Wohnstätten in der Mieter*innenarbeit, sondern dehnte die Agitation auf alle Sozialwohnungsmieter*innen aus, konzentriert sich dann vor allem auf die Stadtwohnungen oder -wohnheime am Kuthsweg und enthüllt die dortigen elenden Zustände, unter denen nicht zuletzt die Kinder litten.

Als es im Sommer 1973 dann bei Mannesmann Lierenfeld zur politisch motivierten Entlassung eines der KPD nahestehenden Jugendvertreters kam, zog erneut eine Protestdemonstration durch Lierenfeld. Ab 1974 scheint das Stadtteilkomitee sich dann jedoch aufgelöst zu haben.

Das MAO-Projekt

Das Projekt „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO) wurde von Dietmar Kesten und Jürgen Schröder ins Leben gerufen. Seit über 30 Jahren widmen sie sich, unter Mitarbeit von Dieter Osterloh, der Geschichte der radikalen Linken und der sozialen Bewegungen der Bundesrepublik Deutschland. So ist eine riesige, für die Nutzer*innen kostenfreie Datenbank entstanden, in der Scans von – oft raren – Originaldokumenten und ihre Auswertungen abgerufen werden können. Derzeit umfassen die Texte ca. 300 MB in 16.795 Dateien und es wurden ca. 216.000 Scans veröffentlicht.

Beim Surfen vorbeischauen unter: http://mao-projekt.de