Der große Vorsitzende in Düsseldorf Vol. VII

Eine Zeit lang hat der Maoismus auch in Düsseldorf getreue Anhänger*innen gefunden. In einer Serie stellt das MAO-Projekt für die Terz einige Gruppen vor. Der letzte Teil berichtete von der Jugendvertretung der Mannesmann Röhrenwerke in Lierenfeld. In dieser Ausgabe bleiben wir bei den Mannesmann Röhrenwerken, es geht allerdings nach Rath, wo der ‚rote Betriebsrat‘ Uwe Bräutigam 1975/1976 entlassen wurde.

Während im letzten Beitrag dieser Serie die Auseinandersetzungen in und um die Jugendvertretung bei Mannesmann Lierenfeld betrachtet wurden, wo sich die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und ihr Kommunistischer Jugendverband (KJV) engagierten, wurde spätestens ab Anfang 1974 auch bei Mannesmann Rath die Rote Garde, die Jugendorganisation der KPD/ML, tätig.

Der dortige Betriebsrat stimmte für die Entlassung des Jugendvertreters Gerd Bail im Werk Lierenfeld. Dagegen sprach sich im August 1973 die Jugendvertretung des Werkes Rath aus. Die Verteilung der Betriebszeitung der Roten Garde – ‚Der rote Schraubstock‘ – führte im Januar 1974 sogleich zum Polizeieinsatz.

Auf der Betriebsversammlung am 22. April 1974 tritt dann der Jugendvertreter Uwe Bräutigam auf, greift die Entlassung eines italienischen und eines jugoslawischen Dolmetschers an, der der Betriebsrat ebenfalls sein OK gab. Der Betriebsrat sprach sich in dem Zusammenhang scharf gegen den ‚Roten Schraubstock‘ und auch gegen Uwe Bräutigam aus. Nach Bräutigams Rede auf der Versammlung jedoch formierte sich ein Zug der ausländischen Kollegen, um die Forderung nach Wiedereinstellung der Dolmetscher zu unterstreichen. Bereits damals forderte der Betriebsratsvorsitzende den Ausschluss von Bräutigam aus der IG Metall. Bräutigam aber blieb auch nach den Jugendvertretungswahlen im Mai 1974 ein ‚roter Jugendvertreter‘.

Im Februar 1975 gelingt es Bräutigam dann trotz seiner bekannt oppositionellen Einstellung auf die Kandidatenliste der IG Metall zu den Betriebsratswahlen im März, bei denen er dann 600 Stimmen (etwa 20 Prozent) erhielt, während der Betriebsratsvorsitzende offenbar rund eintausend Stimmen einbüßte.

Der Ausschluss Bräutigams aus der IG Metall erfolgte trotzdem offenbar umgehend und bereits im April aber wird Bräutigam mit dem Vorwurf der ‚Störung des Betriebsfriedens‘ entlassen, da er eine Unterschriftensammlung im Betrieb durchgeführt habe. Laut der Roten Garde seien zwei Lehrlinge mit der Drohung, sie sonst zu entlassen, zu der Aussage erpresst worden, Bräutigam habe sie um Unterschriften gebeten. Auch zu anonymen Drohanrufen beim Betriebsrat solle Bräutigam aufgerufen haben. Verlangt wurde die Entlassung offenbar von der Gruppe um den Betriebsratsvorsitzenden.

Das Arbeitsgericht bestätigte die Kündigung und lehnte dann Ende Juli 1975 auch Bräutigams Anfechtung des Urteils ab, so dass Bräutigam endgültig aus dem Betrieb entfernt worden war.

Das MAO-Projekt

Das Projekt „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO) wurde von Dietmar Kesten und Jürgen Schröder ins Leben gerufen. Seit über 30 Jahren widmen sie sich, unter Mitarbeit von Dieter Osterloh, der Geschichte der radikalen Linken und der sozialen Bewegungen der Bundesrepublik Deutschland. So ist eine riesige, für die Nutzer*innen kostenfreie Datenbank entstanden, in der Scans von – oft raren – Originaldokumenten und ihre Auswertungen abgerufen werden können. Derzeit umfassen die Texte ca. 300 MB in 16.795 Dateien und es wurden ca. 216.000 Scans veröffentlicht.

Beim Surfen vorbeischauen unter: http://mao-projekt.de