Der große Vorsitzende in Düsseldorf Vol. V

Eine Zeit lang hat der Maoismus auch in Düsseldorf getreue Anhänger*innen gefunden. In einer Serie stellt das MAO-Projekt für die TERZ einige Gruppen und Aktivitäten vor. In diesem Teil werden die Aktionen der Maoisten zum 1. Mai dokumentiert.

1. Mai in Düsseldorf 1971 bis 1978

Der 1. Mai ist für die kommunistischen Gruppen nicht allein der internationale Kampftag der Arbeiterklasse zu dem jeweils aktuelle Kampfparolen aufgestellt werden, sondern auch stets der Tag, an dem versucht wird, die eigene Stärke und Verankerung in der Arbeiterklasse unter Beweis zu stellen.

Dies war auch in Düsseldorf in den 1970er Jahren nicht anders. Im Maikomitee der Gewerkschaftsjugend 1971 waren offenbar noch alle verschiedenen Fraktionen, ob nun an China oder der Sowjetunion orientiert oder auch trotzkistisch beeinflusst, gemeinsam beteiligt, da diese auch in der Gewerkschaftsjugend bzw. der damaligen Basisgruppe Lehrlingsarbeit des DGB vertreten waren.

Im folgenden Jahr allerdings versuchte vor allem die Semler- / Horlemann-KPD und ihr Kommunistischer Jugendverband, deren Freunde, auch bei Mannesmann Lierenfeld in der Jugendgruppe der IG Metall aktiv waren, ein Oppositionelles Gewerkschaftlichen Maikomitees zu gründen, an dem andere Fraktionen nicht beteiligt waren, während die zugleich stattfindenden Auseinandersetzungen um die Betriebsratswahl 1972 bei Mannesmann Lierenfeld auch immer wieder den 1. Mai bzw. die Mobilisierung dafür berührten. Dieses oppositionelle Maikomitee wurde allerdings erst in der zweiten Aprilhälfte aktiv und vereinte nur wenige Kollegen aus nur vier Gewerkschaften. Es wurde auch nur eine einzige Maizeitung durch das Komitee herausgegeben. Während dieses Maikomitee einen oppositionellen Block auf der Demonstration des DGB bildete, mobilisierten die anderen linken Gruppen, wie etwa die Marxistisch-leninistische Schülergruppe, die zu der heute noch als Marxistisch-leninistische Partei Deutschlands (MLPD) aktiven Fraktion gehörte, ebenfalls zu dieser Demonstration, beteiligten sich aber nicht an dem Block der KPD und ihrer Freunde, der sich die Teilnahme an der DGB-Demonstration erzwang, wobei es auch zu Prügeleien gekommen sein soll. Anschließend fuhren die Freunde der KPD dann noch nach Dortmund, um dort ihre eigene Parteidemonstration zu stärken.

Auch 1973 bemühte sich die KPD in Düsseldorf wieder um den Aufbau eines oppositionellen Maikomitees, die Aktivitäten zum 1. Mai 1973 wurden aber durch das landesweite Demonstrationsverbot im Gefolge der Bonner Rathausbesetzung wegen des Besuchs des südvietnamesischen Präsidenten Thieu, auch in Düsseldorf teils erheblich erschwert. Im Vorfeld des 1. Mai 1973 wurde daher dann auch am 21. April 1973 eine Solidaritätsdemonstration gegen den Faschismus in Griechenland durch die Polizei zerschlagen und auch am 26. April die Agitation der Liga gegen den Imperialismus und des Komitees ‚Kampf den reaktionären Ausländergesetzen!‘ vor einem Ausländerwohnheim von Mannesmann, die zum 1. Mai mobilisieren sollte, durch einen massiven Polizeieinsatz verhindert.

Immerhin konnte die KPD dann in Düsseldorf wenigstens eine Mai-Veranstaltung ohne Polizeieinsatz durchführen, von der sie über 100 Teilnehmer berichtet. Ihre örtliche Anhängerschaft war also recht überschaubar.

Auf der Düsseldorfer DGB-Demonstration zum 1. Mai 1973 ist die Polizei dann wieder massiv präsent und geht gegen den oppositionellen Block des Maikomitees vor.

Im folgenden Jahr gab es kein Demonstrationsverbot, aber dafür wiederum ein von der KPD unterstütztes Maikomitee, die einen eigenen Block im gemeinsamen oppositionellen Block von mehreren hundert Menschen bildeten.

Zum 1. Mai 1975 organisierten sowohl die KPD in Dortmund als auch die KPD/ML in Duisburg eigene ‚revolutionäre‘ Maidemonstrationen, zu denen sie auch aus Düsseldorf aufriefen und mit ihren Anhängern dort teilnahmen.

Während es die Düsseldorf Freunde der KPD, die in ihrer Agitation mittlerweile den Kapitalismus und den russischen Sozialimperialismus gleichermaßen anprangerten, 1976 erneut zur eigenen Maidemonstration nach Dortmund zog, wurde in Düsseldorf von den Linken eine Demonstration organisiert, da der DGB selbst sich auf eine Kundgebung beschränkte.

Zu dieser Demonstration riefen sowohl die die Sozialistische Jugend Deutschlands (SJD) - Falken und das Kulturzentrum, als auch die trotzkistische Gruppe Internationale Marxisten (GIM), die schon länger am Ort präsent und auch innerhalb der Falken aktiv war. Diese linke Maidemonstration 1976, die trotz der Nichtorganisierung durch den DGB zustande kam und zwar nur wenige hundert Teilnehmer hatte zog dann zur Kundgebung des DGB, die ebenfalls nur um die zwei- bis dreitausend Zuhörer fand, obwohl zur selben Zeit ein heftiger Tarifkampf in der Druckindustrie ausgetragen wurde.

Auf der Kundgebung des DGB agitierte 1976 dann auch, offenbar als einzige marxistisch-leninistische Gruppe, die erst seit kurzem aktive Kommunistische Gruppe Düsseldorf, die mit dem Kommunistischen Bund Westdeutschland sympathisierte, wobei wichtige Kader u.a. aus Darmstadt und Hildesheim zugezogen waren. Die Freunde der KPD versuchten sich im Vorfeld des 1. mai 1976 offenbar auch im Abreißen der Maiplakate der Kommunistischen Gruppe, die dies selbst als Beweis ihrer relativen Stärke wertete.

In den Jahren 1977 und 1978 wurden die Maidemonstrationen angesichts des Aufschwungs der sogenannten ‚neuen sozialen Bewegungen‘ immer bunter gemischt, die K-Gruppen scheinen stark an Wichtigkeit zu verlieren, auch wenn sie sich wie der Kommunistische Arbeiterbund Deutschlands (KABD), die Vorläufergruppe der heutigen MLPD, intensiv auf die die Maikampagne und die Maiveranstaltung vorbereiteten, wobei 1977 sowohl die Arbeitsplätze in der Druckindustrie gefährdet waren, als auch die Stilllegung der Mannesmannwerke in Reisholz im Raum stand.

Der MAO-Artikel liegt unter:
http://mao-projekt.de/BRD/NRW/DUE/Duesseldorf_Erster_Mai.shtml

Das MAO-Projekt

Das Projekt „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO) wurde von Dietmar Kesten und Jürgen Schröder ins Leben gerufen. Seit über 30 Jahren widmen sie sich, unter Mitarbeit von Dieter Osterloh, der Geschichte der radikalen Linken und der sozialen Bewegungen der Bundesrepublik Deutschland. So ist eine riesige, für die Nutzer*innen kostenfreie Datenbank entstanden, in der Scans von – oft raren – Originaldokumenten und ihre Auswertungen abgerufen werden können. Derzeit umfassen die Texte ca. 300 MB in 16.795 Dateien und es wurden ca. 216.000 Scans veröffentlicht.

Beim Surfen vorbeischauen unter: http://mao-projekt.de