Termine Der Antifa-AK an der Hochschule Düsseldorf und andere präsentieren: Ernst Krombach und seine Deportation in das „Transitghetto“ Izbica. Montag, 3. April 2017, 19.30 Uhr, HS Düsseldorf, Geb. 3, Raum 1.001, Münsterstr. 156 Referent: Joachim Schröder (Historiker, Erinnerungsort Alter Schlachthof) „Du würdest nie das richtige Leben hier aus Worten verstehen können, niemand.“ Vor 75 Jahren begannen die deutschen Besatzer, die jüdische Bevölkerung in Polen systematisch zu ermorden („Aktion Reinhardt“). Hunderttausende Menschen wurden aus den Ghettos in die eigens eingerichteten Mordlager verschleppt, nach Treblinka, Sobibór und Bełżec. Diese Orte sind heute nur wenigen ein Begriff. Auch ist kaum bekannt, dass zehntausende deutsche Jüdinnen und Juden Opfer dieser Mordaktion wurden. Sie waren zwischen März und Juni 1942 in die Region Lublin verschleppt worden, darunter fast 2.000 Menschen aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf. Am 22. April 1942 verließ der Deportationszug „Da 52“ den Derendorfer Güterbahnhof Richtung Lublin. Unter ihnen: der 20-jährige Essener Ernst Krombach. Seine Verlobte, Marianne Strauß, hatte er nur mit Mühe davon abhalten können, ihn freiwillig zum vorgeblichen „Arbeitseinsatz im Osten“ zu begleiten. Er überlebte den Holocaust nicht. Wo und wie Ernst Krombach ermordet wurde, ist ungewiss. Seine heimlich aus dem Ghetto geschmuggelten Briefe an Marianne indes sind bis heute einzigartige Lebenszeichen aus dem „Transitghetto“ Izbica. Anhand von Krombachs Biographie schildert Joachim Schröder den Ablauf der Deportation, die ihren Ausgang am Düsseldorfer Schlachthof nahm. Skizziert werden sowohl die Lebensverhältnisse in Izbica als auch die Grundzüge der „Aktion Reinhardt“. Veranstalter*innen: Erinnerungsort Alter Schlachthof, Projekt Erinnerungs- und Lernort des AStA der HSD, Antifaschistischer Arbeitskreis an der HSD, Antirassistisches Bildungsforum Rheinland, Arbeitskreis Gedenkstättenfahrten, Butze, ZAKK Der Graue Wolf legt den Schafspelz ab. Türkische faschistische Bewegungen und ihre Strukturen in Deutschland Mittwoch, 26. April 2017, 20.00 Uhr, ZAKK, Fichtenstr. 40, Düsseldorf INPUT – Antifaschistischer Themenabend Referent: Orhan Sat (Politikwissenschaftler) Eine Veranstaltung in erweiterter Kooperation mit „AKKUSTAN – Antifaschistische Koordination Kurdistan Düsseldorf“. Seit dem Aufschwung der diktatorischen Politik Erdoğans gewinnen auch die Aktivitäten türkischer Faschist*innen in Deutschland an Fahrt. Schon nach den ersten Wahlen des Parlaments in Ankara im Juni 2015 wurde der Friedensprozess zwischen der kurdischen Bewegung und dem türkischen Staat einseitig von Erdoğan beendet. In der Folge kam es auch in ganz Deutschland zu Aufmärschen und Aktionen von nationalistischen und faschistischen Kräften. Die „Grauen Wölfe“ spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie werden vom türkischen Staat und Militär immer wieder als paramilitärische Einheiten in den kurdischen Gebieten eingesetzt und begehen dort massive Menschenrechtsverletzungen. In Deutschland sind sie die bekannteste, aber nicht die einzige faschistische türkische Gruppierung. 2015 wurden im Anschluss an eine türkisch-nationalistische Kundgebung in Hannover kurdische Gegendemonstrant*innen von Mitgliedern und Sympathisant*innen der „Grauen Wölfe“ angegriffen. Dabei wurde ein Jugendlicher durch Messerstiche am Hals verletzt. In Düsseldorf treten die „Grauen Wölfe“ im Mantel der „Turk Federasyon“ auf, einer Organisation der MHP, der faschistischen Partei der Türkei. Seit Jahren meldet die „Turk Federasyon“ am ersten Mai-Wochenende eine Demonstration an. 2016 war hier deutlich zu spüren, dass die „Grauen Wölfe“ ihre nationalistische Politik aggressiver in die Öffentlichkeit tragen wollen. Mittlerweile haben die Angriffe auf Kurd*innen und linke Türk*innen in Deutschland noch einmal vehement zugenommen. Zugleich agiert die türkische Regierung auch in Europa zur Vorbereitung der Volksabstimmung für oder gegen eine Präsidialdiktatur offen nationalistisch. Der türkische Außenminister zeigte Anfang März 2017 in Hamburg den sogenannten Wolfsgruß, das Erkennungszeichen der türkischen Faschist*innen. Höchste AKP-Funktionär*innen beziehen sich inzwischen unverhohlen auf die „Grauen Wölfe“. Geschickt heizt Erdoğan die Stimmung zusätzlich an, wenn er der bundesdeutschen Regierung vorwirft, türkische Interessen unterdrücken zu wollen. Wo der Opfermythos dermaßen unverblümt geschürt wird, ist eine nationalistische Mobilisierung nicht weit. Über die Konsulate, die (staatlichen) Ditib-Moscheen und nicht zuletzt den türkischen Geheimdienst MIT werden diverse Aktionen türkischer Nationalist*innen koordiniert; auch die der „Grauen Wölfe“. Nicht von ungefähr war der Attentäter, der vor zwei Jahren in Paris drei kurdische Aktivistinnen ermordete, nicht nur Mitarbeiter des türkischen Geheimdienstes, er pflegte auch schon vorher gute Kontakte zu extrem rechten türkischen Vereinen in Deutschland. Wer sind die „Grauen Wölfe“, die den extremsten Teil der türkisch-nationalistischen Bewegung bilden? Welche anderen Gruppierungen sind in diesem Spektrum aktiv? Der Politikwissenschaftler Orhan Sat recherchiert, schreibt und referiert zu deutschem und türkischem Nationalismus. Er wird die Ideologie der „Grauen Wölfe“ vorstellen, ihre Strukturen in Deutschland, Europa und in der Türkei beleuchten und ihre Rolle auf der Straße mit der offiziellen türkischen Regierungspolitik ins Verhältnis setzen. INPUT – antifaschistischer Themenabend in Düsseldorf existiert seit 2002 und findet in der Regel einmal monatlich statt, zumeist am letzten Mittwoch im Monat im „Zentrum Hinterhof“, hin und wieder auch an anderen Orten. Aktuelle INPUT-Veranstalter: Antifaschistischer Arbeitskreis (HSD) und AG INPUT, in Kooperation mit dem Antirassistischen Bildungsforum Rheinland (ABR) und SJD – Die Falken Düsseldorf.