Das wird man doch wohl noch fragen dürfen!

Kennt hier jemand Sven Tritschler? Nö? – Damit ist Schluss. Wir werten ihn auf! Schließlich stellt er sich unseren Fragen: „Schatz, wie waren wir?“

Mit Sven Tritschler aus Köln hat die „Alternative für Deutschland“ (AfD) einen Partei-Diener mit großen Ideen in das Landesparlament von Nordrhein-Westfalen geschickt. Seine erste Rede im NRW-Landtag hat der jungsche Politiker, der schon seit Jahren in der AfD aktiv ist, den Karneval liebt und ein Faible für zotige Sprüche in sozialen Medien hat, im Juli 2017 zum Thema „Quellen-Telekommunikationsüberwachung“ gehalten – „zum Wohle des deutschen Volkes“, wie er ausgangs betonte. Neben den vielen Versprechern, die sich der Abgeordnete dortselbst leistete, wartete er aber auch mit großer Kreativität auf. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Nonchalance es die Rassistinnen und Rassisten der AfD schaffen, bei egal welchem Driss auch immer ihre Ausgrenzungsdiskurse ins Spiel zu bringen. Gab der aufgeregte Tritschler in seiner Rede doch zu bedenken, dass es nicht der Bundestrojaner oder irgendein anderes technisch-digitales Instrument wäre, das Kriminalität bekämpfen könne. Die Schließung der Grenzen sei es vielmehr, mit der Terror und Verbrechen ein Ende gesetzt werden könnten.

Da durften wir gespannt sein, ob und vor allem wie Sven, der unermüdliche Kämpfer für die körperliche Unversehrtheit des „deutschen Volkes“, ähnliches volksbehütendes Gedankengut in seine Vorstellung des AfD-Antrags zur Lockerung des „Nichtraucherschutzgesetzes“ im Land Nordrhein-Westfalen würde einbauen können. Zugegeben, die Latte liegt ziemlich hoch. Aber trotzdem – was für eine Grandezza! – schaffte Tritschler es in nur drei Schritten in den Argumentationsolymp: zuerst die „links-grünen Gouvernanten“ von SPD und Grünen beschimpfen, dann sich selbst als Vertreter der „bösen Rechtspopulisten“, die „rechts sind“ und „Recht haben“, loben und drittens – Überraschung! – die Werte von „Heimat“, „Freiheit“, und „Tradition“ ins Feld führen. Das „brutale Existenzvernichtungsprogramm“ des Nichtraucherschutzes nehme schließlich dem Kleinen Mann aus der Großstadt die Eckkneipe weg, ein Biotop zwischenmenschlichen Austausches, ein Stück Geborgenheit. Und um den Kleinen Mann, um den geht es dem Sven und seiner Partei ja ganz besonders, haben wir uns sagen lassen.

Falls wir uns nicht dazu entscheiden sollten, solcherlei Geseier am Rande der parlamentarischen Unbedeutsamkeit einfach zu ignorieren, werden wir ein Rassismus- und Deutschtümel-Bingo einrichten. Dank Sven, dem teutschen Aristoteles vom Rhein, werden wir in jedem Fall den einen oder anderen Schnaps trinken.

Düsseldorf, Perle des Widerstands

Gleicher Sven Tritschler ist im Übrigen auch der Gewinner der goldenen Recherche-Kirsche! Denn er hat uns eine wirklich heitere Zeit beschert: bei der Lektüre der Kleinen Anfrage Numero 147 – Landtagsdrucksache 17/246. Hier fragt der Abgeordnete Sven „Weh-Punkt“ Tritschler die Landesregierung, was sie denn über „Hamburg“ und „G20“ wisse. Denn hier sei es schließlich zu einem „bisher ungekannten Ausmaß linksextremer Gewalt“ gekommen. Genauer bat Tritschler die NRW-Regierung, Auskunft darüber zu geben, welche „Erkenntnisse“ diese darüber habe, „dass Mitglieder oder Beschäftigte einer der folgenden Organisationen, Gruppen oder Einrichtungen aus Nordrhein-Westfalen[!] an den Ausschreitungen im Rahmen des G20-Gipfels beteiligt waren“. Fragt’s und zählt fortführend 26 „Organisationen, Gruppen oder Einrichtungen“ auf, zu denen er gerne Näheres wissen möchte. Darunter kirchenkritische Organisationen, linke Parteien und ihre Jugendorganisationen, die Gewerkschaftsjugend, in der Interventionistischen Linken organisierte Gruppen, kurdische Vereine, Kultur-Einrichtungen und Plattenlabel, eine Geflüchteten-Organisation und sogar eine Buchhandlung. Alle der Genannten: aus Düsseldorf oder mit der Stadt verbunden. Wir haben es geahnt, jetzt wissen wir es sicher: Düsseldorf, Du schnuckeliges Herzstück, Du Nabel, Kopf und Speerspitze des „Linksextremismus“ in Nordrhein-Westfalen!

Wir können förmlich sehen, wie dem Tritschler seine Gehilfen-Kombo (vermutlich aus Düsseldorf?) halb Facebook leer sucht nach verdächtigen Personen – „Mitarbeitern“ gar –, die auf Antifa-GmbH-Kosten die Hansestadt lahmgelegt haben könnten. Was für ein Panoptikum!

Aber woher kommt diese hübsche Mischung, dieser Kessel Buntes? Hat da vielleicht jemand die Liste der Organisator*innen und Unterstützer*innen des diesjährigen „Rock gegen Rechts“-Musikfestes abgetippt? Die Vermutung liegt nahe, stimmt in der Anfrage doch sowohl die Reihenfolge der genannten Gruppen und Organisationen als auch die Nennung an und für sich (die gerade bei den eher – verzeiht uns! – weniger Bekannteren der Genannten – doch eigentümlich auffällig ist) mit den von den „Rock gegen Rechts“-Veranstalter*innen veröffentlichten Teilnehmer*innen überein. Zugegeben, einige der Unterstützer*innen und Mitmachenden am diesjährigen „Rock gegen Rechts“ aus Düsseldorf fehlen in Tritschlers Bäh-Liste. Aber vielleicht waren die fleißigen Rechercheur*innen der blau-braunen Landtagsfraktion auch einfach ein bisschen früh dran, so dass ihnen der eine oder andere spätere Vogel durch die Lappen gegangen ist?

Und wenn wir schon spekulieren dürfen: Könnte es nicht gar sein, dass sich die Damen und Herren von der AfD, die sich so sehr für die Reisefreudigkeit der politischen Linken interessieren, von einem Zeitungsartikel der rechtsaußen-Zeitung „Junge Freiheit“ inspiriert gefühlt haben, ihre krude Anfrage zu formulieren? Geiferte das Nazi-Blatt doch am 11.8.2016 – kurz nach dem „Rock gegen Rechts“-Festival von 2016, dass die Stadt Düsseldorf das Musik-Event mit Haltung finanziell unterstütze. Die „Antifa-Transparente“ an der Bühne, ja, die werden wohl ein Stein des Anstoßes für die rechte Zeitung gewesen sein. Aber – Bitte! –, dass dann auch noch „Alle AfDler sind Rassisten. Und Arschlöcher. Überall“ auf einem der Banner gestanden habe … . Wir wollen nicht unken. Aber könnte es sein, dass Herr Tritschler die „Junge Freiheit“ liest und dann rasch mal nachgegoogelt hat? Nein, ach was, niemals! Das wäre doch viel zu banal im Bösen. Schließlich ist die AfD eine weltoffene Partei, die das Volk mag und nicht extrem rechts ist. Die „Junge Freiheit“ hingegen … . Nein, wie konnten wir nur so etwas vermuten!

Und weil das alles doch schon an und für sich so schön ist, dürfen wir sogar noch mehr Pippi in den Augen bekommen vor lauter Herzerfrischung: Denn auch wir, die TERZ, stehen auf Svens Waschzettel, gehören in die Liste der bad kids! Endlich! Wir sind wieder wer!

Wenn der Tritschler-Sven noch mehr solcher Dinger raushaut, wird das eine amüsante Legislaturperiode. Und natürlich sind wir schon ganz rappelig vor lauter freudiger Erwartung der Antwort auf seine Anfrage. Dann können wir uns endlich zurücklehnen und uns feiern – wir waren spitze!