Gegen Sarrazin im FeinStil

Am 17. und 18. Mai hat das Weinlokal FeinStil am Fürstenplatz den rechtspopulistischen Thilo Sarrazin für eine Lesung aus seinem neuen Buch eingeladen. Seit der Ankündigung der Veranstaltung regt sich im Stadtteil massiver Widerstand, die „Nachbarschaft ohne Rassismus“ schrieb einen offenen Brief (TERZ 04/17) und organisiert Proteste am Tag der Lesung. Ifuriosi (Interventionistische Linke, Düsseldorf) hat ein Interview mit den Nachbar*innen gemacht.

Ifuriosi: Ihr habt Euch anlässlich von Sarrazins angekündig­ter Lesung im FeinStil gegründet. Wer ist die Nachbarschaft ohne Rassismus?

Nachbar*innen: Durch die Plakatierung des FeinStils mit einem Veranstaltungshinweis sind wir als Nachbarn des Weinlokals auf die Lesung aufmerksam geworden. Ein, zwei Wochen strichen ins Land, bevor sich jemand über die Nachbarschaftsplattform nebenan.de äußerte und um Meinungen bat. Es fanden sich schnell einige Stimmen, die Kritik an der Lesung formulierten, und so vereinbarten wir ein erstes Treffen. Mit sieben, uns vorher fremden Nachbarn besprachen wir unsere Möglichkeiten. Wir hielten fest, dass es uns wichtig sei, dass unsere Kritik friedlich und nicht unüberlegt erfolgt. So verfassten wir den Offenen Brief und beschlossen, ihn auf einer Facebook-Seite mit der Öffentlichkeit zu teilen.

Ifuriosi: Was ist Eure Kritik an Sarrazin? Könnt Ihr das kurz in ein paar Sätze fassen?

Nachbar*innen: Herr Sarrazin trägt entschieden zur Stärkung und Verbreitung rechter Gedanken in der Mitte der Gesellschaft bei. Wenn man so wie er maßgeblich daran beteiligt ist, Menschen und Menschengruppen als minderwertig zu diffamieren, legitimiert man Ausgrenzung und Intoleranz. Seine Ausführungen sind nicht nur gekennzeichnet von mangelnder Sachlichkeit, er manipuliert. Er greift beliebig auf Statistiken zurück, die er so interpretiert, wie es zu seinem Weltbild passt.

Ifuriosi: Welches Feedback bekommt Ihr im Stadtteil? Beteiligen sich viele Leute an Eurer Kampagne?

Nachbar*innen: Im Stadtteil ist die Resonanz überwiegend positiv. Viele Lokale/Organisationen und Privatpersonen stehen uns unterstützend zur Seite. Im Internet gehen die Meinungsbilder jedoch weit auseinander und das nicht nur in der Positionierung, auch Formulierungen und Äußerungen unterscheiden sich immens. Es gibt viele Personen, die sehr eloquent und ruhig ihren Standpunkt darlegen, auch wenn er nicht dem unseren entspricht. In vielen Beiträgen zeichnet sich allerdings deutlich eine Opfer/Täter-Umkehr ab. Wenn weiße deutsche Männer ganze Bevölkerungsgruppen verunglimpfen, machen sie Gebrauch von Meinungsfreiheit. Kritik an diesen Äußerungen wandelt Sarrazin zur verfolgten Unschuld, zum „Andersdenkenden“. Von „Aufruf zur Gewalt“, „Nötigung“ und „Unterdrückung der Meinungsfreiheit mit Erpressermethoden“ wird gesprochen.

Ifuriosi: Was macht Ihr gerade? Wie versucht Ihr, im Vorfeld die Veranstaltung zu verhindern?

Nachbar*innen: Wir planen gerade zusammen mit unseren Unterstützer*innen unsere Gegenveranstaltung zur Lesung: „Fest ohne Rassismus“. Am 18.05. ab 18:30 Uhr zeigen wir gemeinsam, dass der Fürstenplatz für ein buntes und friedliches Miteinander steht. Alle sind herzlich willkommen! Wir haben nicht die Absicht, die Veranstaltung aktiv zu verhindern, wir haben eine Forderung zur Absage der Lesung durch den Veranstalter formuliert und belegen dies mit sachlichen Argumenten.

Ifuriosi: Gibt es bei euch eine Möglichkeit mitzumachen? Wenn ja, wie?

Nachbar*innen: Unterstützer*innen sind immer willkommen und können sich unter nachbarschaftohnerassismus[at]@gmail[dot]com oder unserer Facebook-Seite https://facebook.com/nachbarschaftohnerassismus gern bei uns melden.